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Was wir von Petra Hinz und ihrem CV-Tuning lernen können

Schummeln im Lebenslauf – jeder zweite CV ist übertrieben!

Ein Beitrag von Julia Fähndrich

Swearing an oath with fingers crossed behind back concept for dishonesty or business fraud

Ein aufpolierter Lebenslauf ist wie ein frisiertes Moped oder ein getuntes Auto. Es macht Eindruck, befördert Euch schneller von A nach B und wenn Ihr erwischt werdet? Tut’s weh.

Das Problem ist, dass Personaler zunächst nichts anderes in der Hand haben, als Euren Lebenslauf. Er ist die Basis für ihr Urteil über Euch. Am Lebenslauf entscheidet sich, ob Ihr zum Vorstellungsgespräch eingeladen werdet oder nicht. Er ist Euer Türöffner.

Natürlich ist es da umso wichtiger, dass dieser Türöffner schön blitz und blank ist. Aber was genau darf man am Lebenslauf überhaupt aufhübschen, ohne dass es illegal wird? Was kann man sowohl persönlich, als auch rechtlich noch vertreten? Und wo wird es Karriere gefährdend?

Die Safe Zone

Druck

Im grünen Bereich des Lebenslauf-Tunings befindet Ihr Euch vor allem mit einem tollen Format und Design. Nicht zu überladen sollte es sein, damit die Übersichtlichkeit nicht verloren geht. Aber etwas Kreativität darf bei der Gestaltung durchaus an den Tag gelegt werden. Vor allem in kreativen Berufen. Denn so kann der Lebenslauf gleich ein Beweis Eures Könnens sein. Jetzt muss sich aber niemand extra Photoshop-Know-How aneignen. Hier und da ein bisschen Farbe reicht oft schon, um sich von den Standard-CVs abzuheben.

Auch die Formulierungen spielen eine wichtige Rolle, beim ersten Eindruck. Es ist kommt öfter vor, dass die ausgefüllte Position im Unternehmen mehr beinhaltet hat, als im Arbeitsvertrag angegeben. Dann darf im Lebenslauf durchaus die tatsächliche Betätigung stehen. Habt Ihr längere Zeit im Ausland verbracht? Dann verpackt es auch genau so. „Privater Auslandsaufenthalt zur besseren Sprachaneignung“ liest sich besser, als „drei Monate Inselhopping in Thailand“. Wichtig ist aber, dass Ihr der Sprache auch nachweislich Herr seid.

Selbstangeeignete Kenntnisse aus Hobby, Freizeit, oder weil man gerade nichts besseres zu tun hatte, könnt Ihr formell auf berufliche Fähigkeiten übertragen. Es darf auch ruhig dabei stehen, dass Ihr den „Investmentbanking für Dummies“-Intensivkurs bei der Volkshochschule in Warnemünde aus eigenem Antrieb besucht habt. Das zeugt zum einen von Interesse am Aufgabengebiet. Zum zweiten von persönlichem Einsatz und Willen zur Weiterentwicklung. Und zum dritten davon, dass Ihr eine Jobdurststrecke zu überbrücken versteht.

 

Die Gefahrenzone

Buzzer (mit Freistellungspfad)

Es gibt eine rechtliche Grauzone, wonach man ohne juristische Konsequenzen im Lebenslauf auch lügen darf. Hier greift dann das Recht zur Lüge, das ansonsten vor allem Bewerber im Jobinterview schützt. Schwangere dürfen ihre Schwangerschaft beispielsweise abstreiten, werden sie im Vorstellungsgespräch danach gefragt. Vor dem Hintergrund dieser im BGB verankerten Rechtsprechung könnt Ihr – und ich betone könnt – beispielsweise eine sechsmonatige Auszeit als Arbeitszeit angeben. Im Idealfall mit Bescheinigung.

Vor dem Hintergrund des Rechts zur Lüge ist es ebenfalls möglich, eine Tätigkeit im Lebenslauf länger ausgeführt zu haben, als es tatsächlich der Fall ist. Hier wird’s allerdings knifflig, wenn das Ausstellungsdatum des Arbeitszeugnisses und der im Lebenslauf angegebene Arbeitszeitraum auseinanderklaffen. So etwas wird zwar rechtlich in der Regel nicht geahndet, eben wegen des Rechts zur Lüge. Aber wer nicht unbedingt herausfinden will, wie der Arbeitgeber darauf reagiert, wenn die Schummelei doch ans Licht kommt, sollte die Finger davon lassen.

Es ist auch möglich, seine Fertigkeiten in Fremdsprachen aufzubessern oder seine Fachkompetenzen zu erweitern. Das wäre allerdings nicht nur eine Lüge. Es wäre eine ziemlich dumme Lüge. Denn so etwas wird bevorzugt schon im Bewerbungsgespräch abgefragt. Wenn der Personaler plötzlich ins Englische switcht und Ihr nur herum stammelt, während im Lebenslauf Sprachniveau C2 angegeben ist … Merkt Ihr selbst, oder? Das gleiche gilt für jeden anderen Fachbereich und die dazugehörigen Aufgabenbereiche. Grundsätzlich gilt: Ihr dürft aus Selbstvermarktungszwecken die Wahrheit dehnen. Es darauf ankommen zu lassen … Davon ist abzuraten.

 

Absolutes Sperrgebiet

Referee holding ball and showing a red card

Mittlerweile gehen Personaler laut WirtschaftsWoche davon aus, dass rund die Hälfte aller Bewerber bei den Angaben im Lebenslauf trickst. Dabei sind die Schönheitsmaßnahmen von oben teils längst bekannt und werden schweigend akzeptiert. Wenn zum Beispiel dasteht „berufliche Orientierungsphase“, weiß jeder Recruiter, dass Ihr in der Zeit arbeitslos wart. Das Gleiche gilt, wenn Ihr zwar die Dauer Eures Studiums angebt, aber nicht konkretisiert, ob Ihr es auch abgeschlossen habt.

Was allerdings sowohl vor dem Gesetz, als auch vor dem Personaler nicht gut kommt, sind Lügen oder Betrugsversuche. Ein selbst ausgestelltes Abschlusszeugnis ist Urkundenfälschung. Und das hat mit dem Ausschmücken des Lebenslaufes nichts mehr zu tun. Daheim gebastelte Arbeitszeugnisse können mit einem Anruf beim vermeintlichen Arbeitgeber entlarvt werden. Und auch wer die Formulierung der Aufgabenbereiche überstrapaziert, wie ein gewisser Herr zu Guttenberg, steht mit einem Bein im Grab seiner Karriere.

Solche Falschangaben sind Grund für eine fristlose Entlassung, denn der Arbeitgeber wurde hier arglistig getäuscht. Das Vertrauen in den Arbeitnehmer ist – zurecht – erschüttert. Und nicht selten hat die Aufdeckung solcher Lebenslauflügen eine Schadensersatzklage zur Folge. Besonders große Unternehmen setzen mittlerweile sogar Wirtschaftsdetektive ein, um Betrug noch vor der Einstellung des Kandidaten auszuschließen. Und wie die Beispiele Hinz, Guttenberg und Co. zeigen, ist auch jahrelange Betriebszugehörigkeit kein Hinderungsgrund, den Job zu verlieren.

 

Fazit

Beim Pimpen des Lebenslaufes gilt grundsätzlich: Erlaubt ist, was gefällt, aber die Konsequenzen muss jeder selbst tragen.

Scherz beiseite. Jeder trickst und verschönert hier und da eine Angabe. Das wissen Personaler am besten und in einigen Dingen wird er auch Gnade vor Recht ergehen lassen und wissentlich über das ein oder andere hinwegsehen. Wenn Ihr euren Lebenslauf aufhübscht, beschränkt Euch aber auf jobrelevante Angaben, die Ihr außerdem vertreten und belegen könnt.

Wer im Job keine Fremdsprachen braucht, kann sein Sprachniveau einer exotischen Sprache gut und gerne ein Level höher schrauben. Wer aber mit Tabellen arbeitet und sich nur auf dem Papier mit Excel auskennt, steht früher oder später vor einem gewaltigen Problem. Das heißt: Einen gewissen Interpretationsspielraum habt Ihr. Aber übertreiben oder gar lügen kann das Karriereaus bedeuten. Beim Einen früher, beim Anderen später.

Und damit Euch das nicht passiert, hat Business-Coach und Führungskräftetrainer Henryk Lüderitz noch ein paar wertvolle Tipps in Sachen Lebenslauftuning:

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„Henryk, was hast Du an Deinem Lebenslauf optimiert?“
Ich habe für eine bessere Lesbarkeit auf die Monatsangaben verzichtet und schreibe nur noch die Jahreszahlen. Da ich schon etwas länger im Geschäft bin und viele Stationen in meinem CV zusammenkommen, ist (aus meiner Sicht) nicht wirklich relevant, ob ich im Januar oder im September den nächsten Job angetreten habe. Und wen es im Detail interessiert, der kann gerne fragen. 😉

„Welche Optimierungen sind aus Deiner Sicht im CV noch OK?“
Bevor man an Optimierungen im Sinne von Mogeln bei Noten, etc. denkt, ist es viel sinnvoller, im privaten und beruflichen Bereich nach Dingen zu suchen, die auf den ersten Blick nicht relevant für den CV erscheinen. Bei genauerer Analyse bieten sie jedoch oft gutes Potenzial zur Aufwertung der eigenen Person.
Ein Praxisbeispiel: Der Hobby-Dirigent geht schon seit Jahren einer leitenden und verantwortungsvollen Freizeitbeschäftigung nach. Also rein damit in den CV!

„Hast Du weitere Tipps, mit denen sich das „verbotene Tuning“ vermeiden lässt?“
Ja. Die Lücken in einem CV kommen nicht von heute auf morgen. Sie lassen sich häufig schon ein paar Wochen oder Monate vorher erkennen, z.B. bei erfolgter Kündigung oder erreichtem Studienabschluss ohne Jobangebot. In diesen Fällen rate ich dringend und sofort zu begleitenden Tätigkeiten, die einerseits gut in den CV passen und eine entstehende Lücke füllen können und andererseits nicht die Zeit für weitere Bewerbungen nehmen.
Auch hier ein Praxisbeispiel: Nach dem Uni-Abschluss einen Intensivsprachkurs starten, der vor Ort stattfindet. Neben dem Kurs kann die Bewerbungsphase weiterlaufen und gleichzeitig wird eine weitere Fremdsprachenkompetenz aufgebaut. Sollte der nächste Job erst 6 Monate später kommen, lässt sich diese Zeit durchaus als „gewollt“ deklarieren, weil die neue Fremdsprache erlernt werden sollte. Selbstverständlich müssen dann in der Sprache auch mehr als Bitte & Danke möglich sein!! 😉

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  • BAPPLY am 20. August 2016 um 9:23

    Super Blogpost, vielen Dank! Schummeln gehört sich nicht und wer schummelt, sollte fliegen. Es ist für alle Beteiligten Zeitverschwendung, wenn man sich für etwas ausgibt, was man gar nicht ist. Gilt übrigens auch für Personaler 🙂 Authentizität ist das A und O. Ich habe mir dazu neulich auch mal ein paar Gedanken gemacht: https://bapply.de/authenzitaet-bei-der-bewerbung

    • Henryk Lüderitz am 24. August 2016 um 20:58

      Vielen Dank für Deinen Kommentar und Input.
      Mit sonnigen Grüßen aus Düsseldorf,
      Henryk

  • Fine am 11. Januar 2017 um 17:06

    Super interessanter Artikel. Vielen Dank. Ich finde es nicht gut, wenn Leute bei der Bewerbung schummeln, denn was bringt das dem Bewerber und dem Arbeitgeber. Am Ende wahrscheinlich nichts.
    Die Urkundenfälschung ist auch heute noch ein präsentes Thema und sollte auch nicht unterschätzt werden. Allerdings gibt es ja einige Möglichkeiten um seine Dokumente vor solch einer Fälschung zu schützen. http://alphanis.de/faelschungssicherheit-fuer-dokumente/urkundenfaelschung

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