The Young ProfessionalDas Online-Magazin für junge Talente von Henryk Lüderitz


Karriereplanung: Die ersten 100 Tage überleben

Neuer Job? Neuer Chef, neues Team!

Ein Beitrag von Tanja Kaiser

Neuer Job, neues Leben? Stimmt! Denn was gerne unterschätzt wird:  Wer den Job wechselt, wechselt das soziale Umfeld. Kollegen und Vorgesetzte inklusive! Und wer weiß? Vielleicht menschelt es da anders, als gewohnt. Wir sprachen mit Henryk Lüderitz, Spezialist für die Entwicklung junger Talente, über das Überleben der ersten 100 Tage ….

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Er kennt die Situation aus vielseitiger Erfahrung. Aus der eigenen Erfahrung als langjähriger Leistungsträger und Führungskraft eines internationalen Mobilfunk-Konzerns – und aus der Erfahrung als Coach und Trainer: Henryk Lüderitz von LÜDERITZ – EINER VON EUCH – stellt fest, dass selbst bestqualifizierte Nachwuchsmanager zu geradezu blutigen Anfängern werden, wenn es darum geht, in einem neuen Job vollkommen neu durchzustarten. Und, dass sie gerade dann allzu leicht in schwierige Situationen geraten können, wenn es menschelt. Genau das tut es allerdings allzu gerne genau dann, wenn Menschen in ein bislang unvertrautes Umfeld gelangen. Oder aus der anderen Perspektive: Wenn ein fremder Mensch in vertraute Gewohnheiten einbricht. All das ist auch der Fall, wenn im Berufsleben Neulinge ein aufeinander abgestimmtes Team ergänzen.

THE YOUNG PROFESSIONAL hat Henryk Lüderitz gefragt:

Welche Möglichkeiten gibt es, diesem Effekt ganz gezielt entgegen zu wirken?

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Henryk Lüderitz: „Die ersten 100 Tage zu überleben, stellt neue Mitarbeiter vor große Herausforderungen“

„Man sollte von folgendem ausgehen: Fachlich hat man den Vorgesetzten ja bereits im Rahmen des Vorstellungsgesprächs sowie mittels Referenzen überzeugt. Auch menschlich scheint die Basis zu stimmen – sonst hätte man den Job ja nicht bekommen. Grundsätzlich gibt es also eigentlich gar keinen Grund, allzu nervös in die ersten Arbeitstage zu starten. Und dennoch ist es ganz wichtig, sich darüber im Klaren zu sein, dass sowohl der Chef als auch die Kollegen in den ersten 100 Tagen auf bestimmte Aspekte sehr genau achten werden. In erster Linie wird man darauf achten, ob es menschlich passt.“

Der erste Eindruck ist meist der richtige. Wo also liegen genau die Stolpersteine – vorausgesetzt, jemand verhält sich sachlich fair, freundlich, kooperativ und sozialkompetent? Da könnte doch eigentlich gar nichts mehr schiefgehen,  oder?

Dazu Henryk Lüderitz:
„Die Stolpersteine lauern häufig im Team. Schließlich ist plötzlich eine fachlich qualifizierte Konkurrenz dazu gekommen. Das kann für negative Stimmung sorgen, da der oder die Neue als regelrechte Gefahr wahrgenommen wird. Deshalb ist mein Rat an alle, die mit Berufserfahrung den Job wechseln, als Neuling zunächst einmal alle Gepflogenheiten zu erkunden und zu akzeptieren. Man sollte zwar ausloten, welche ungeschriebenen Regeln und Rangordnungen im Team herrschen – sollte sie jedoch zunächst besser nicht in Frage stellen. Kurzum: In den ersten zwei Wochen einfach nur beobachten – und sich ganz dezent dem vorherrschenden Gruppenverhalten anpassen.“

Aus der Situation einer Probezeit zu den Beginn des neuen Arbeitsverhältnisses ergibt sich in aller Regel ein gewisser Druck, frühzeitig zu zeigen, was man kann. Doch wie steht es darum wirklich? Sollte man denn vom ersten Tag an seine Kompetenzen unter Beweis stellen oder damit besser warten?

Henryk lüderitz:Natürlich ist das eine Gratwanderung. Und man sollte nach einer gewissen Zeit schon deutlich machen, über welche fachlichen Kompetenzen man verfügt, schließlich hat das Unternehmen Fachkompetenz gesucht. Allerdings: Besser in der ersten Woche nur die Abläufe und Prozesse beobachten und interessierte Fragen stellen. Wichtig ist, immer höflich und wertschätzend zu bleiben – selbst dann, wenn möglicherweise sogar auf veraltetem oder umständlichem Niveau gearbeitet wird. Erst nach einigen Wochen sollte man vorsichtige – und wohldosierte – Verbesserungsvorschläge machen.“

Und in der direkten Zusammenarbeit mit dem Chef? Was ist, wenn dieser sich noch schwer tut, die Leistungsfähigkeit richtig einzuschätzen?

Henryk Lüderitz: „Natürlich menschelt es auch beim Chef. Bei der oder dem Neuen weiß er noch nicht so gut, wie bei den anderen Mitarbeitern, wie ausgelastet derjenige ist. Also: Hier hilft regelmäßiges Feedback Richtung Chef, ob er einen über- oder unterfordert.  Sehr hilfreich kann dazu ein Einarbeitungsplan sein. So kann man in Form einer Checkliste mit dem Chef abstimmen, wo man gerade steht und wie es um die vereinbarten Ziele steht.“

 

Über Henryk Lüderitz – LÜDERITZ EINER VON EUCH:

Henryk Lüderitz, Dipl.-Kfm. (FH), ist Experte für die Entwicklung von Young Professionals und jungen Führungskräften.

Er verfügt über 12 Jahre Management-Erfahrung bei einem führenden internationalen Mobilfunk- Konzern – hierbei mit mehr als acht Jahren Führungserfahrung.

Seit 2012 selbstständig, ist es heute seine Profession, „aus Talenten Profis zu machen“. Im Rahmen von Seminaren, Vorträgen, Workshops und Trainings-on-the-Job (Coaching) entwickelt er junge Talente zu Führungskräften und Leistungsträgern.

www.luederitz.eu

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