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Es gibt zu viele schlechte Chefs!!

10 Tipps, um kein Chef wie Stromberg zu werden

Ein Beitrag von Julia Fähndrich

“Ich bin für klare Hierarchien. Gott hat ja auch nicht zu Moses gesagt: ‚Hier Moses, ich hab da mal was aufgeschrieben, was mir nicht so gut gefällt. Falls du Lust hast, schau doch da mal drüber.‘ Nein, da hieß es: Zack, 10 Gebote! Und wer nicht pariert kommt in die Hölle. Bums, aus, Nikolaus.“

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Wer jemals in seinem Leben eine Folge Stromberg gesehen hat, hat immerhin eins lernen können: Wie man es nicht macht! Gottkomplex und Allmachtsfantasien haben in der Chefetage und in Führungspositionen schlichtweg nichts zu suchen. Klar ist, dass eine Führungsposition eine Machtposition ist. Das ist unumstritten.

Aber weder Diktatoren noch herrische Monarchen machen sich bei der Belegschaft besonders beliebt. Darunter leiden die Mitarbeiter. Und wenn die leiden, leidet ihre Bereitschaft, gute Arbeit zu leisten. Worunter langfristig nicht zuletzt das Unternehmen leidet. Leid, wohin das Auge reicht also.

Immer häufiger setzen Unternehmen deshalb mittlerweile auf Feelgood-Manager in den leitenden Abteilungen, die genau das verhindern sollen. Besonders in großen Betrieben, die vielleicht sogar eine Vielzahl von Zweigstellen haben, ist es für Führungskräfte nicht immer einfach, den Überblick zu behalten. Vom persönlichen Kontakt zu den Mitarbeitern ganz zu schweigen.

Was also können besonders aufstrebende Führungskräfte unternehmen, um nicht die Bodenhaftung zu verlieren? Ein moderner Führungsstil motiviert und bekräftigt die Mitarbeiter, statt sie zu übergehen und zu überwachen. Ein moderner Chef begegnet seinen Angestellten auf Augenhöhe. Er demonstriert nicht pausenlos seine Macht und vergisst nicht, wo er herkommt.

Wie das gehen soll? Gerade, wo man in leitender Funktion ohnehin alle Hände voll zu tun hat? Hier ein paar Strategien, die sich in den ganz normalen Wahnsinn eines Vorgesetztenarbeitstages integrieren lassen:

 

1. Status: CHEF!

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Gratulation! Ihr hab eure erste Stelle in leitender Funktion angetreten. Mit dem neuen Jobtitel geht auch ein neues Gehalt einher. Natürlich muss da gleich ein repräsentatives Auto her, eine standesgemäße Armbanduhr und maßgeschneiderte Designeranzüge. Äh … Nichts gegen angemessenen Stil und dezenten Luxus, aber Ihr seid immer noch auf dem Weg zur Arbeit, nicht zur Oscarverleihung. Will sagen: Wenn Ihr euren Wohlstand einsetzt, um Neid und Missgunst bei den Mitarbeitern zu produzieren, wird Euch bald deren Rückendeckung fehlen.

 

2. Heute hü, morgen hott

Uncertain guy looking at arrows. Man full of doubts hesitation
Als Führungskraft müsst Ihr am laufenden Band Entscheidungen treffen. Ihr gebt die Richtung vor, die eure Abteilung oder euer Unternehmen einschlagen soll. Macht Euch dazu vorher Gedanken. Denn Wankelmut und Unentschlossenheit bringen weder Euch, noch das Unternehmen voran. Davon abgesehen, dass Mitarbeiter es zu schätzen wissen, wenn nicht jeden Tag ein neuer Kurs eingeschlagen wird. So bleibt Ihr für sie als besonnen handelnder Ruhepol erkennbar, vermittelt Sicherheit und Stabilität.

 

3. Recht haben und recht haben wollen sind zwei Paar Schuhe


Der Chef hat immer recht, richtig? Chefs sind nämlich unfehlbare Überwesen, die sich in jedem Metier auskennen und in allen Bereichen absolute Cracks sind. Aber eigentlich sind Chefs auch nur Menschen mit Stärken und Schwächen. Ihre Stärken haben sie in die Position gebracht, in der sie sind. Habt einfach Mut und Selbstvertrauen und steht auch euren Mitarbeitern gegenüber zu euren Schwächen. Hört Ihnen zu. Oft wissen sie tatsächlich einfach besser, wie bestimmte Prozesse funktionieren. Sie sitzen schließlich direkt an der Quelle.

 

4. Alle sind gleich, aber manche sind gleicher

Aussenseiter
In Italien sagt man: Tu‘, was der Priester sagt, nicht was er vorlebt. Im Grunde nichts anderes, als unser deutsches Wasser predigen, Wein trinken. In einer modernen Arbeitswelt funktioniert diese Taktik längst nicht mehr. Arbeitnehmer brauchen Motivation und Inspiration. Und als Führungskraft habt Ihr eine Vorbildfunktion. Wenn Ihr also wollt, dass eure Mitarbeiter pünktlich sind. Seid selbst pünktlich. Wenn Ihr wollt, dass eure Mitarbeiter Euch ernst nehmen. Nehmt sie ernst. Wenn Ihr Leistung fordert, leistet selbst etwas.

 

5. Kumpelchef

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Gefährliches Terrain! Vor allem dann, wenn es darum geht, Privates und Geschäftliches zu trennen. Das wird spätestens dann schwierig, wenn es um Gehaltserhöhungen oder die Besetzung offener Stellen geht. Auch wenn Euch der ein oder andere Angestellte sympathischer ist, als der andere: Vermeidet Bevorzugung. Und erst recht die Bevorzugung derjenigen Mitarbeiter, mit denen Ihr abends zum Squash geht und am Wochenende im heimischen Garten grillt. Selbst wenn Ihr das vielleicht trennen könnt, könnten die Angestellten das missverstehen. Chef sein oder Kumpel. Beides in einem ist eine schwierige Gratwanderung.

 

6. „Business ist ein Talent wie Geige spielen – oder Brustgröße bei Frauen.“
(cit. Stromberg)


Eure Mitarbeiter sind nicht in einer Sache besser oder schlechter, nur aufgrund ihres Geschlechtes oder ihrer Hautfarbe. Vorbehalte, Vorurteile oder gar Ungleichbehandlung sind absolut tabu. Übergriffe oder Anspielungen können Euch im Zweifelsfall teuer zu stehen kommen und die Mär von der Sekretärin, die dem Chef für alle Bedürfnisse verfügbar ist, hat längst ausgedient. Die eigene Machtposition kann auch in anderen Bereichen reizvoll sein, das hat aber im Büroalltag nichts verloren. Und sie auszunutzen, um zu kriegen, was man will, ist gesetzlich ohnehin verboten. Vielleicht einfach mal im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) schmökern.

 

7. Teamplay

Business people, thumbs up, group, agreement
Auch wenn Ihr mittlerweile eine leitende Position bekleidet: Ohne euer Team seid Ihr nichts. Das heißt auch, für die Mitarbeiter einzustehen, sie zu verteidigen. Ihr seid nun die Schnittstelle zwischen ihnen und euren Vorgesetzten. Wenn es hart auf hart kommt, verlangt eure Position von Euch auch schon mal, dem Chef Paroli zu bieten. Eine Abteilung braucht Führung. Aber das bedeutet auch, Konflikte nicht zu scheuen, sie gegebenenfalls sogar hin und wieder zu provozieren. Als Duckmäuser vor dem Vorstand wird eure Führungsposition zur Farce.

 

8. Worte sind mächtiger als das Schwert

Geschäftsleute, gefeuert
Mit eiserner Hand über ein kleines Team aus Untergebenen regieren, die all das tun, was Ihr ihnen abverlangt. Das wär’s, oder?! Aber wie lange werden eure Mitarbeiter da wohl mitspielen? Setzt auf Kommunikation. Teammeetings und Abteilungstreffen fördern den Austausch, Zusammenhalt, die Kreativität und nicht zuletzt den Workflow. Regelmäßige Feedbackgespräche mit den einzelnen Mitarbeitern können wahre Wunder bewirken. Erst recht, wenn Ihr sie anhaltet, selbst auch konstruktive Kritik zu euch und eurer Leistung zu äußern.

 

9. Prozessoptimierung

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Effizienz und Effektivität sind nicht das Gleiche. Oft werden sie zwar synonym behandelt, tatsächlich klaffen die Bedeutungen mitunter aber sehr weit auseinander. Ihr werdet immer Mitarbeiter haben, die vielleicht eine längere Anlaufzeit benötigen, um ein Projekt wirklich effektiv abzuschließen. Diese Mitarbeiter werden nie Meister der Effizienz werden und umgekehrt. Lernt also die Stärken und Schwächen Einzelner kennen und würdigt sie. Achtet auf ein gutes Zusammenspiel, passende Teams, schafft ausreichend zeitlichen Puffer (Stichwort: Deadlines) und stellt die nötigen Ressourcen zur Verfügung.

 

10. Seid einfach kein Arschloch

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Ja. Manchmal kann es so einfach sein. Ein schönes Sprichwort besagt: Was Du nicht willst, dass man Dir tut, das füg‘ auch keinem andern zu. Bei allen Seminaren, Workshops, Fortbildungen, um eure Leaderskills zu verbessern und auszubauen, solltet Ihr nie vergessen, dass ein gesundes Klima im Unternehmen besonders von den Führungskräften abhängt. Und da Ihr nun dazu gehört, ist es auch an Euch, mit Persönlichkeit, Vertrauen und Selbstvertrauen sowohl bei euren Vorgesetzten, als auch bei euren Mitarbeitern zu punkten. Bleibt auf Augenhöhe. In einem funktionieren Unternehmen sind alle Angestellten gleich wichtig!

 

Und was sagt Management-Coach und Führungskräfte-Ausbilder Henryk Lüderitz dazu?

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„Ich bin bekennender Stromberg-Fan. Die Serie hat mir mit dem trockenem, zynischen Humor von Regisseur Arne Feldhusen und der brillanten Umsetzung von Christoph Maria Herbst (und dem gesamten Team) schon dutzende Beispiele und Vorlagen geliefert. Selbstverständlich dafür, wie man es als Chef nicht machen darf. Wie es aber traurigerweise in unzähligen Büros harte Realität ist. Neben der schon gelobten Inhalte und Umsetzung, sind es die persönliche Betroffenheit und Identifikation der Zuschauer, die diese Serie so erfolgreich gemacht haben. Und das kommt nicht von ungefähr. Strombergs sind überall, heißen eben nur Müller, Meier oder sonst wie. Fast jeder hat oder hatte einen Chef, der Strombergs Bruder hätte sein können.

Woher kommt das?

Strombergs werden neben einer schreienden, fachlichen Inkompetenz davon geplagt, dass sie sich und ihr Handeln niemals selbst reflektieren. Sie sind dermaßen selbstverliebt, dass nur ihr Wort gilt, ohne Wenn und Aber. Zu guter Letzt komplettiert seine Unfähigkeit zu emphatischem Denken und Handeln den Chaos-Chef.

Doch nun genug gemeckert. Wie kann man es besser machen? Viele wichtige Impulse und Regeln hat Julia hier in ihrem Artikel zusammengefasst. Damit lässt sich der Selfmade-Chef schon auf eine sehr gute Spur bringen. Unternehmen, die gegenüber ihren Kunden mit Spitzenprodukten glänzen wollen, empfehle ich noch mehr, nämlich die kompakte und professionelle Ausbildung der Führungskräfte. Insbesondere des Führungsnachwuchses. Denn die jungen Chefs stehen vor zahlreichen Herausforderungen, wie z.B. dem demographischen Wandel, der Digitalisierung und noch vielem mehr. Und auch wenn sie mit dem (unangemessenen) Selbstbewusstsein junger Alleskönner mit dem Masterabschluss von der Uni kommen, können sie (i.d.R.) noch keine Menschen führen und müssen dazu fachlich und persönlich ausgebildet werden. Sie werden zukünftig als Multiplikator auf Teams, Gruppen und ganze Abteilungen einwirken und sollten darauf entsprechend sorgfältig vorbereitet werden.“

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