The Young ProfessionalDas Online-Magazin für junge Talente von Henryk Lüderitz


Kontrolliert scheitern ... oder durchstarten!

Feuerfeste Retoure!

Ein Beitrag von Henryk Lüderitz

Samsung Galaxy Note 7 brennt

Samsung Galaxy Note 7 Besitzer sind in den letzten Wochen auf eine harte Loyalitätsprobe gestellt worden. Das erworbene High-Tech Gerät geht in Flammen auf. Oder zumindest besteht die Gefahr, dass es passieren könnte. Samsung reagiert prompt und sammelt alle fehlerhaften Geräte ein. In feuerfesten Containern. Das Motto ist klar: Bloß nicht noch einen weiteren Vogel abschießen.

Was viele Nutzer der Geräte ärgert, ist jedoch ein gutes Vorbild dafür, wie man als Konzern oder auch als Führungskraft mit Risiken umgehen sollte. Klar ist: Innovationen oder Persönlichkeitsentwicklung entstehen niemals in der Komfortzone. Doch ausserhalb des Vertrauten lauern Gefahren, die es zu kalkulieren gilt.
Die Erkenntnis, dass der Mutige Fehler macht, der Faule keine macht und nur der Dumme seine Fehler wiederholt, ist weit verbreitet. Doch wie mutig darf und sollte man als Young Professional auf seinem Karriereweg sein? Und wie genau geht das mit dem Mut und dem kalkulieren von Risiken? Hier meine Antwort in Form einer Kurzanleitung zum kontrollierten scheitern … oder durchstarten!

 

Anleitung zum kontrollierten scheitern … oder durchstarten!

Das Karriere, Beförderungen und bodenlose Abstürze nah beieinander liegen, ist durch prominente Beispiele bekannt. CEOs, die etwas vergeigt haben, sind meist weg vom Fenster. Mit einem Unterschied zum Karriereanfänger: Sie haben bereits alle Schafe im Trockenen, ganze Herden und Horden. Ihr persönliches Risiko geht also gegen null!
Da dies bei Young Professionals in der Regel (noch) nicht so ist, lautet die erste Grundregel für mutige Vordenker:

1. Safety first

Damit ist gemeint, dass Karriere nicht zwangsläufig an riesige Innovationen gebunden ist. Anerkennung lässt sich durchaus auch dadurch verdienen, wenn das Tagesgeschäft rund läuft und kleine Macken hier und dort ausgebessert werden. Kontrollierte Optimierung sind zwar nur kleine Schritte im persönlichen Aufgabengebiet, dafür aber ohne größere Risiken anzugehen.
Ein weiterer Vorteil dieses ersten Schrittes liegt darin, dass bei Fehlschlägen in größeren Ideen häufig auch auf das Tagesgeschäft des Verursachers geschaut wird. Und wenn dort auch schon mäßiges Chaos herrscht, steht schnell der Vorwurf im Raum, dass derjenige eh nichts im Griff hat.

Grundregel 1 lautet daher: Immer mit einem Bein auf absolut sicherem Terrain bleiben, wenn das zweite Bein einen innovativen Schritt wagt. Hat Samsung ja auch so gemacht: Neben Smartphones haben die ja auch noch Fernseher, Tablets, usw.. die alle (noch) nicht in Flammen aufgehen!!

 

2. Risiko kalkulieren

Leichter gesagt als getan und doch elementar für den Karriereweg. Auch für den Falle des Erfolgs ist es nämlich wichtig, nicht zu viel auf eine Karte gesetzt zu haben. Sonst habt ihr schnell den Ruf eines rücksichtslosen Zockers, was nicht unbedingt ein Karriere-Turbo sein muss. Wie geht es besser und wo liegt die Schmerzgrenze?
Andre Konstolany (ungarisch-amerikanischer Finanzexperte, 1906-1999) hat es in einem Satz auf den Punkt gebracht: „Wer viel Geld hat, kann spekulieren. Wer wenig Geld hat, darf nicht spekulieren. Wer kein Geld hat, muß spekulieren.“
Damit ist auch meine These untermauert, dass CEO spekulieren, weil sie es können! Gleichzeitig mahnt der Börsenexperte vor Spekulationen, wenn man noch am Beginn der Karriere steht. Der Tipp, zu spekulieren, wenn man noch kein Geld bzw. keine Karriere gemacht hat, ist eigentlich eher mit einem Augenzwinkern zu verstehen. Allerdings basieren z.Z. viele Start-Ups auf diesem Ansatz: Wir haben (noch nix) und setzen daher alles auf eine Karte.
Ich vergleiche ein gesund kalkuliertes Risiko gerne mit einem Casino-Besuch in Las Vegas. Wer das Geld für die Reise über den großen Teich und den Besuch in „Sin City“ hat, der plant in aller Regel auch einen kleinen Betrag für den Einsatz im Glücksspiel ein. Die Höhe dieses Betrages ist dann clever kalkuliert, wenn es sich um Geld handelt, dass absolut entbehrlich ist, wenn man das überhaupt von Geld sagen kann. Für den Falle eines Totalverlustes darf also keinesfalls die Urlaubskasse so leer sein, dass nur noch trampen und singen in Fußgängerzonen angesagt ist.

Übertragen auf das Karriere-Risiko bedeutet das: Niemals so viel riskieren, dass man seine aktuelle Position gefährdet, weil das Tagesgeschäft vom Rückschlag aus der Spur geworfen wird.
Bei Samsung erscheint dieses Risiko-Limit fast schon überschritten. Der Ruf schlechter Qualität könnte zu einem Rückgang des gesamten Smartphone-Geschäftes führen. Hier wurde also schon ein bisschen viel riskiert.

 

3. Worst-Case-Abwicklung

Wer den Tanz auf der Rasierklinge wagt, sollte Pflaster dabeihaben. Und wer Mist baut, muss ihn auch wieder wegräumen. Diese Prinzipien haben die meisten schon in der Kinderstube gelernt und müssen hier wieder anwenden. Fehler zu begehen gehört zur Persönlichkeits- und Karriereentwicklung dazu. Doof wird es eben nur, wenn man im Chaos steht und mit großen Augen um Hilfe bitten muss. Das ist bei Kindern noch putzig, bei Young Professionals aber schlichtweg unprofessionell und überflüssig.
Daher gilt es nicht nur die Höhe des Risikos zu kalkulieren, sondern gleichzeitig ein „Exit-Strategie“ zu haben, die umgesetzt wird, wenn alle Stricke gerissen sind. Idealerweise wird beim Aufräumen des Schadens nicht nur der vorherige Zustand herbeigeführt, sondern auch für Aufwände und Unannehmlichkeiten entschädigt.
Samsung verteilt Ersatz-Smartphones. Überlegt euch also gut, bei wo und bei wem könnte Ärger und Schaden entstehen… und wie könnt ihr ihn beseitigen und für Unannehmlichkeiten entschädigen?

 

Fazit

Fehler zu machen, um voranzukommen, ist völlig legitim. Wenn wir uns immer vor Fehlern fürchten, bleiben wir ewig in unsere Komfortzone und werden Fortschritt und Entwicklung nur zufällig erreichen. Da die Gefahren ausserhalb des vertrauten Gebietes jedoch groß sein können, gilt es vorausschauend damit umzugehen und umsichtig zu planen. Ausserdem muss auch nicht jede Innovation allein gestemmt werden. Manchmal kann es sich auch lohnen, dass Risiko auf mehrere Schultern zu verteilen und Kollegen oder Chefs mit ins Boot zu holen. Dadurch muss sich nicht unbedingt der Benefit verringern. Immerhin kommt die Idee und die Organisation zur Umsetzung ja von dir!
Ich wünsche euch viel Spaß und Erfolg mit euren Ideen und deren Umsetzung.

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