The Young ProfessionalDas Online-Magazin für junge Talente von Henryk Lüderitz


Öffentlich bewerben und mehr als nur einen Job kassieren

Die digitalisierte Bewerbung – so geht es!

Ein Beitrag von Meike Kühlkamp

Seit wir in einer Welt leben, die von der Digitalisierung geprägt ist, scheint der Wettbewerb um den richtigen Job noch schwieriger. Die Konkurrenz ist größer und attackiert von allen Seiten: auf Xing, LinkedIn, Facebook und Twitter. Seit die ganze Welt vernetzt ist, gibt es immer irgendwo jemanden, der noch ein Stück besser ist, ein Schritt schneller, als wir selbst.

Aber vielleicht war der Konkurrenzkampf auch einfach immer schon so hoch, nur wir haben es schlichtweg nicht mitbekommen? Während die einen die zahllosen neuen Wege der vernetzten Welt als trügerisches Labyrinth mit zu vielen Mitbewerbern sehen, gibt es wenige Optimisten (nennen wir sie vielleicht lieber Realisten), die sich an die neuen Lebensbedingungen auf dem veränderten Arbeitsmarkt angepasst haben. Die Überflutung an internationalen Mitstreitern hat in ihnen den Überlebenstrieb geweckt. Statt aufgeben und tot stellen heißt es bei ihnen: Umdenken und Teil des Ganzen werden.

Denn statt sich von der Vielzahl an Kommunikationswegen ins Aus schießen zu lassen, drehen sie den Spieß einfach um: Nicht von der Digitalisierung beherrschen lassen, sondern Herrscher über die Neuen Medien werden und das zum Beispiel bei der Bewerbung.

 

Level: Profi

Wie das geht, und zwar auf Profi-Level zeigte vor einiger Zeit der New Yorker Robert Leonardi. Leonardi ist Designer im Bereich Illustration, Grafik als auch Animation. Um sein Können direkt in Aktion zu beweisen, baute er sich kurzerhand eine durchdachte Bewerbungs-Webseite. Ganz im „Super-Mario-Stil“ können sich hier interessierte Personaler von Level zu Level klicken, um mehr über Leonardi und seine Qualifikationen zu erfahren. Überzeugendste Arbeitsprobe ist da wohl seine Webseite an sich.

(Quelle: http://rleonardi.com/)

 

„I know that you are going to check my facebook, so let`s begin here“

Verstanden, wo und wie Personaler heute suchen, hat auch Brandon Kleinman. Er hat für seine Suche nach einer neuen Arbeitsstelle kurzerhand ein Fotoalbum in Facebook erstellt. Beginnend mit den Worten: „Hello, my name is Brandon Kleinman and i am the best choice for your Strategist/Business Development position. I know you are going to check my facebook, so let`s begin here.“, führt Kleinman seine vermeintliche „Personaler-Jury“ durch ein Album, in denen er aufführt, welche Qualitäten er für ein Unternehmen mitbringt. Möge der eine oder andere Personaler sich dadurch auf den Schlips getreten fühlen, muss doch jeder eingestehen: Brandon Kleinman hat einen Schritt weiter gedacht und sich damit klar von der Masse abgehoben.

(Quelle: Facebook-Account Brandon Kleinman)

#InstaCV

Ähnlich kann man es auch mithilfe von Instagram anstellen, nämlich mit einem #InstaCV, so wie Chris Beyeler. Er teilt über sein Instgram-Account mit, dass er auf der Suche nach neuen Herausforderungen ist. „Ich suche…“ statt „Ich biete…“ ist hier die Devise. Wer Chris Beyeler über einen der strategisch gesetzten Hashtags gefunden hat oder einfach über „Instapropaganda“, kann seinem Link in der Bio folgen und damit ganz einfach Kontakt zu ihm aufnehmen.

https://www.linkedin.com/pulse/instacv-meine-bewerbung-%C3%BCber-instagram-chris-beyeler

(Quelle: https://www.linkedin.com/pulse/instacv-meine-bewerbung-über-instagram-chris-beyeler)

 

Das Produkt „ICH“

Phillippe Dubost geht den wohl extremsten Weg: Er verkauft sich selbst. Und damit sind nicht seine Prinzipien oder Werte gemeint. Nein, Dubost gelingt eine raffinierte Anspielung auf das heutige Konsumverhalten der Menschen, indem er sich ganz einfach selbst als Produkt anbietet: das Design angelehnt an einen der größten Online-Versandhändler weltweit. Und sein Plan geht auf: Nach zwei Monaten und über Eine Millionen Seitenbesucher später hat Dubost seinen Traumjob gefunden und wahrscheinlich noch viele weitere Kontakte knüpfen können.

(Quelle: https://phildub.com/)

 

Wie digitalisiert seid ihr??

Nicht jeder wird sich trauen, drastische neue Wege wie Brandon Kleinmann oder Phillippe Dubost zu gehen, wenn es um die Bewerbung um einen neuen Job geht. Nicht jeder muss in solchem Ausmaß kreativ werden, wenn es nicht zur Persönlichkeit passt oder zur Branche. Hat man als junger Bewerber heute aber häufig das Gefühl, neben der Konkurrenz nicht genügend Beachtung zu bekommen, ist es durchaus nicht verkehrt, auch einmal was zu wagen. Gerade in kreativen Bereichen macht es Sinn, nicht nur theoretisches Wissen anzupreisen, sondern auch einmal direkt zu zeigen, dass man verstanden hat, was machbar ist. Zurückhaltung ist immer dann falsch platziert, wenn sie Qualitäten hinter dem Berg hält. Wir leben in einer öffentlichen Welt. Wer Teil des Diskurses werden will, muss auf sich aufmerksam machen. Kleinmann und Co haben gezeigt, wie einfach es laufen kann.

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