The Young ProfessionalDas Online-Magazin für junge Talente von Henryk Lüderitz


Entspann dich, Deutschland!

Jeder Dritte muss erreichbar sein! Wirklich??

Ein Beitrag von Henryk Lüderitz

Busy Businessman

Wir starten gerade in das stressigste Quartal des Jahres: Die Uhrzeit wird umgestellt (Jetlag des kleinen Mannes), die frühe Dunkelheit drückt auf das Gemüt und Weihnachtseinkäufe am 23. Dezember runden das Quartal dann ab.
Was wäre also passender, als den Stresslevel mal näher unter die Lupe zu nehmen? Die Techniker Krankenkasse macht das im Rahmen der eigenen „Stressstudie“ jedes Jahr und kommt auch in diesem Jahr zum wenig überraschenden Ergebnis: Mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland ist gestresst!! Doch warum und was lässt sich dagegen unternehmen?

 

Die Top-Stressfaktoren

Bevor wir uns jedoch an die Lösungen machen, hier eine kompakte Zusammenfassung der Ergebnisse.

  1. Job (46 Prozent)
  2. hohe Eigenansprüche (43 Prozent)
  3. Termine in der Freizeit (33 Prozent)
  4. Straßenverkehr (30 Prozent)
  5. ständige digitale Erreichbarkeit (28 Prozent)

Erwartungsgemäß nimmt der Job als Stressfaktor den ersten Platz ein. In gefährlicher Kombination mit zwei weiteren Faktoren, die jedoch auch prima in der persönlichen Wahrnehmung ihren Ursprung finden können:

Die zu hohen eigenen Ansprüche und die ständige digitale Erreichbarkeit.

Meiner Erfahrung nach sind diese beiden Faktoren nämlich prima geeignet, sich das Leben selbst schwer zu machen. Der Grund dafür ist recht einfach: Bei den meisten Menschen sind eigene Ansprüche an Arbeitsqualität und Erreichbarkeit absolut schwammig und diffus formuliert. Es gibt keine sauber definierte Messlatte, die erreicht werden muss, sondern nur ein ständiges Gefühl des „es nicht gut genug gemacht zu haben“.
Doch wie gut ist denn „gut genug“ eigentlich? Und noch spannender: Wer definiert das denn?
In den meisten Fällen sind wir es selbst. Ebenfalls aus gutem Grund: Weil wir die Ansprüche der Kollegen und Chefs nicht genau hinterfragen und daher lieber ein bisschen mehr drauflegen. Zur Sicherheit. Damit man später nicht den Popo versohlt bekommt.

Selbstverständlich gibt es in der Masse der Selbstzerfleischer auch diejenigen, die sich selbst als so unglaublich wichtig einschätzen, wie sie es gerne wären. Obwohl niemals ein Chef auch nur mit einem Wort diesen Anspruch definiert hätte.
Sie leben nach dem Motto: Erst groß denken, dann (automatisch) groß werden. Leider funktioniert diese Karrieremechanik nur in ganz wenigen Ausnahmefällen. Doch auch ihr könnt den gefühlten Arbeitsstress reduzieren, wenn ihr es denn wollt!

Damit ihr ganz persönlich an Eurem Stresslevel arbeiten könnt, lade ich euch zu folgendem Experiment ein:
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Experiment: Weniger Stress in 4 Wochen

Ja, so einfach soll es sein. Und alles was ihr dafür tun müsst, sind folgende 4 Schritte konsequent umzusetzen:

  1. Das persönliche Karriereziel definieren
    Wo möchtest du in einem Jahr beruflich & privat stehen? Bitte möglichst konkret, in allen Facetten. Beispielsweise kannst du beschreiben, was auf deiner Visitenkarte stehen soll, wie dein Büro aussehen soll, mit wem du zusammen an welchen Projekten arbeitest, wann du regelmäßig Feierabend machst, usw.
    Kleine Anmerkung für die ganz Cleveren: Je mehr das Unternehmen / Dein Chef von deinem Karriereziel hat, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Du es auch erreichen wirst. Karriere funktioniert nach dem Prinzip: Quid pro quo!
  2. Deine Schritte zum Ziel
    In diesem Schritt überlegst du dir genau, welche 3-5 Schritte dich deinem definierten Ziel wirklich näher bringen. Wenn du beispielsweise Projektleiter sein möchtest, könnte ein sinnvoller Schritt dahin sein, für dein Team einen Ausflug und die Weihnachtsfeier erfolgreich zu organisieren. Wichtig ist, dass du auch hier genau definierst, welche Qualität und Quantität in diesem Schritt steckt. Ein „ich muss meine Ergebnisse transparenter machen“ reicht nicht aus und würde nur wieder zu einem diffusen Druckgefühl führen.
  3. Selbstkontrolle für weniger Stress
    Jetzt kommt der eigentliche Anti-Stress-Benefit. Kontrolliere jeden Tag gegen Mittag, was du bereits für dein Ziel getan hast und ob du mindestens einen der definierten Schritte an diesem Tag angegangen bist oder angehen wirst.
    Schau gezielt auf deine Tagesplanung und streiche zur Not mutig die Aktivitäten, die nicht zu 100% auf deine Ziele einzahlen.
  4. Persönliche Erreichbarkeit reduzieren
    Hier komme ich mit einer steilen These: Für Rückfragen von Kollegen und Chefs muss nur der erreichbar sein, der vorher nicht professionell und vorausschauen organisiert hat!
    In der Praxis funktioniert das so, dass du möglichst viele Unwägbarkeiten in deine Planung und Informationen integrierst. Beispielsweise die Krankheit eines Kollegen oder auch deinen ganz persönlichen Ausfall. Frag‘ dich einfach: Was muss ich heute schon machen, damit morgen noch alles läuft, auch wenn ich plötzlich mit 39° Fieber im Bett liege (ohne Smartphone!!)?
    Hast du an alles gedacht, ist es dein gutes Recht, das Telefon abends auch mal auszuschalten. Sollte ein Chef / Kollege damit unzufrieden sein, kannst du professionell entgegnen, dass du aus deiner Sicht alle „hast du nicht gesehen“-Faktoren berücksichtigt hast und für konstruktive Optimierungsvorschläge immer ein offenes Ohr hast.
    Wem das noch nicht hilft, der sollte sich ernsthaft fragen, ob das Produkt seiner Firma noch produziert werden kann, wenn er mal für 24 Stunden nicht erreichbar ist. Na, wie ist es?

 

Persönliches Fazit

Ich weiß, diese Tipps sind leichter geschrieben, als umgesetzt. Ebenfalls aus eigener Erfahrung muss ich zugeben, dass besonders für ambitionierte Berufseinsteiger der konsequente Umgang mit sauber definierten Karrierezielen schwer fällt. Allerdings kann ich rückblickend feststellen, dass sich die Zeiten des hektischen und undefinierten Multi-Tasking zwar aktiver anfühlen, (Wow, bin ich erschöpft. Ich muss irre produktiv gewesen sein!) es aber definitiv nicht sind. Meine „Karriere-Effizienz“ war dann besonders hoch, wenn ich mir genau überlegt habe, was ich will, was dafür zu tun ist und mich täglich danach ausgerichtet habe.
In diesem Sinne: Lasst euch für 4 Wochen mal auf diese Experiment ein und berichtet mir gerne über eure Erfahrungen und Ergebnisse!

Ach ja, wer entspannter aus dem Büro kommt, geht auch viel souveräner mit den verbleibenden Stressfaktoren (Straßenverkehr / privat Termine) um.

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