The Young ProfessionalDas Online-Magazin für junge Talente von Henryk Lüderitz


Dafür fliegst du in der Probezeit – auch als High Potential!

Kündigungsgrund Nr. 2: Mangelnder Respekt

Ein Beitrag von Henryk Lüderitz

Wer ist denn so verrückt und begegnet seinem frisch gewonnenen Arbeitgeber mit mangelndem Respekt? Bewusst macht das sicher keiner. Die Gefahr lauert daher im Unerkannten. In Verhaltensweisen, die bisher nie relevant waren oder im bisherigen Umfeld toleriert wurden. Worauf frisch eingestellte High Potentials achten müssen, um sich nicht unbewusst selbst rauszuschmeißen, erfahrt ihr hier:

Wann und was muss ich überhaupt respektieren?

Durch den enormen Lerndruck im Studium ist der Umgang mit Respekt so eine Sache. Die wenigsten Young Professionals denken bewusst über dieses Thema nach und vertrauen auf ihre Erziehung oder Intuition. In die Erziehung wird Respekt jedoch sehr häufig als diffuse Forderung („Du musst mehr Respekt zeigen.“) eingebracht. Leider ohne Erklärung, Orientierung oder gute Beispiele.
Die Intuition ist bei frisch in den Beruf Eingestiegenen auch nicht immer der zuverlässigste Ratgeber, basiert sie doch auf implizit verfügbaren Erfahrungswerten. Und davon haben Young Professionals leider noch nicht so viele.
Das Ergebnis: Die Landkarte der zu respektierenden Gebiete ist höchstens eine vage Bleistiftskizze.

 

Wie sieht es in der Praxis aus?

Im Alltag führt diese Orientierungslosigkeit zu Respektlosigkeiten an unterschiedlichsten Stellen:
Gegenüber dem Chef. Klingt total absurd. Wer respektiert den eigenen Chef nicht? In der Praxis wird es jedoch heikel, wenn der eigenen Vorgesetzte z.B. jünger ist als seine Mitarbeiter oder eine schlechtere Ausbildung hat. Im Kopf verständnisloser junger Talente setzt sich ein Gedankenkarussell in Gang, das sich um die Frage dreht, wie DER das bloß geschafft hat, Chef zu sein! Leider bestimmen Gedanken unser Handeln und die Folge sind zwangsläufig kleinste Signale der Respektlosigkeit.

Der junge Profi ist sich in solchen Situationen seiner Chancen bewusst, dass z.B. in dieser Firma junge Karrieren möglich sind und er in diesem Punkt von seinem Chef lernen kann. Auch Gemeinsamkeiten lassen sich mit jungen Chefs üblicherweise eher herstellen, als mit einem Chef, der kurz vor dem Ruhestand steht.

 

Gegenüber Teammitgliedern, die z.B. aus Sicht des High Potentials weniger wichtige Aufgaben bearbeiten. Bemerkungen wie „ihr macht hier also nur …“ sind für sich allein genommen noch kein Kündigungsgrund. Das „nur“ könnte auch lediglich eine kommunikative Ungeschicklichkeit sein.

Der junge Profi nutzt seine kommunikativen Möglichkeiten gegenüber dem Team jedoch eher für eine anerkennende Wertschätzung der hier geleisteten Arbeit. „Cool, ihr fasst hier also alle Daten zusammen. / Mensch, das ist ja eine echt komplexe Handarbeit!“

 

Respektlos und unangemessen kann auch das Verhalten gegenüber dem Firmeninventar ausfallen. Wenn Berufseinsteiger beispielsweise mit hochgezogenen Augenbrauen auf das iPhone 5 Diensthandy blicken und es sogar noch mit einem „das nutzt ihr hier noch?“ empfangen, sind das satte Minuspunkte auf dem Respektskonto. Unordentliche und verdreckte Arbeitsplätze, Küchen, etc. führen hier selbstverständlich auch zu Punktabzügen.


Der junge Profi schafft hier den Quantensprung von der versifften Studentenküche zu einem ordentlichen Arbeitsumfeld. Der Schreibtisch muss nicht für operative Noteingriffe sterilisiert werden, Krümel, Papierstapel und Staubschichten finden sich bei echten High Potentials jedoch nicht. Erhaltendes Arbeitsmaterial, auch wenn es aus der letzten Technikdekade stammt, wird stets pfleglich behandelt.
Weniger häufig aber genauso schlimm ist respektloses Verhalten gegenüber Lieferanten oder Kooperationspartnern. In diesem speziellen Fall nutzt der junge Profi die Machtposition der eigenen Firma gegenüber einem „schwächeren“ Lieferanten durch respektloses Verhalten in Meetings oder bei Verhandlungen aus. Selbstverständlich im Sinne des eigenen Unternehmens, aber dennoch unangemessen respektlos.


Der junge Profi ist sich zwar der unterschiedlichen Machtverhältnisse bewusst, weiß aber, dass man menschliches Verhalten und Augenhöhe trotzdem möglich sind. Es gilt das Sprichwort: Hart in der Sache – weich zum Menschen. Wer diese Gratwanderung erfolgreich meistert, beweist gleichzeitig auch potenzielle Führungsqualitäten.

 

Eine Sonderrolle nimmt das private Umfeld des Chefs oder der Kollegen ein. Im professionellen Rahmen sollten Hobby und Familie nur dezent eingebracht werden. Von beiden Seiten! Wenn sich der Chef dennoch öffnet und z.B. vom Familienzuwachs oder schweren Krankheiten berichtet, gilt es mit besonderem Fingerspitzengefühl zu reagieren.


Der junge Profi reagiert hier ähnlich wie bei den Teamkollegen, mit einer zurückhaltend interessierten Gesprächsteilnahme. Weder ausfragen noch ein wortkarges „aha…“ sind angemessene Reaktionen. Empathie ist Trumpf. Erkennt die Gefühle beim Chef und sprecht sie offen an. „Toll, über ihren Nachwuchs freuen sie sich ja riesig, dass merkt man total! Ich freue mich für sie!!“

Wie ist es euch mit dem heiklen Thema „Respekt“ ergangen? Welche schlimmste Respektlosigkeit habt ihr schon beobachtet oder selbst erlebt?
Ich freue mich auf eure Kommentare und weitere Anregungen zu dieser Themenreihe.
Euer Henryk

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