The Young ProfessionalDas Online-Magazin für junge Talente von Henryk Lüderitz


Harvard meets real life!

Die Harvard-Flirt-Prinzipien

Ein Beitrag von Henryk Lüderitz

„Verhandeln mit dem Harvard-Prinzip“ so (oder ähnlich) lauten die Seminarbeschreibungen zum Thema Verhandlungsführung und versprechen bessere Ergebnisse für fast alle Verhandlungssituationen. Fast alle? In meinem aktuellen Seminar bei einem deutschen Automobilkonzern (fängt mit V an und hört mit olkswagen auf) bin ich mehr oder weniger zufällig über die Frage gestolpert, ob sich dieses Prinzip beispielsweise auch auf die Situation „Flirt zwischen Mann und Frau“ übertragen lässt. Immerhin ist das ja auch eine Art Verhandlung.
Ich stelle mich hier und jetzt der Challenge, nachzuweisen, dass Harvard auch am Wochenende im Club eingesetzt werden kann.

Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt: Ein Ziel definieren
Allen ambitionierten Wochenendverhandlern sei an dieser Stelle dringend angeraten, sich vor dem Sturz ins Getümmel Gedanken zu den persönlichen Zielen zu machen. Denn nur wenn ich genau weiß, was meine Motivation (Interesse) und mein Ziel ist, kann ich: 1. Meine Aktivitäten fokussieren und 2. Meine Ergebnisse mit dem ursprünglichen Ziel abgleichen.
Praxisbeispiel: Ich möchte eine(n) Mann / Frau für eingemeinsames Eheleben kennenlernen, die/ der wie ich folgende Interessen verfolgt und wie folgt aussieht….

Mit dieser Zielstellung kann es dann auch direkt losgehen. Freundlich lächelnder Smalltalk und eine offene, zugewandte Körperhaltung sind der Einstieg in jede gute Verhandlung, sei es um das persönliche Gehalt oder den zukünftigen Ehepartner. Danach kommen die Harvard-Prinzipien ins Spiel:

Prinzip 1 „Emotionen spielen eine große Rolle“
Auf den Flirtpartner bezogen bedeutet es: Es geht einerseits darum, was der Gesprächspartner erzählt und gleichzeitig darum, dass er/sie sich dabei wohlfühlt. Das lässt sich z.B. durch emphatische Reaktionen oder wertschätzende Kommentierungen erzielen.

Prinzip 2 „Interessen erkunden“
Beim Auto gilt der Spruch „Hubraum ist durch nichts zu ersetzen“ sprich: die inneren Werte zählen. So verhält es sich auch bei der Partnerwahl. Wer auf der Suche nach einem Lebenspartner ist, sollte seine eigenen Interessen mit denen des Gegenüber abgleichen und nicht ausschließlich auf Äußerlichkeiten achten.
Hier ein paar Fragen als Impuls für das anstehende Wochenende: Was ist für Dich außer Arbeit und Sport im Leben wichtig? Wie sieht eine total schöne Urlaubszeit für Dich aus. (Ganz wichtig, um die Frage des späteren Urlaubszieles zu klären!)

Prinzip 3 „Optionen sammeln“
Stimmen die Interessen überein, gilt es dezent und unaufdringlich die Optionen für die Zukunftsplanung auszuloten. Mit Zukunft ist in dieser Situation alles gemeint: vom Heimweg bis zum Weg zum Altar.
Auch hier ein paar Praxisbeispiele: Welche Möglichkeiten siehst Du dafür, dass wir uns in den nächsten Woche noch näher kennenlernen? Was würdest Du gerne in der nächsten Woche mit mir unternehmen? Für die ganz Mutigen: Wollen wir morgen zusammen in den Zoo gehen oder soll ich Dir heute Abend meine Briefmarkensammlung zeigen?

Prinzip 4 „Neutrale Kriterien“
Gesellige Abende sind hin und wieder auch mit dem Konsum von Alkohol verbunden, was dazu führen kann, dass sich die Wahrnehmung verzerrt. Hier ein prominentes Beispiel:


Wer diesen Fehler vermeiden möchte, bleibt entweder beim Wasser oder hat einen Freund dabei (der nüchterne Fahrer), der für eine objektive Einschätzung hinzugezogen werden kann.

Prinzip 5 „Beste Alternative“
Angenommen der Abend war erfolgreich und es konnten mehrere Gespräche geführt werden. Dann gilt es kurz vor dem Auftritt des Hausmeisters (schaltet Licht ein und schwingt den Besen) den richtigen Zeitpunkt für den Absprung zu erwischen. Dieses Prinzip kannten bereits unsere Großmütter und prägten die Weisheit „Lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach“.

 

Fazit:
Puh. Aus meiner Sicht ist die Challenge erfolgreich absolviert und der Beweis erbracht: Das Harvard-Verhandlungsprinzip ist durchaus auch freizeittauglich. An dieser Stelle bedanke ich mich bei meinen interessiert-fordernden Seminarteilnehmern für den Impuls und freue mich auf Eure Kommentare und Erfahrungsberichte.

Euch ein schönes Wochenende, mit besten Grüßen, Euer Henryk

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