The Young ProfessionalDas Online-Magazin für junge Talente von Henryk Lüderitz


Dafür fliegst du in der Probezeit – auch als High Potential!

Kündigungsgrund Nr. 3: Kommunikation ist alles – außer sie ist schlecht.

Ein Beitrag von Henryk Lüderitz

Die kommunikative Wellenlänge wird eigentlich schon im Vorstellungsgespräch intensiv geprüft. Leider gibt das Jobinterview nur einen begrenzten Blick auf das Kommunikationsverhalten neuer Mitarbeiter. Damit ihr nicht Opfer von kommunikativen Fettnäpfchen werdet, habe ich hier ein paar Highlights inkl. Verbesserungsvorschlägen zusammengefasst.

 

Warm up nicht bestehen

Nach der Probezeit folgt die Phase des „Warm-up“ im neuen Team und mit dem Chef. In dieser Phase spielt die soziale/kommunikative Kompetenz eine viel größere Rolle als die persönliche Fachkompetenz. Der erste Eindruck ist schwer wieder gut zu machen. Damit ihr das gar nicht erst müsst, sorgt dafür, dass man euch versteht – und zeigt, dass ihr versteht. Wollt ihr schnell ein Draht zum Team finden, müsst ihr dessen Sprache sprechen.

Und so schwer ist das ganze gar nicht, denn die klassischen Fettnäpfchen kennt eigentlich jeder: Klugscheißerei, ständiger Widerspruch oder geschmacklose Witze will niemand hören. Vielen Chefs reicht  jedoch auch schon das subtile Bauchgefühl, dass man nur einen kleinen gemeinsamen Wortschatz hat. Damit macht ihr eine glatte kommunikative Bruchlandung, bei der nicht nur der erste Eindruck, sondern womöglich auch jede erste Sympathie euch gegenüber flöten geht.

Also macht es besser:

Wer bereits von Beginn an zwei Dinge tut, ist schnell auf der sicheren Seite:

  1. Genau hinhören, wie im neuen Arbeitsumfeld kommuniziert wird. Welche Redewendungen und firmenspezifischen Ausdrücke werden verwendet. Wenn ihr ein Notizbuch nutzt, lassen sich darin unauffällig solche Beobachtungen festhalten. Damit geht es dann direkt zum zweiten Tipp:
  2. Versucht die „neuen“ Sprachelemente langsam selbst zu nutzen, ohne dabei hölzern oder aufgesetzt zu wirken. Das funktioniert dann am besten, wenn ihr jeden Tag maximal eine neue Redensart in euer sprachliches Repertoire aufnehmt.

 

Unpräzise schwafeln

Schwafelei ist ein weit verbreitetes Symptom. Wie bei einer Krankheit, ist es allerdings nur eine Außenwirkung, die eine erzeugende Ursache hat. In den meisten Fällen ist es mangelndes Fachwissen oder der Wunsch nach Anerkennung ohne vorherige Leistung. Beides sind aus Sicht von Chef und Team absolute NoGos.

Besonders auffällige kommunikative Signale sind z.B. Verallgemeinerungen, berufen auf „alle anderen“ oder der verstärkte Einsatz des Konjunktivs.

Also macht es besser:

Wenn es sich nicht um notorische Schwafelei handelt, (die ist nur durch viel Arbeit und professionelle Unterstützung in den Griff zu bekommen) geht dem Schwafeln meist das unbewusste Gefühl voraus, fachlich (noch) nicht 100prozentig sicher zu sein. Wer diesen Eindruck von seiner eigenem Arbeit hat, sollte dringend von Mails, Präsentationen und kleinere Fachdiskussionen Abstand nehmen.

Besser und viel ehrlicher ist es mit dem erkannten Defizit offensiv umzugehen und Kollegen um Hilfe oder zusätzlichen Input zu bitten. Außerdem hat es sich bewährt, mit sich selbst eine kritische Generalprobe zu veranstalten. Spätestens wenn man sich selbst vor dem Spiegel etwas erklärt, fällt schnell auf, wo die fachlichen Lücken sind, die im Ernstfall durch Schwafelei verdeckt werden sollen.

 

Übers Ziel hinausschießen

Mindestens ebenso nervig wie die Schwafelei ist eine Mischung aus fachlicher Kompetenz, fehlendem Fingerspitzengefühl (oder Empathie) und einem kleinen Ego.

In der Praxis zeichnen sich solche Mitarbeiter beispielsweise durch Vorschläge, E-Mails und Präsentationen aus, deren Anfertigung schon mehr Zeit und Kosten produziert haben, als die Idee jemals wert sein könnte.

Mal ganz vom wirtschaftlichen Aspekt abgesehen, nervt dieses Verhalten kolossal!

Praxistipps:

Die Lösung kann gleichzeitig sogar die Chance enthalten eine zusätzliche Methodenkompetz geschickt unter Beweis zu stellen. Gemeint ist die Konzentration auf die wirklich wichtigen Dinge und diesen mit dem angemessenen Aufwand zu begegnen. Es gilt eine regelmäßige kritische Selbstüberprüfung zu starten und sich zu fragen, wie groß bei der aktuellen Aufgabe der Nutzen von Chef und Unternehmen ausfallen. Ertappt ihr euch bei der Arbeit an einem Leidenschaftsthema, ist das kein absolutes NoGo, solange die wichtigen Aufgaben auch angemessen erledigt werden.

Lagt ihr mit eurer Kommunikation schon einmal total daneben oder gab es schon einmal ein riesiges Missverständnis zwischen euch und einem Kollegen?

Erzählt mir von euren Erfahrungen!

Euer Henryk

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