The Young ProfessionalDas Online-Magazin für junge Talente von Henryk Lüderitz


Warum Innovationen und Ideen verpuffen, statt den Karriereturbo zu zünden

5 Gründe, warum Deine Ideen niemals umgesetzt werden

Ein Beitrag von Julia Fähndrich

Habt Ihr Euch im Unternehmen auch schon mal wie Don Quijote gefühlt? Im Kampf gegen Windmühlen, die Neues abblocken, Innovatives abwatschen, Alternativen abwinken? Ihr sprudelt förmlich über vor Ehrgeiz, Spritzigkeit und Kreativität, aber keine Eurer Ideen finden Anerkennung?

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Sie überhaupt vorbringen zu dürfen erfordert viel Durchsetzungsvermögen. Und dann heißt es: Zu teuer, zu unrentabel, zu unsicher, zu irgendwas. Da verliert auch der motivierteste Mitarbeiter früher oder später den Kampfeswillen. Abgesehen von aufkeimenden Selbstzweifeln, fehlen auch Wertschätzung und Anerkennung.

Aber anstatt den Kopf in den Sand zu stecken, zu kündigen und den Arbeitgeber zu wechseln – wie wär’s vorher mit einem Strategiewechsel? Denn vielleicht habt Ihr einige mehr oder weniger verborgene Faktoren bei Eurer Ideenfindung nicht bedacht.

Unsere Checkliste gibt eine kleine Hilfestellung, um Eure Ideen richtig „an den Mann zu bringen.“

1. Wem hilft meine Idee?

Betrachten wir die Unternehmensstruktur als Pyramide. Das Wohl des gesamten Betriebs soll die Basis sein. Bei der Ideenfindung ist also wichtig, dass die Idee dem Unternehmen als solchem nutzt. Dem Chef oder Vorstand ist wichtig, dass die Firma bestehen bleibt und sich weiterentwickelt. Und das sollte auch Euer Antrieb sein, denn ohne den Betrieb ist es mit der eigenen Karriere nicht allzu weit her.

An zweiter Stelle  sollte der Vorteil für die eigene Abteilung stehen. Gewinnt Eure Abteilung an Sichtbarkeit und innerbetrieblichem Einfluss, gewinnt auch Ihr selbst. Dann beweist Ihr Euren Mitarbeitern und Vorgesetzten nämlich, dass Euch an ihnen gelegen ist. Das zeugt von Teamfähigkeit und Führungsqualitäten.

Das eigene Ego sollte ganz hintan gestellt werden und erst zum Schluss kommen. Wer Ideen entwickelt, die nur dem persönlichen Vorteil dienen, wird sich schnell verraten. Karrieregeilheit und Eigennutz spiegeln sich sowohl in der Idee wieder, wie auch darin, wie Ihr sie vortragt. Nur, wenn Ihr Euch zum Wohle des Unternehmens unabdingbar macht, könnt Ihr die nächste Stufe des Erfolgs erreichen.

2. Habe ich meine Idee zu Ende gedacht?

„Oh, ich hab eine Idee, gleich mal zum Chef gehen!“ Mit diesem Daniel-Düsentrieb-Ansatz. werdet Ihr schnell scheitern. Genauso, wie Daniel Düsentrieb mit seinen unausgereiften Erfindungen. Denn was, wenn der Chef Gegenfragen stellt oder mehr Details wissen möchte? „Darüber hab ich noch nicht wirklich nachgedacht,“ ist, gelinde gesagt, keine gute Antwort. Was an Interesse zunächst da war, ist so mit einem Satz zunichte gemacht.

Deshalb erst Ideen sammeln. Die Rahmenbedingungen abstecken. Die Eventualitäten klären:


Die beste Idee wird durch Schwachstellen zum Rohrkrepierer. Sorgt mit folgender Checkliste lieber vor.

  • In welcher Form kann das Unternehmen von meiner Idee profitieren?
  • Wie kann ich die Idee umsetzen?
  • Wen und welche Mittel brauche ich dafür?
  • Gibt es eine kosteneffizientere Alternative?
  • Wie kann ich die Investition in meine Idee rechtfertigen?
  • Welche positiven und negativen Konsequenzen können aus der Umsetzung resultieren
  • und wie kann ich die negativen Aspekte minimieren?

Je durchdachter Ihr die Idee dem Chef vorstellt, desto sicherer und überzeugter präsentiert Ihr sie und Euch. Mögliche Eventualitäten bedacht zu haben, nimmt ihm den Wind aus den Segeln und zeigt, dass Ihr Euch intensiv mit dem Projekt auseinandergesetzt habt.

3. Passt meine Idee zum Unternehmen?

Stellt Euch die Frage nach der Kompatibilität. Eine Idee kann noch so toll, kreativ, innovativ, mutig oder anders sein. Wenn sie nicht zum Unternehmen passt, ist sie verschwendete Liebesmüh. Ihr müsst sie deshalb nicht gleich verwerfen, aber lasst sie erstmal ruhen. Überdenkt sie und formt sie so um, dass sie zum Image, Standing, Brand und zur Unternehmensphilosophie passt.

Orientiert Euch bei der Ideenfindung an der aktuellen Situation des Unternehmens. In absatzarmen Zeiten wird Euer Chef kein Vermögen in neue Projekte investieren. Ist Eure Idee auch nach der dritten Kalkulation noch zu teuer, kann es sinnvoll sein, sie vorerst ad acta zu legen. Hebt arbeits- und finanzintensivere Ideen für einen anderen Zeitpunkt auf und überlegt, was sich im Rahmen der momentanen Gegebenheiten umsetzen lässt.

Geht taktisch vor: Wenn Ihr mit kleineren, kostensparenden Ideen den Grundstein legen könnt, dass es dem Unternehmen möglichst schnell wieder besser geht, könnt Ihr auch Eure größeren Projekte schneller umsetzen. Das hat außerdem den Vorteil, dass Ihr den Chef von Eurem strategischen Denken überzeugen und gleichzeitig eine pragmatische Arbeitsweise unter Beweis stellen könnt.

4. Ist meine Idee verständlich?

Besonders in großen Unternehmen hat der Chef zwar den Überblick, aber nicht zwangsläufig Einblick in Abteilungsinterna. Dann ist es umso wichtiger, diese Aspekte in die Präsentation Eurer Ideen mit einfließen zu lassen. Versteht der Vorgesetzte die Ziele und Aufgaben Eurer Abteilung besser, kann er auch den Sinn und Nutzen Eurer Idee besser nachvollziehen.

Haltet Euch bei der Formulierung nicht zu lange mit Nebensächlichkeiten und Erklärungen auf. Konzentriert Euch auf das Wesentliche und lasst lieber Raum für Rückfragen. So bezieht Ihr Euren Vorgesetzten mit ein und er muss Euch seine Aufmerksamkeit auch wirklich widmen. Außerdem sparen so beide Seiten Zeit. Euer Chef wird’s Euch danken.

Nicht zuletzt geht es darum, Euch auch verständlich auszudrücken. Benutzt nur Fachausdrücke, von denen Ihr sicher seid, dass Euer Vorgesetzter sie kennt und sie zum Unternehmensjargon gehören. Haltet es am besten mit Albert Einstein. Schon der wusste: Wenn Du es nicht einfach erklären kannst, hast Du es selbst nicht gut genug verstanden. Und bitteschön, die eigenen Ideen sollte man schon verstanden haben, oder?!

5. Kann ich die Idee selbst umsetzen?

Ideen sind super! Wo wären wir, wenn nicht irgendeine nerdige Garagengang einmal die Idee gehabt hätte, Computer für den Heimbedarf zu konstruieren? Aber die Jungs um Steve Jobs und Bill Gates hatten nicht nur die Idee, sondern auch das Verständnis und die Fähigkeit zur Umsetzung.

Es ist also eher kontraproduktiv, mit einer Liste voller kluger Ideen zum Chef zu spazieren, an deren Realisierung Ihr dann aber keinen Anteil habt. Behaltet die Ideenliste lieber in der Hinterhand und fangt klein an. Nach dem Motto: Jage nur, was Du auch erlegen kannst.

Kleine, leicht und selbstständig umsetzbare Ideen sind die Pflastersteine für Euren Karriereweg. Ideen, die mit Eurem Zuständigkeitsbereich oder Eurem Können nichts zu tun haben, sind erstmal unbrauchbar. Deshalb ist es wichtig, Euren Blick auf Euer Aufgabengebiet gerichtet zu lassen und die Ideen (zunächst mal) alleine realisieren zu können.

Kommen Eure Ideen gut an und habt Ihr Euch sowohl als Impulsgeber und gleichzeitig als erfahrener Umsetzer einen guten Ruf erarbeitet, können die Projektideen ausgedehnt werden und andere Kollegen und Abteilungen mit eingebunden werden.

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Trainer und Coach Henryk Lüderitz: Langjährige Erfahrung als Führungskraft eines internationalen Mobilfunk-Konzerns 

Expertentipps
Ideen und deren Umsetzung waren auch für Business-Coach und Führungskräftetrainer Henryk Lüderitz der Schlüssel zum Erfolg. Er hat bei Vodafone unter anderem ein „Innovationsbudget“ in Millionenhöhe verwaltet, welches explizit für neue Ideen reserviert war. In dieser Position musste er jährlich über mehrere hundert Projektideen entscheiden und gibt hier noch ein paar Insidertipps, mit denen Ihr beim Chef punkten könnt:

Henryk, was ist der wichtigste Tipp, den du jungen Führungskräften mit Ideen im Kopf mit auf den Weg gibst?

„Findet heraus was Euren Chef z.Z. beschäftigt und wo er gerne mit seinem Team besser werden möchte. Im ersten Schritt gilt es seine Probleme zu lösen, um danach in für ihn interessanten Bereichen dein Output zu erhöhen.“

Aber wie komme ich an diese Informationen heran?

„Durch Gespräche mit dem Chef. Klingt einfach und banal, ist es aber nicht immer. Zuerst gilt es sich gegenüber dem Chef durch regelmäßige ‚Good News‘ als lösungsorientierter, mitdenkender Mitarbeiter zu positionieren. Ist dieser Schritt getan, kann in einem kurzen Gespräch beim Kaffee durch geschickte Fragen schnell der offene Nerv des Chefs gefunden werden.

Nützliche Informationen vom Chef zu erhalten ist (leider) nicht immer einfach und sollte daher gut überlegt angegangen und souverän umgesetzt werden. Übung macht hier den Meister. In meinen Seminaren für junge Führungskräfte führt diese Übung regelmäßig zu Aha-Effekten.“

Hast Du einen Tipp, wie sich Ideen kurz und verständlich kommunizieren lassen?

„Klar! Macht den ‚Oma-Check‘. Stellt Euch vor, Ihr müsstet die Freigabe für Eure Idee von einer Oma holen, die in der nächsten Bushaltestelle wartet. Ist die Idee so kompakt und verständlich, dass sogar eine wildfremde Oma sie verstehen und begeistert zustimmen würde? Wenn ja, dann klappt es auch beim Chef. Falls nicht, dann helfe ich Dir gerne in einem persönlichen Coaching.“ 😉

Weiterführende Informationen zu unternehmensbezogenen Trainings – oder individuellen Coachings – unter: www.luederitz.eu 

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