The Young ProfessionalDas Online-Magazin für junge Talente von Henryk Lüderitz


Absolventenwegweiser gesucht, Umwege erlaubt

Zielstrebig orientierungslos?

Ein Beitrag von Meike Kühlkamp

Der Weg ist das Ziel? Für Young Professionals oftmals nicht. Das Ziel ist das Ziel. Sie sind Leute mit Tempo. Junge Enthusiasten, die mit Gas auf ihren Traum zusteuern und keine Bremse kennen. Wer den Spurt nach ganz oben ohne große Stolperfallen hinlegt, kann sich glücklich schätzen oder sich einfach mal selbst auf die Schulter klopfen. Aber sind es wirklich nur die schulischen Überflieger und die, die ihr Ziel schon seit Anfang an klar vor Augen haben, die es später auf den Führungsthron schaffen? Sind kleine Unsicherheiten und Abzweigungen im Leben eines Young Professional denn gar nicht erlaubt? Wir sagen: auf jeden Fall! Denn heute wollen wir unser Wort einmal ganz bewusst an die Absolventen richten, die zurzeit noch durch den Schlamm aus Orientierungslosigkeit stampfen, denn: Wo ein Wille ist, wartet auch irgendwo ein Weg.

Wish versus reality - ways of problem solving / solution finding

Umwege führen auch zum Ziel, aber auch nur, wenn man weiß, wo es hingehen soll.

 

Dass dieser Weg oftmals schwierig sein kann, ist ungemein bekannt. Das eigentliche Problem heutzutage ist aber wohl, dass wir manchmal einfach nicht wissen, wo der Weg überhaupt hinführen soll. Generation Y wächst heran und die ist oft selbst ihre eigene Stolperfalle. Wenn die Möglichkeiten scheinbar unbegrenzt sind, fällt es schwer, sich festzulegen. Was ist, wenn ich mich für den falschen Job entscheide und nach vielen Jahren merke, dass ich daran kaputt gehe? Was ist, wenn ich nicht den Mut habe, in diesem Alter nochmal etwas Neues zu wagen? Was ist, wenn ich nie „meine Bestimmung“ finde? Es sind die Fragen, die jeden quälen, auch Young Professionals. Sie sind jedoch meist diejenigen, die sie nicht offen lassen, sondern gezielt nach Antworten suchen und handeln. Ein Patentrezept gegen die „Krankheit“ der Generation Y gibt es wohl kaum. Wer seine berufliche Zukunft aber wirklich in die Hand nehmen will, muss versuchen, sich selbst einige Wegweiser zu schaffen:

Ein neues Profil schaffen

Wofür bin ich geeignet? Was kann ich besonders gut? Stellen sich Absolventen diese Fragen, greifen sie häufig auf fassbare Belege zurück und zwar aus der Schulzeit und Studium. Aus guten Noten schafft man sich das eigene Talent, aus Bewertungen eine Richtung. Aber macht das tatsächlich noch Sinn in einem Zeitalter, in de Lebensläufe eine immer kleinere Rolle spielen? Natürlich kann eine gute Note/ Leistung aus der Vergangenheit Indiz dafür sein, wo ich meine große Stärke finden kann. Ob das dann aber auch tatsächlich der Schlüssel zum Glück ist, bleibt die große Frage. Wie wäre es also, sich einmal völlig vom Alten zu lösen und sich ein neues Profil zu schaffen? Heißt: Den Kopf frei machen von Einschätzungen und Bewertungen durch Lehrer und Dozenten und einmal nur auf das eigene Feedback vertrauen, sich in keine alte Rolle drängen lassen, sondern unkonventionelle Wege gehen und damit überraschen –  andere und sich selbst.

Probieren geht über Philosophieren

Ständig neue Praktika, ständig ein neuer Nebenjob in immer unterschiedlichen Sparten. Da ist sich doch jemand unsicher und weiß nicht, wo er eigentlich hin will. Genauso ist es, aber: Er macht alles richtig. Früher zeugte es von Beständigkeit und Sicherheit, 30 Jahre lang im selben Betrieb zu arbeiten. Heute ist das anders: Ja nicht auf der Stelle treten. Wenn ich beruflich in der Luft hänge, nützt es nichts, Szenarien gedanklich durchzuspielen, denn schon vor der großen Karriere heißt es: Komfortzone verlassen und auf unbekanntes Terrain begeben. Nur wer viel ausprobiert, kann vieles Kennenlernen und sich selbst in unterschiedlichen Rollen erleben, um irgendwann seinen Platz zu finden.

Schon mal nachgefragt?

Wonach denn und wen? Wie wäre es denn mal mit den eigenen Freunden und der Familie statt die Berufsberatung? Selbsteinschätzung fällt nicht jedem leicht und manchmal liegen wir am meisten dann daneben, wenn es um uns geht. Wie wir auf andere wirken und welchen Eindruck wir auf Menschen hinterlassen, wissen vor allem diejenigen, die uns ständig umgeben und uns gut kennen. Warum also nicht einfach mal bei Freunden nachfragen, was sie in einem sehen?

Wie es ist, eine Karriereweg einzuschlagen, an ihm festzuhalten und dann doch irgendwann festzustellen, dass es nicht der richtige ist, weiß Coach Henryk Lüderitz aus eigener Erfahrung am besten. Jahrelang hat er eine hohe Position in einem Konzern besetzt, um am Ende doch noch einmal die Richtung zu wechseln.

Henryk, welchen Rat hast du für Absolventen, die noch nicht wissen wohin und wie bringst du Leute in deinem Coaching dazu, rauszufinden, was sie eigentlich wollen und wie sie es bekommen? 

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Absolventen und Berufseinsteiger sind heute sehr häufig mit dem Problem konfrontiert, im Sturmschritt durch Schule und Studium gehetzt zu sein und dabei die Entwicklung ihrer Persönlichkeit vernachlässigt zu haben.
Lebensläufe und Karrierewege werden so verkrampft auf Effizienz getrimmt, dass nur wenige den Mut haben z.B. ein Jahr zur Selbstfindung einzuplanen. Das kann beispielsweise durch Work & Travel geschehen oder durch ehrenamtliche Tätigkeiten, Nebenjobs, etc.
Weil aber das Schreckgespenst des makellosen CV durch die Köpfe der Absolventen geistert, traut sich keiner, mal eine Auszeit zu nehmen und mit sich selbst zu beschäftigen.

Diesen Prozess holen dann einige Absolventen und Studenten in einem Coaching bei mir nach. Gemeinsam suchen wir dann nach den „besonderen“ Ereignissen im Leben, die erkennen lassen, welche Talente und Werte in demjenigen schlummern.
Mit diesen Erkenntnissen formuliert der Coachee dann ein Ziel, welches viele seiner Fähigkeiten berücksichtigt. Das große Ziel ist natürlich, Karriere zu machen, also beruflich und privat zufrieden zu sein. Der Weg dorthin wurde schon vor Jahren von Vera F. Birkenbihl aufgezeigt, die gesagt hat „Der Erfolgreiche überprüft seine Begabungen und Fähigkeiten, ehe er sein Ziel steckt.“

Solltet ihr also unsicher sein, was euch im Leben geprägt hat, was ihr daraus gelernt habt und wie ihr diese Fähigkeiten am besten nutzen könnt, sprecht mich gerne an!

Viele Grüße, euer Henryk

 

Passend zu diesem Thema, haben wir Autor Ralph Stieber interviewt. Er schreibt in seinem neuen Buch über seinen holprigen Lebenslauf, der ihn letztendlich doch zum Ziel geführt hat: http://www.theyoungprofessional.de/absolventen/how-to-survive-scheissjobs/

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