The Young ProfessionalDas Online-Magazin für junge Talente von Henryk Lüderitz


Warum ich auf 20% mehr Gehalt verzichtet habe

Gehaltserhöhung – nein Danke!

Ein Beitrag von Henryk Lüderitz

Eine Gehaltserhöhung ablehnen? Ich bin doch nicht blöd! So würden vermutlich die meisten Young Professionals reagieren. Wer schlägt schon freiwillig 20% mehr Gehalt aus?
Ich! Zugegeben, die Versuchung war groß. Am Ende habe ich mich aber doch dagegen entschieden. Warum diese Entscheidung für mich so wichtig war, erkläre ich euch gerne.

 

Gehaltserhöhungen sind verlockend

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Das schöne an Gehaltserhöhungen ist ihre objektive Vergleichbarkeit. 20% sind mehr als 10% und 70.000€ sind weniger als 90.000€. Die Welt der Zahlen ist doch wunderbar einfach. Und so einfach habe ich es mir im Laufe meiner Konzernkarriere auch gemacht. Nachdem ich intern ein paar Karriereschritte absolviert hatte, musste ich mich für weitere Gehaltserhöhungen immer mehr anstrengen. Warum also nicht mal über den Tellerrand hinausschauen?! Und siehe da: Der nächste Konzern winkt schon mit attraktiven Angeboten.
Besonders als die Luft auf der Karriereleiter immer dünner und anstrengender wurde, habe ich mir gerne die Angebote der Headhunter angeschaut. Am Ende des Tages bin ich an den verlockenden Zahlen hängengeblieben. Eine ordentliche Schaufel mehr Gehalt und das zum Greifen nah.
Damit es nicht beim Träumen bleibt, habe ich sogar ein paar Job-Interviews geführt und zwei konkrete Angebote erhalten. Spätestens zu diesem Zeitpunkt empfiehlt es sich, den aktuellen Chef einzuweihen.

 

Es geht nicht nur ums Geld

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Kein Chef hört gerne, dass ein Leistungsträger mit dem Gedanken spielt, das Unternehmen zu verlassen. Mein Chef hat auf die externe Gehaltserhöhung sogar ganz besonnen reagiert:
„Das ist wirklich ein verlockendes Angebot!“ Gleichzeitig empfahl er mir, das Angebot intensiv zu prüfen und mit meiner aktuellen Position als Projektleiter zu vergleichen. „Du musst eine strategische Entscheidung treffen, wie in deinen Projekten. Analysiere also für das Projekt Henryk´s-Karriereweg beide Optionen!“ Zusätzlich hat er mir noch den Hinweis gegeben, aufzuschreiben, was ich in meiner aktuellen Position zusätzlich zum Gehalt bekomme.
Am Wochenende habe ich eine Liste meiner nicht-monetären Leistungen erstellt: Parkplatz in der Tiefgarage, kostenloses Fitness-Studio, Auslandsaufenthalte, Projekte der Geschäftsführung, usw. Zusätzlich habe ich die Punkte mit konkreten €-Beträgen bewertet. Als ich am Ende alles aufsummiert hatte, bin ich zu einem erstaunlichen Ergebnis gekommen. Meine aktuelle Position war inkl. der Zusatzleistungen genau so attraktiv wie das vorliegende Angebot.

 

Persönlichkeitsentwicklung statt Geld

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Mir war bereits nach meiner Berechnung klar, dass ich das Angebot ablehnen werde. Das Risiko, die Zusatzleistungen bei einem neuen Arbeitgeber zu verlieren, war mir zu hoch. Ganz besonders wichtig und wertvoll war mir nämlich ein Punkt auf meiner Liste: Ich hatte der direkten Zusammenarbeit mit meinem Chef den höchsten Wert zugeschrieben. Er war ein international erfahrener Projektleiter, der von der Pipeline bis zum Hochhaus schon fast jedes Projekt geleitet hatte. Unsere regelmäßigen Gespräche haben mich persönlich und fachlich stark entwickelt. Das war mir auch damals schon durchaus bewusst.

Zeitsprung: 3 Jahre in die Zukunft

Seit dem externen Angebot und meiner Analyse sind fast 3 Jahre vergangen. In dieser Zeit hat sich mein Chef noch intensiver um den Erfahrungsaustausch mit mir gekümmert und meine Persönlichkeitsentwicklung sehr ernst genommen. Ein kleiner Gehaltsschritt war auch möglich. Aber viel wichtiger war, dass ich nach drei Jahren endlich so weit war, einen wirklich großen Karriereschritt anzugehen. Rückblickend hätte ich diesen Schritt nicht ohne die weitere Zusammenarbeit mit meinem Chef geschafft. Und auch das externe Angebot hätte mich dort niemals hingebracht.

Mein persönliches Fazit war damals bereits:

Überleg dir gut, was dein langfristiges Ziel ist und prüfe kurzfristige Chancen auf ihren langfristigen Wert. Insbesondere Gehaltserhöhungen und Gehälter solltet ihr ebenfalls in voller Breite analysieren. Es gibt nirgends einfach so mehr Geld. Irgendetwas ist dann doch schwieriger, schlechter oder einfach anders. Dieses Risiko solltet ihr immer intensiv bewerten und gegen das langfristige Ziel abwägen.
Diesen und noch andere Tipps findet ihr in der Blogparade „newpay“ von den CO:X-Kollegen. Ich freue mich auf eure Rückmeldung zum Thema Gehalt und Karriereschritte.

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