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4 Weihnachtsfeier Survival Tipps

Karriere trotz Weihnachtsfeier

Ein Beitrag von Julia Fähndrich

Weihnachtsfeier Alkohol Karriere Fauxpas

Weihnachten im Unternehmen. Das heißt Wichteln, Weihnachtsgeld und weinselige Stimmung auf der Betriebsfeier. Wie alle andern Firmenfeste, ist auch die Weihnachtsfeier ein Minenfeld für alle Angestellten. Je höher die Position, desto unschöner kann die Auswirkung sein, die das Bier zu viel nach sich zieht. Aber was ist die Alternative? Nicht zur gemeinsamen Weihnachtsfeier zu gehen, könnte eine Lösung sein. Aber nicht unbedingt eine gute.

Besonders, wenn ihr neu seid im Unternehmen, sendet eure Abwesenheit bei der Betriebsfeier leicht ein falsches Signal. Es kann euch als Desinteresse ausgelegt werden, wenn ich ihr nicht teilnehmt. Desinteresse an den Kollegen und im schlimmsten Fall an der ganzen Firma. Rechtlich verpflichtet seid ihr zur Teilnahme zwar nur bedingt. Einen besseren Eindruck macht es allemal, wenn ihr dort erscheint. Wie also überlebt ihr die Weihnachtsfeier ohne Faux-pas? Hier ein paar Tipps.

 

1. Gelegenheit macht Netzwerker

Dass die Firma eine Weihnachtsfeier organisiert drückt einerseits die Dankbarkeit des Chefs gegenüber den Angestellten aus. Andererseits formt ein informelles Get-Together natürlich auch den Zusammenhalt unter den Kollegen. Darum solltet ihr die Gelegenheit nutzen und an der Weihnachtsfeier die Kollegen kennenlernen. Besonders auch die, mit denen ihr nicht jeden Tag zusammenarbeitet.

Die Damen und Herren aus der Buchhaltung bekommt ihr sonst nie zu Gesicht? Dann einfach mal „Hallo“ sagen. Mit den Herrschaften aus der IT habt ihr im Alltag auch nur oberflächlich zu tun? Dann fragt doch mal nach, wie es um deren aktuelles Projekt bestellt ist. Und diesen einen schüchternen Azubi habt ihr vorher sowieso noch nie gesehen? Dann macht einen Schritt auf ihn zu.

Es mag nicht immer so aussehen, aber eure Vorgesetzten bekommen sehr wohl mit, wie und ob ihr euch in das bisherige Unternehmensgefüge eingliedert. Nur nehmt bitte Abstand von zu viel Privatem. Themen des öffentlichen Interesses können angesprochen werden. Aber hier sollte man Maß halten. Wie sagt schon eine alte Volksweisheit? Alkohol und Politik vertragen sich nicht.

Das gilt genauso für Religion. Wenn überhaupt es nötig wird, bleibt im Gespräch sachlich. Ebenfalls Tabu sind Beschwerden über Kollegen, Unternehmensphilosophie oder das Unternehmen selbst und die Weihnachtsfeier. Bleibt sicherheitshalber bei oberflächlichen Themen, die Privates nur schrammen. Probleme wälzen passt jedenfalls nicht in den Rahmen der Feierlichkeiten.

 

2. Smalltalk aus der Gerüchteküche

Was, wenn die etwas impertinente Rezeptionistin euch ein Ohr abkaut? Oder der sonst so seriöse Herr Müller aus der Rechtsabteilung nach dem vierten Bier unter Tränen seinen Seitensprung beichtet? Wenn ihr bereits in die Falle getappt seid und es kein Entrinnen mehr gibt, müsst ihr da dann einfach durch. Es gibt aber auch Auswege.

Ihr befindet euch in einem Gespräch, das nicht richtig in die Gänge kommt oder euch zu intim wird, das euch schlicht nicht interessiert? Wartet ein paar Minuten und haltet unauffällig Ausschau nach einem vertrauten Gesicht. Ist eines in Sichtweite, grüßt in Richtung desjenigen und verabschiedet euch höflich von der Langweilertruppe. „Entschuldigt mich einen Moment …“ und weg.

Werdet ihr hingegen als Therapeut oder Beichtvater missbraucht, ist das Ganze leider nicht ganz so einfach. Hier braucht ihr ein bisschen mehr Geduld. Bleibt nur bitte ernsthaft. Den Kollegen auslachen oder auf den Arm nehmen ist auch dann nicht in Ordnung, wenn er sternhagelblau ist. Passt den richtigen Moment ab, klopft ihm auf die Schulter, bekundet euer Bedauern und entschuldigt euch zur Toilette.

Wer Wind sät, wird Sturm ernten. Darum haltet euch grundsätzlich aus Gerüchten und Tratsch heraus. Auch nach Herrn Müllers Beichte. Nicht nur, dass ihr selbst schneller Opfer des Flurfunks werdet, als euch lieb ist. Ihr könnt auch den Wahrheitsgehalt nicht einschätzen oder wie sehr es die betroffenen Kollegen verletzt und seine Stellung unterminiert. Lächeln, nicken, verabschieden.

 

3. Das Schnapslaunen-Du

Je nachdem, wie flach die Hierarchien in eurem Unternehmen sind, duzt ihr vielleicht vom Chef bis hin zum Hausmeister ohnehin jeden. In dem Fall können euch Korn, Bier, Schnaps und Wein nicht viel an. Duzt ihr nur bestimmte Kollegen oder ist in der Firma der Umgangston formell, solltet ihr dass auch bei der Weihnachtsfeier beibehalten. Zumindest gegenüber euren eigenen Vorgesetzten.

Es ist aber denkbar, dass euch nach ein paar Gläschen ein „Du“ entfleucht oder der Chef es euch spontan anbietet. Tut er das offiziell, könnt ihr das Du annehmen. Wenn ihr nicht sicher seid, ob es ein Promille-Versehen war, übergeht es lieber. Das gilt auch für den Fall, dass es euch unbedacht im Gespräch mit euren Untergebenen passiert.

Irgendwann kommt aber auch The Day After. Auch wenn es Überwindung kostet, sollte der Status Quo wieder aufgenommen werden. Sprich: Wenn ihr vor der Weihnachtsfeier gesiezt habt, solltet ihr das Sie nun auch weiter im Arbeitskontext gebrauchen. Das zieht eine saubere Linie zwischen zwischen Privatleben und Professionalität.

A propos Professionalität: Wer sich beschwippst dem Chef an den Hals wirft und ihm „was ich dir schon immer mal sagen wollte“ ins Gesicht lallt, riskiert die Kündigung. Und wer ihn zum Tanz oder Karaokesingen auf die Bühne zieht, dürfte wohl ebenfalls seine Stelle aufs Spiel setzen. Mindestens aber zum Gespött der Belegschaft werden. Je nachdem, wie viel Humor der Chef hat.

 

4. Weihnachtsfeier oder Partnerbörse?

Genauso, wie die Weihnachtsfeier nicht der richtige Anlass für ein Vier-Augen-Feedbackgespräch oder eine Gehaltsverhandlung ist. So wenig ist es die richtige Gelegenheit zum Anbandeln. Ganz egal, wie lange und wie gut euch der nette Kollege aus dem Büro gegenüber schon gefällt. Oder wie reizend ihr eure Assistentin findet. Die Weihnachtsfeier ist keine Partnerbörse.

Umfragen zufolge haben über 40% aller Arbeitnehmer schon einmal einen Kollegen auf einer Betriebsfeier geküsst. Ihr wärt also nicht die ersten, die unter den Blicken der gesamten Belegschaft schwach würden. Aber muss ja nicht sein, oder?! Und gleich gar nicht, wenn es eure erste Weihnachtsfeier im Unternehmen ist.

Worüber bei Vorgesetztem und Arbeitnehmerin vielleicht noch wohlwollend hinweggesehen wird, ist beim Flirtversuch mit Azubis ein absolutes No Go. Nicht nur, weil Auszubildende oft noch minderjährig sind. Sondern auch, weil ihr damit eure Fürsorgepflicht verletzt und eure eigene Position ausnutzt.

Locker sein ist eine Sache. Zeigt euch eine Azubine wegen unsittlichem Benehmen an, ist das eine der möglichen Konsequenzen, die euch nicht nur eure Karriere kosten können. Allein das sollte Grund genug sein, euch zurückzuhalten. Denn auch das sechste Bier macht aus euch keine Latin Lover und Vamps.

 

Und was, wenn’s doch passiert?

Sagen wir mal so: Eine Weihnachtsfeier ist natürlich eine etwas lockerere Atmosphäre. Trotzdem sollte man den Dresscode nicht sprengen und Outfit und Benehmen dem Anlass entsprechend wählen. Und jedem Chef ist klar, dass die Arbeitnehmer sich auf der Weihnachtsfeier amüsieren werden. Also tut genau das. Amüsiert euch. Nur trinkt nach dem dritten Bier einfach mal eine Cola.

Und falls ihr am nächsten Tag doch ein Video von euch im Intranet findet, auf dem ihr herrlich schief Karaoke singt, lacht einfach mit. Das macht euch sympathisch. Als Mensch, Kollege und Vorgesetzter. Oder wie sieht das Business-Coach Henryk Lüderitz?

Henryk Lüderitz Führungskräftetrainer
„Julia’s Survival Tipps kann ich mich uneingeschränkt anschließen. Das Grundprinzip bei Betriebsfeiern sollte immer die Vorsicht sein! Weil Vorsicht und Alkohol jedoch zwei äusserst gegensätzliche Dinge sein können, empfiehlt es sich besonders im Umgang mit Alkohol einige Vorkehrungsmaßnahmen zu treffen.

Nein, ich meine damit nicht, ein Schild mit der eigenen Adresse und zwanzig Euro für den Taxifahrer vorzubereiten! Ich habe beispielsweise im immer versucht möglichst unauffällig Julia’s Wassertipp zu berücksichtigen. Da ein Glas Wasser in der Runde angetrunkener Kollegen jedoch selten für Begeisterung sorgt, habe ich vorgesorgt: Schon zu Beginn der Feier habe ich beim Gang zur Toilette das Personal angesprochen, mit der Bitte, mir z.B. jedes zweite Bier (heimlich) alkoholfrei zu servieren. In Kombination mit zehn Euro Trinkgeld hat mich diese Absprache stets auf einem gesunden Niveau gehalten.

So clever dieses Vorgehen auch ist, es birgt Risiken und sollte gut dosiert eingesetzt werden. Der positive Effekt ist nämlich ganz schnell dahin, wenn am nächsten Tag das Gerücht die Runde macht, dass ihr Alkoholiker seid, weil ihr ohne Probleme 32 Bier und 12 Rum-Cola (da funktioniert der Trick ja auch) getrunken habt!!“

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