The Young ProfessionalDas Online-Magazin für junge Talente von Henryk Lüderitz


Perfektionismus steht bei der Karriere im Weg

Euer Anspruch verhindert Erfolge!

Ein Beitrag von Henryk Lüderitz

Dem Spezialisten sind mangelnde Ergebnisqualität ein Gräuel. Wie kann man sich nur mit weniger als 100% zufrieden geben? Ihm ist selbstverständlich bewusst, dass der Sprung von einem guten zu einem sehr guten Ergebnis viel Energie kostet. In der Praxis kostet dieses Verhalten leider nicht nur Energie, sondern häufig auch die Chance auf eine Beförderung.
In diesem Beitrag gebe ich Praxistipps, mit denen sich der Perfektionismus gezielt reduzieren lässt.

 

 

Perfektionismus vs. Selbstmanagement

Perfektionisten sind häufig daran zu erkennen, dass ihre Arbeitszeiten regelmäßig sehr deutlich über dem vertraglich vereinbarten Maß liegen. Eine freiwillige Draufgabe des Arbeitnehmers also. Ungefähr so, als würde der Perfektionist jeden Monat Kaffe & Kuchen für sich und seine Kollegen mitbringen – auf eigene Kosten, im Sinne der Karriere. Selbstverständlich ist das total absurd.
Permanent Leistung zu erbringen, die in dieser Qualität und Umfang so nicht explizit gewünscht war, ist jedoch mindestens genauso absurd.

Wer pauschal immer und überall versucht 100% zu erreichen stellt sehr transparent zu Schau, dass er einfachste Mittel des Selbstmanagement nicht beherrscht. Der Karriere-Profi stellt bei Arbeitsaufträgen vom Chef oder im Projekt nämlich zuerst Fragen, mit denen er abschätzen kann, welche Qualität hier genau erbracht werden muss.

 

Fehler ermöglichen Wachstum

Wer Angst vor Fehlern und den darauf folgenden Kritikgesprächen hat, dem bleiben zwei Möglichkeiten:
1. nicht arbeiten, denn wer nicht arbeitet, macht auch keine Fehler!
2. Arbeitsergebnisse mehrfach kontrollieren und selbst kleinste Fehler suchen und aufwändig ausbessern

Selbstverständlich sind beide Wege nicht im Sinne eines Unternehmens oder einer Führungskraft. Die Botschaft lautet also: Auch diese Wege schützen auf lange Sicht nicht vor einem Kritikgespräch mit dem Chef, und das sogar  zu Recht. Cleverer ist es, sich damit abzufinden, dass Arbeitsergebnisse mit Fehlern zwar zu einem Feedback vom Chef oder Kollegen führen, gleichzeitig aber die Möglichkeit bieten, sich dadurch zu verbessern.
Speziell junge Talente sind gut beraten, im Sinne ihrer langfristigen Entwicklung kurzfristige Fehler und Rückmeldungen nicht nur in Kauf zu nehmen, sondern sogar gezielt als Instrument der Persönlichkeitsentwicklung zu nutzen. Dafür ist es sinnvoll, gezielt die Komfortzone zu verlassen, Fehler zu machen, um das eigene Potenzial besser einschätzen zu können.

Auf der Karriereleiter kommen eher die Young Professionals weiter nach oben, die ihre Komfortzone verlassen und nicht die, die ständig 100% geben!

 

Fazit:

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Spezialisten überall sehr gute Jobs machen und überdurchschnittliche Ergebnisse liefern. Leider fehlt ihren Führungskräften häufig die Zeit, diese Ergebnisse anzuerkennen und gleichzeitig auf eine wirtschaftliche Verhältnismäßigkeit hinzuweisen. Daher mein Appell an euch Fachkräfte:

Verheizt euer Potenzial nicht mit Leistung, die so niemals gefordert wurde, kommentarlos angenommen und nur in den seltensten Fällen adäquat anerkannt wird.
Stattdessen ist es für die Karriere und das persönliche Selbstwertgefühl wesentlich sinnvoller, Anforderungen zu hinterfragen, den Einsatz anzupassen und frei gewordene Kapazitäten lieber auf zusätzliche Projekte zu verteilen.

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