The Young ProfessionalDas Online-Magazin für junge Talente von Henryk Lüderitz


Top-Arbeitgeber: Worauf Du achten musst, damit "ausgezeichnet" auch ausgezeichnet zu Dir passt (3)

Wo ist alles Gold, was glänzt?

Ein Beitrag von Tanja Kaiser

Wir finden: Wo Gold ist, darf es glänzen! Deshalb haben wir für den dritten Teil unserer Themen-Reihe geradezu aus dem Vollen geschöpft – und ein Unternehmen unter die Lupe genommen, das buchstäblich bekannt ist für goldene Marken-Protagonisten. Doch wie bringt das Personal-Management auch Young Professionals zum Strahlen?

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Frisch ausgezeichnete Arbeitgeber! Das Magazin FOCUS hat den „besten Arbeitgebern 2016“ jüngst ein ganzes Spezial gewidmet. Bei einigen von ihnen hat The Young Professional einfach mal genauer nachgefragt: Wie gut sind Trainee- und Talentprogramme? Wie flexibel reagieren Top-Arbeitgeber auf zeitgemäße Interessen von Young Professionals?
Genau das herauszufinden, ist generell für Berufseinsteiger gar nicht so einfach. Es blinkt und glitzert in den Best of Rankings, in den Karriere-Portalen und den Image-Broschüren der Unternehmen geradezu um die Wette.

Deshalb schauen wir für Euch hinter die Kulissen. Und fragen nach: Wie gut machen Unternehmen ihren Job, wenn es darum geht, aus Talenten Profis zu machen? Denn aus Erfahrung wissen wir: Es gibt durchaus Unterschiede. Dabei entscheidend: Was für den einen perfekt ist, kann für den nächsten weniger passend sein.

Die gute Nachricht: Im Rahmen unserer Recherchen und Gespräche zur Themenreihe mit Top-Arbeitgebern können wir bislang feststellen: Ausgezeichnete Unternehmen machen ihren guten Namen durchaus alle Ehre. Es ist tatsächlich vieles Gold, was glänzt …

So auch in Aachen. Hier findet sich die Lindt & Sprüngli GmbH – deutscher Standort des berühmten Schweizer Schokoladen-Konzerns.


Kollegen, die wohl jeder kennt! Produkt-Klassiker der Lindt & Sprüngli GmbH:  Die berühmten Goldhasen.
Es funkelt im Einzel- und Fachhandelsregal: Der Auftritt der Marke Lindt ist buchstäblich glänzend – und die goldenen Protagonisten kennt wohl jeder. Die Lindt & Sprüngli GmbH ist in langer Tradition bekannt für Premium-Schokolade.

Weniger bekannt: Ziemlich ungewöhnliche unternehmerische Strukturen – aber auch erstaunliche Ansätze des Personal-Managements – führen auch in Sachen Talent-Entwicklung zu Qualität mit Premium-Format.

Warum ist das so?
Wir nehmen vorweg: Es scheint naheliegend, dass es nicht allzu schwer fallen dürfte, sich als Mitarbeiter mit den Produkten des Schokoladen-Herstellers zu identifizieren. Und so sieht es auch der Praktikant des Key Accounts. Was er macht –  und warum er bei Lindt ist – das erzählt er zusammen mit anderen Young Professionals im Rahmen eines Videos im Karriere-Portal des Unternehmens.

Hier wird ebenfalls deutlich: Das Unternehmen setzt auf Praktikumsplätze als Einstiegsmöglichkeit. Nachwuchs-Entwicklungen verlaufen offenbar bodenständig – aber auch innovativ. Wir schauen genauer hin: Was ist die Schokoladenseite dieses Unternehmens?

Firma in der Firma

„Wir sind eine Firma in der Firma.“ Das sagt Dietmar Klose, Direktor Personal Chocoladefabriken Lindt & Sprüngli GmbH. 

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Ist angenehm überrascht über die ungewöhnlich dezentrale Struktur des Konzerns: Henryk Lüderitz, Management-Trainer und Spezialist für die Entwicklung von Führungskräften
Aha. Wir sind erstaunt. Henryk Lüderitz, Management-Trainer und Herausgeber von The Young Professional ist aufgrund seiner Erfahrungen als langjährige Führungskraft bei einem internationalen Mobilfunk-Konzern mit den üblichen Strukturen von Konzernen vertraut – und  fragt nach: „Im Sinne eines Profit-Centers?“

„Nein!“ Dietmar Kloses Reaktion klingt beinahe amüsiert. „Das denken die jungen Leute meistens. Dabei geht es weit über den Aspekt eines Profit-Centers hinaus.“

Dezentrale Struktur 

Wir erfahren: Offenbar ermöglicht die außerordentlich dezentrale Struktur des Schweizer Konzern-Gruppe einzelnen Konzern-Standorten ein ungewöhnliches Maß an Eigenständigkeit. Doch was heißt das für Young Professionals mit Karriere-Ambitionen bei Lindt?

„Das heißt“, so der Direktor Personal nicht ohne Stolz, „dass die Teams an den traditionell gewachsenen Standorten – wie Aachen – über ganz immense Entwicklungs- und Gestaltungsspielräume verfügen. Und zwar in einer Ausprägung, wie man sie meines Erachtens in anderen Konzernen nicht vorfindet.“

Konzern oder Mittelstand? Lindt vereint beides!

Dietmar Klose betont das aus gutem Grund. Gerade Berufseinsteigern sollte bewusst sein, dass unterschiedliche unternehmerische Strukturen auch unterschiedliche Arbeitsweisen mit sich bringen. Mittelständische Strukturen unterscheiden sich hierbei in aller Regel deutlich von Konzern-Strukturen, die entgegen weit verbreiteter Meinung meist weniger Gestaltungsspielraum bieten, als der eher familiär geprägte Mittelstand.

Genau hier scheint die Besonderheit des Schweizer Schokoladen-Konzerns zu liegen: Das Unternehmen vereint mittelständische mit konzerngeprägten Strukturen. Dietmar Klose sieht darin klare Vorteile für den Nachwuchs beispielsweise in Aachen, wo eigenständig ganze Produktgruppen entwickelt und vermarktet werden: „In Aachen bezeichnen wir uns gerne als Familie. Und das trifft die Sache auch ganz gut“, erzählt er, „Der Standort Aachen hat traditionelle Wurzeln – und auch der Erfolg des Standortes Aachen ist traditionell gewachsen.“

Und der Erfolg gibt Recht!

Denn Aachen ist der Entwicklungs-Standort für berühmte Produkt-Klassiker, wie Goldhasen und Goldbären – aber auch für ganz neue Produktlinien, wie beispielsweise HELLO. Entsprechend groß auch die Identität der Company in Aachen.

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Der Goldhase. Nur einer der goldenen Marken-Protagonisten der Lindt & Sprüngli GmbH – entwickelt am Standort Aachen.
Übrigens: Gewusst? Das Glöckchen des Goldhasen wird nicht nur im TV-Spot von Hand angelegt…

Bei der Lindt & Sprüngli GmbH scheint eben einiges anders.
Anders, als vermutet – und anders als vielerorts üblich. „Dass wir in vielem anders sind, macht uns gerade aus!“ Betont Personal Direktor Dietmar Klose. Das Unternehmen gibt sich bodenständig, traditionell – aber zugleich auch ausgesprochen innovativ.

 „Lindt-Universum“ – mit Individualitäts-Prinzip

Man setzt auf Individualität. Und zwar auf ganzer Linie. Auch im Personal-Management.
Mit „Passe-Partout Kandidaten“, die sich zwar in alle Situationen und Kontexte nahezu perfekt einfügen ließen, denen jedoch ein gewisses Maß an Individualität fehle, tue man sich schwer, berichtet Dietmar Klose. Man suche nicht unbedingt immer die Besten – sondern lieber die Passenden. Individuelle Persönlichkeiten, ruhig auch mit ein paar Ecken und Kanten, seien für das „LindtUniversum“, wie Klose das Unternehmen liebevoll nennt, weitaus geeigneter. „Es gibt keine guten oder schlechten Kandidaten“, findet er, „vielmehr ist es unsere Aufgabe als Personaler, die passenden Mitarbeiter zu finden.“ 

Das scheint auch der Grund dafür zu sein, dass bei Lindt neben klassischen auch durchaus interdisziplinäre Karriere-Wege gegangen werden können.

Doch welche sogenannten Standards gibt es in Punkto Personal-Entwicklung dennoch? Wir haken nach. Schließlich bedarf es in jeder professionellen Unternehmensstruktur gewisser Leitplanken, die die Entwicklung des Nachwuchses sicherstellen. Wir erfahren: Die Lindt & Sprüngli GmbH bietet Young Professionals sowohl Trainee-Programme als auch Direkteinstiege an. Dabei führen Trainee-Programme in eineinhalb bis zwei Jahren durch verschiedene abteilungsspezifische Aufgabenbereiche.

Nachwuchsführungskräfte durchlaufen ein dreijähriges Training mit unterschiedlichen Seminar-Blöcken zu Führungskultur und Führungsfähigkeit. „Dabei geht es uns nicht um die Vermittlung von Werkzeugkoffern, die eine Anleitung dazu enthalten, wie Instrument 3 auf Problem 5 anzuwenden wäre“, erläutert Personalchef Dietmar Klose. „Vielmehr geht es um Verhalten, ein gutes Selbstverständnis, aber auch um die Weiterentwicklung der sozialen Intelligenz.“ 

Auslandsstationen: Karriere-Wege innerhalb der Gruppe

Trotz aller bodenständiger Strukturen: Auch Auslandserfahrungen können bei der Lindt & Sprüngli GmbH gemacht werden.
Dazu Klose: „Wir wachsen als Konzern derzeit stark zusammen. Den übergeordneten – und steuernden – Konzern gibt es nicht, der die Entwicklungsplanung einschließlich Auslandsaufenthalten maßgeblich vorgibt.  Dennoch gibt es beispielsweise Traineeprogramme für die Bereiche Produktion oder Finanzen , die die Teilnehmer durch drei Länder führen. Grundsätzlich haben aber alle Disziplinen, die nicht sehr nationalspezifisch arbeiten können – wie beispielsweise Marketing – gute Chancen, innerhalb der Unternehmens-Gruppe Karriere-Wege zu machen.“

Und noch einen Vorteil sieht der Personal-Chef in der dezentralen Organisation der individuell aufgestellten Lindt-Companies: „Im Zuge des Wachstums des Konzerns, bieten sich riesige Chancen, die einzelnen Companies mit aufzubauen. Gerade für Young Professionals, die bereits zwei bis vier Jahre Berufserfahrung mitbringen.“

Fazit:

Hinsehen lohnt sich! Der Blick hinter die Kulissen hat gezeigt:
Ein erfreulich bodenständiges – und zugleich innovatives – Unternehmen. Die Möglichkeiten, die die Lindt & Sprüngli GmbH an Chancen für Young Professionals – egal ob Berufseinsteiger oder bereits mit Berufserfahrung – bereit hält, sind vielfältig.

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 Henryk Lüderitz, Management-Trainer, Spezialist für die Entwicklung junger Fach- und Führungskräfte und Herausgeber von The Young Professional. Übrigens: Auch er war gefragt im Karriere-Spezial von FOCUS. Nicht für Auswahl und Auszeichnung der Unternehmen – aber für den Ratgeber-Teil des Heftes. Das Interview im FOCUS mit Henryk Lüderitz über Lebensläufe mit „Ecken & Kanten“ findet Ihr hier
Auch Henryk Lüderitz findet:
„Lindt ist ein in vielerlei Hinsicht einzigartiges Unternehmen. Man setzt sehr stark auf Individualität. Und das sowohl in Bezug auf die Mitarbeiter als auch in Bezug auf unternehmerische Entscheidungen.
Auffallend: Die dezentrale Organisationsstruktur des Konzerns mit familiär geprägten Länderstandorten ist außergewöhnlich. Daraus ergeben sich für Young Professionals spannende Möglichkeiten, sowohl die Strukturen eines international agierenden Konzerns, als auch die breiten Entwicklungsspielräume eines mittelständisch geprägten Unternehmens kennenzulernen.

Positiv auch: Das Personal-Management sieht wesentliche Aufgaben darin, Mitarbeitern Entfaltungsspielräume zu schaffen. Eine Einstellung, die man bei einem  traditionsreichen Unternehmen, wie Lindt, möglicherweise gar nicht vermutet. Umso spannender, wenn unsere Themenreihe auch an dieser Stelle zeigt: Hinschauen lohnt sich!“

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