The Young ProfessionalDas Online-Magazin für junge Talente von Henryk Lüderitz


Assistenzjob als Sprungbrett?

Undercover – Potential

Ein Beitrag von Meike Kühlkamp

Eine einfache Tippse soll den Laden schmeißen? Seit wann lernt man denn vom Kaffeekochen, wie man ein Unternehmen führt? – Ja, die Klischeeliste der „klassischen Sekretärin“ ist endlos lang. Am Mittwoch kamen sie dann alle in Köln zusammen: die Sekretärinnen/ Assistentinnen dieser Region. Die career@office hatte sie alle mit interessanten Vorträgen und Workshops gelockt – und direkt von der Komparsen- in die Hauptrolle katapultiert. Denn eines war jedem Besucher auf Anhieb klar: Wir haben es hier nicht mit wandelnden Klischees zutun.

Tough, schnell, spontan, multitaskingfähig – all’ das muss sie sein: die moderne Assistentin. Gästen der career@office wurde schnell klar, welchem Imagewandel sich die Berufsgruppe der Assistenz unterzogen haben und vor allem: Heute sind sie weitaus mehr, als die einfachen Tippsen. Sie übernehmen ein weites Spektrum an unterschiedlichen Aufgaben, tragen mehr und mehr Verantwortung. Vielleicht so viel, dass sie den Damen und Herren aus der Chefetage Konkurrenz machen? Oder weiter noch: Sind die Assistenten von heute vielleicht eigentlich schon immer die Chefs von morgen? Ist der Job in der Assistenz vielleicht oft nur ein „Undercoverprojekt“ für die nächste Etappe, die Führungsposition?

Wir haben Annette Rompel gefragt, denn sie muss es wissen. Als Chefredakteurin von „working@office“, Deutschlands größter Fachzeitschrift für professionelles Büromanagement und Veranstalterin der career@office hat sie täglich mit gleicher und ähnlicher Thematik zutun.

 

Frau Rompel, worin liegt der größte Unterschied zwischen einer Assistentin heute und damals?

Anette Rommel
Chefredakteurin Anette Rompel         Foto: Monika Werneke

 Das Aufgabenspektrum in der Assistenz ist heutzutage viel umfangreicher im Vergleich zu früher. Assistenten trage viel mehr Verantwortung. Ihr Job besteht nicht mehr nur aus der Korrespondenz oder ähnlichem. Sie übernehmen Projekte, die sie eigenständig leiten. Ihre Ausbildung ist breiter gefächert und natürlich ist auch das Geld anders.

Mehr Verantwortung, die Leitung eigener Projekte, eine intensivere Ausbildung – es wirkt, als sind und wagen die Assistenten von heute weitaus mehr. Assistenzjob als Sprungbrett – stimmen Sie zu?

Jein. Der Begriff „Sprungbrett“ ist an dieser Stelle absolut fehl am Platz und nicht passend. Spricht man von Sprungbrett lässt das schnell den Eindruck zu, dass der Assistenzjob nur eine „Übergangsphase“ ist, in der man sich nur kurz aufhält, um sie dann so schnell wie möglich zu verlassen.

Unabhängig ist es aber tatsächlich so, dass es immer wieder mal vorkommt, dass sich eine Assistenzkraft in die Führungsposition kämpft. Das ist toll und vor allem deshalb so, weil der Beruf als Assistenz „vorbereitende“ Aufgaben bereithält.

Welche wären das?

Nun, eine gute Assistentin besitzt Organisationstalent und kennt sich in vielen Bereichen aus, weil sie durch ihre vielfältigen Aufgaben einen intensiven Einblick in unterschiedliche Sparten erhält: Marketing, PR, Eventmanagement und so weiter.

Warum tendieren Sie dann scheinbar eher dazu, die Frage mit einem Nein zu beantworten?

Es ist richtig, dass einige Führungskräfte in der Assistenz begonnen haben. Dennoch ist dieser „Sprung“ immer noch eine Seltenheit. Grund dafür ist nicht, dass die Assistentinnen nicht in die Chefetage können, sondern weil sie es nicht wollen. Vielfältige Aufgaben und Kontakte, abwechslungsreiche Arbeitstage, eine große Verantwortung –  natürlich sind all’ das Dinge, die sie zu mehr ausbilden könnten, aber gleichzeitig sind das die Dinge, die den Job in der Assistenz so interessant machen. Assistenten sind die Kommunikationsschnittstelle in den Unternehmen, sie haben mit fast allen Bereichen zutun. Das macht diesen Job aus und ich weiß, dass die meisten ihn mit voller Leidenschaft ausüben und deshalb gar nicht über einen „Sprung“ nachdenken.

Ich bemerke, dass Sie konsequent den Begriff „Assistenz/ Assistentin“ verwenden. Warum nicht Sekretärin?

Ich persönlich habe kein Problem mit dem Begriff Sekretärin. Trotzdem vermeide ich ihn. Das liegt daran, dass er in der Öffentlichkeit immer noch ehr negativ besetzt ist. Und da liegt der eigentliche Punkt: Assistenten/Assistentinnen wünschen sich nicht die höhere Position, sondern mehr Anerkennung für ihre jetzige Stellung, denn auch wenn der Assistenzjob sich einem Imagewandel unterzogen hat, hat das noch nicht alle Klischees der Sekretärinnen aus den Köpfen der Öffentlichkeit verbannt. Die Vorstellung von der „einfachen Sekretärin“ ist längst überholt und dennoch schwingt sie seit Jahrzehnten mit.

img_4067

Kommen Sie als Chefredakteurin der „working@office“ auch mit diesem altmodischem Denken in Kontakt?

Ja, immer wieder. Sogar im privaten Bereich. Wenn ich erzähle, was ich tue, sind die meisten über meine Antwort erstaunt. Dann kommen solche Fragen wie „Eine Zeitschrift nur für Sekretärinnen? Was soll denn da alles drinstehen?“ Das zeigt mir, dass viele immer noch denken, der Job als Sekretärin sei simpel. Und dabei lebt unser Magazin von so vielen unterschiedlichen Thematiken, auf die Assistenten stoßen, aber genauso auch andere Berufsgruppen. Das fängt beim souveränen Auftreten an bis hin zur Psychologie.

Henryk Lüderitz hat diese „Begriffsproblematik“ ebenfalls erkannt und für seinen Vortrag auf der career@office die Bezeichnung „Co-Manager (-in)“ gewählt. Sagt der Ihnen auch zu?

In gewisser Weise ja, denn er klingt positiver und zeigt, wie wichtig und einflussreich diese Berufsgruppe ist. Bei uns in der Redaktion benutzen wir gerne den Begriff Assistenz, weil er für öffentliche Ohren gut klingt und gleichzeitig sehr gut das Aufgabenspektrum beschreibt, das anfällt. Vor vier Jahren haben wir eine Umfrage unter unseren Leser und Leserinnen gemacht mit der Frage: „Was steht auf Ihrer Visitenkarte?“ Am Ende kamen wir auf 40 unterschiedliche Berufsbezeichnungen.

Weg von der Begrifflichkeit hin zur Praxis: Wie kann ich mir selbst als Assistent geschickt mehr Aufmerksamkeit und Anerkennung verschaffen?

Eigentlich ist es gar nicht so schwer. Ich bekomme Einblick in viele unterschiedliche Unternehmensbereiche. Das heißt gleichzeitig, dass ich testen kann, in welchen Bereich ich Talent habe. Habe ich das erst einmal für mich herausgefunden, sollte ich mit meinem Vorgesetzten reden und ganz konkret danach fragen, ob es möglich ist, noch mehr Projekte in diesem Bereich zu übernehmen, um auf sich aufmerksam zu machen und sein Können zu zeigen.

Ihr Fazit?

Zuerst muss man den Begriff Sprungbrett streichen. Der trifft den Punkt nicht. Sicherlich gelangen einige Assistenzkräfte von ihrem Posten in die Führungskraft und das kann auch ein guter Weg sein. Insgesamt ist das aber eher selten, denn: Assistenzkräfte üben ihren Beruf mit großer Leidenschaft aus. Warum also wechseln?

 

Und wie ist das Fazit von Business-Coach und Führungskräftetrainer Henryk Lüderitz?

Mir hat meine Arbeit auf der career@office sehr viel Freude bereitet. Ich habe dort mit der Berufsgruppe gearbeitet, mit der ich in meiner Zeit bei Vodafone sehr gerne und erfolgreich zusammengearbeitet habe. Ob die rechte Hand der Manager nun Sekretärin, Co-Managerin oder Assistentin genannt wird, sollte völlig egal sein. Da bin ich ganz bei Frau Rompel. Und genauso unterstütze ich auch ihren Wunsch, dieser Berufsgruppe mehr Anerkennung und Wertschätzung entgegenzubringen. Mir ist allerdings auch bewusst, dass nicht jeder diese Einstellung gegenüber den Assistenzkräften aufbringt. Als besonders ärgerlich empfinde ich diese altmodische und unangemessene Sichtweise bei jungen Führungskräften. Sind sie doch diejenigen, die selbst individuelle Anerkennung und Wertschätzung für sich selbst einfordern. Daher ist es mir in meinen Seminaren und Workshops zur Ausbildung von jungen Führungskräften ein großes Anliegen, einerseits auf die Wichtigkeit der guten Zusammenarbeit mit den Assistenzkräften hinzuweisen und gleichzeitig für wertschätzende Anerkennung ihrer Arbeit zu werben.

!Hinweis! Die nächste career@office findet am 9. März 2017 in der Handelskammer Hamburg statt. http://www.workingoffice.de/careeroffice.html

Der Newsletter für Young Professionals


  • Anna am 8. Februar 2017 um 11:10

    Vielen Dank für den interessanten Artikel. Ich habe erst vor ein paar Tagen einen Artikel gelesen zum Thema Assistenz bzw. Sekretärin und wie sich dieser Job mittlerweile gewandelt hat und viele verschiedene Aufgabenbereiche beinhaltet. Ich stimme zu, dass die Assistenz auch ein gewisses Organisationstalent sein sollte.

    • Meike Kühlkamp am 19. Februar 2017 um 17:11

      Hallo Anna! Vielen Dank für deinen Kommentar! Es ist richtig, dass Sekretärinnen heutzutage vor ganz anderen Herausforderungen und Aufgabenfeldern stehen und deswegen die Vorstellung der „klassischen“ Sekretärin heute kaum noch zutrifft. Alles Gute und viele Grüße!

  • Kommentieren