The Young ProfessionalDas Online-Magazin für junge Talente von Henryk Lüderitz


Das Sabbatjahr wird immer belieber und bedeutet weitaus mehr, als die Flucht vor dem Burnout

Sabbatical: Die Auszeit ohne Ausrede

Ein Beitrag von Meike Kühlkamp

Viele träumen davon, aber nicht alle trauen sich auch tatsächlich: Ein Sabbatjahr scheint für einige heutzutage immer noch ein echtes Wagnis zu sein. Dabei tut vielen Menschen gerade in unserer Leistungsgesellschaft ein Veto auf Zeit zum Karriereleben gut.
Aber wie sieht es eigentlich mit Young Professionals aus? Darf ich mich als junger Starter auch ein Jahr freistellen lassen oder ist das ein absolutes No-Go?

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Eine Auszeit zurück zum Nullpunkt

Der allbekannte Mythos über Menschen, die sich in ein Sabbatjahr verabschieden, ist noch allgegenwärtig. Meist seien es doch Leute, denen der Hippie-Kult der letzten Urlaubsreise den Verstand geraubt hat oder es sind einfach die „schwachen“ Geister, die dem Druck der Unternehmenswelt nicht standhalten und mit einem Sabbatjahr die letzte Notbremse ziehen. Tatsächlich gibt es aber weitaus mehr berechtigte Gründe als die Flucht vor dem Burnout. Immer mehr Menschen entziehen sich dem Druck unserer Gesellschaft und ziehen in den augedehnten Urlaub des Sabbaticals, um wieder an ihren eigenen Nullpunkt zurückzukehren. Der ein- oder mehrjährige Ausstieg aus dem Beruf kann oft eine Chance sein, um seinen Kopf und seinen Geist frei zu machen, neue Ziele und Wünsche zu definieren und das eigene Leben aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Wer das durch ein Sabbatjahr schafft, ist danach in seinem Job oft produktiver als zuvor. Einmal aus dem Alltag befreit, lässt sich der stressbedingte Tunnelblick leicht ablegen. Ein Sabbatical ist also nicht nur die Burnout-Rettung, sondern kann die Kreativität wieder ganz neu wecken.

 

Unternehmen müssen flexible Arbeitsmodelle bieten

Gerade deshalb wird die Möglichkeit des Sabbatjahres in vielen Unternehmen angeboten. Zum einen, um das Maximum aus den Mitarbeitern rauszuholen, auch, wenn das bedeutet, sie für ein Jahr ziehen zu lassen. Zum anderen aber vielleicht auch, um Mitarbeiter ans Unternehmen zu binden. Mit der Generation Y werden Wünsche wie das Ausleben der Individualität und Flexibilität immer öfter an die Unternehmen herangetragen. Wenn diese den leistungsstarken Nachwuchs für sich begeistern wollen, müssen sie flexible Arbeitsmodelle anbieten, die in den aktuellen Zeitgeist passen.

Laut einer Forsa- Umfrage für die Krankenkasse DAK aus dem Jahr 2016, ist es 63 Prozent der Deutschen wichtig, sich von Stress zu befreien, auch im Berufsleben. Auch Führungskräftecoach Henryk Lüderitz macht im Kontakt mit Young Professionals immer wieder die Erfahrung, dass hohe Gehälter schon lange nicht mehr das Maß aller Dinge sind. Persönliche Entwicklung und Ausgeglichenheit steht für viele an erster Stelle und dafür brauchen sie genügend Zeit neben dem Job.

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Quelle: ARAG

 

Nicht nur Notbremse – Auszeit sinnvoll nutzen

Zeit, für die unterschiedlichsten Dinge. Manchmal einfach nur, um persönlichen Interessen nachzugehen, die im Alltag auf der Strecke bleiben. Ein Sabbatical bietet aber auch immer die Chance, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden: durch die Welt reisen und dabei neue Sprachen erlernen und interkulturelle Kompetenzen stärken. Manche zieht es ins Sabbatical, um ihr Karma-Konto aufzubessern. Wer Vollzeit arbeitet, sieht sich häufig überfordert, nebenher auch noch ehrenamtlich aktiv zu sein. Warum also nicht die längere Auszeit nutzen, um etwas Gutes zu tun, Entwicklungshilfe oder auch Hilfe vor Ort, um Erfahrungen zu sammeln und in andere Berufsbereiche einzutauchen?

 

Nix wie weg – aber mit Planung!

Es gibt also genügend gute Gründe, die zur Selbstüberzeugung angeführt werden können. Wer auch seinen Arbeitgeber auf die Seite „Pro Sabbatical“ ziehen will, sollte mit der Planung des Sabbatjahres frühzeitig anfangen. Beamte reichen in der Regel lediglich einen Antrag ein, in der freien Wirtschaft wird das Sabbatical zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber ausgehandelt. Beiden Parteien sollte genügend Zeit eingeräumt werden, um die längere Auszeit sinnvoll nutzen zu können. Regelungen mit dem Arbeitgeber müssen rechtzeitig angegangen werden, genauso das Thema Finanzierung. Damit die Auszeit nicht zum Desaster wird, kann eine Liste mit wichtigen Fragen, die vorab zu klären sind, helfen:

  • Das Sabbatjahr kann länger und kürzer als ein Jahr dauern. Welche Zeit will ich mir nehmen/brauche ich?
  • Kann ich das Sabbatjahr finanziell stemmen? Kann ich ein Arbeitszeitkonto zur Finanzierung bekommen?
  • Wie verläuft meine Rückkehr zurück ins Unternehmen? Wer kann mich über Aktuelles briefen?
  • Werden Krankheitstage innerhalb des Sabbatjahres ausgeschlossen oder angerechnet?
  • Gibt es einen Kündigungsschutz während der Abwesenheit im Büro?

Ganz ohne Aufwand kommt man natürlich nicht an seine Auszeit, aber normalerweise zeigen sich Unternehmen/Arbeitgeber kooperativ und unterstützen bei der Planung. Aber wie sieht das eigentlich aus, wenn man als Young Professional mit einem derartigen Anliegen auf den Chef zukommt? Macht das einen schlechten Eindruck, weil ich noch zu jung für eine Auszeit bin? Verspiele ich mir damit womöglich alle Aufstiegschancen?

 

Henryk, wie schätzt du das als Karrierecoach und ehemaliger Manager ein?

Die Sorge, die eigene Karriere mit einer Auszeit aufs Spiel zu setzen ist für Young Professionals nicht unbegründet. Es gibt viele „Manager-Kollegen“,  die einem Sabbatjahr sehr kritisch gegenüber stehen, besonders dann, wenn der Young Professional weniger als 2-5 Jahre im Berufsleben aktiv war.
Ich persönlich sehe eine gut begründete & geplante Pause weniger kritisch. Die Betonung liegt allerdings auf gut geplant und gut begründet. Wenn ich als Manager das Gefühl habe, der Mitarbeiter plant eine Spaßreise, bin ich sehr kritisch. Ist die Auszeit gut begründet, bin ich wesentlich offener.
Die Frage ist jetzt: Was sind gute Gründe?
Auch das ist individuell. Wer in den letzten 24 Monaten die Familie bei der Pflege der Großeltern unterstützt hat, hat eine ebenso gute Begründung, wie derjenige, der in den letzten 12 Monaten ein Mega-Projekt gerockt hat.
Gleichzeitig erwarte ich, unabhängig von der Dauer der bisherigen Berufstätigkeit, eine gut durchdachte Planung. An der Planung eines Vorhabens kann ich als Manager ablesen, wie ernsthaft und professionell der Mitarbeiter das persönliche Projekt „Ausstieg“ umsetzen möchte.

Daher lautet mein Fazit: Vergesst die Ratschläge von konventionellen Karriereratgebern. Es gibt keine „verbotenen“ Zeitpunkte, sehr wohl aber verboten schlechte Gründe und Pläne!
Habt ihr einen guten Grund und einen professionellen Plan, dann sucht einfach das offene Gespräch mit dem eigenen Chef.

Jetzt bin ich natürlich ganz gespannt, wie eure Erfahrungen und Meinungen zu diesem Thema sind. Habt ihr schon Erfahrungen mit einer Auszeit gesammelt? Wenn ja, wie ist es euch damit ergangen?

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