The Young ProfessionalDas Online-Magazin für junge Talente von Henryk Lüderitz


Macht entlarvt den Charakter

Bist Du als Chef ein Trump-eltier?

Ein Beitrag von Julia Fähndrich

Trump Führungskraft Macht

Es ist also soweit. Donald Trump ist amerikanischer Präsident. Mit Vereidigung und allem Drum und Dran. Und sofort hat er sich voller Eifer ans Tagesgeschäft gemacht. Der designierte Präsident regiert per Dekret. Das geht so schnell, dass man längst den Überblick darüber verloren, wie viele er mittlerweile schon unterschrieben hat. Und das rasante Tempo, das er vorlegt, gibt Anlass zum Zweifel: Hat er sie überhaupt gelesen? Und verstanden? Die ersten Wochen nach seiner Amtseinführung wirken auf den Betrachter, als würde er einen Elefanten im Porzellanladen beobachten. Einen wütenden, außer Rand und Band geratenen Elefanten im Porzellanladen. Nicht den, der sich seiner Größe und Stärke bewusst ist und versucht, trotz ausladender Maße zwischen dem zerbrechlichen Geschirr durchzuschlüpfen. Was zwar immer noch ein recht lächerliches Bild abgeben, aber immerhin von Umsicht zeugen würde. Kein Wunder hat sich der Spottname Trump-eltier in den Medien und sozialen Netzwerken etabliert.

Trump regiert. Oder leitet er doch eher ein Unternehmen? Und wenn ja, was sagt das über seinen Führungsstil – und noch mehr über seine Führungskompetenzen – aus?

 

You’re fired!

Was man über Trumps Geschäftsgebaren weiß, lässt tief blicken. Diplomatie ist nicht seine Stärke. Die einen lieben ihn dafür, die andern hassen ihn dafür. Für seine Rolle in „The Apprentice“ war er damit allerdings prädestiniert. Das ist die Rolle, in der sich ein Donald Trump wohlfühlt: Er hat die Macht über Sieg und Niederlage, über Karriere oder Absturz anderer Menschen zu entscheiden.
Für die Psychologie sind solche Verhaltensmuster besonders in Chefetagen nichts Neues. Keiner ist grundsätzlich davor gefeit zum Opfer seines eigenen Machtstrebens zu werden. Die Frage ist nur, wie man mit der neuen Machtposition umgeht. Der eine wird zu Darth Vader, der andere zu Luke Skywalker. Während der eine sichtlich Spaß daran hat, Leuten ein „You’re fired!“ entgegenzuschleudern, handelt der andere besonnener.
Woran es liegt, ob man als Chef zum Trump-eltier wird und wahllose Willkür walten lässt? An einem selbst. Sich von der Macht verführen zu lassen, ist leicht. Weil es menschlich ist. Ob wir dieser Verführung standhalten, hängt davon ab, wie gut wir unser Tun und unsere Persönlichkeit reflektieren können. Und im Zweifelsfall wider diese starke Anziehungskraft handeln können.

Es hilft, wenn ihr euch hin und wieder an eure eigenen Anfänge im Unternehmen zurück erinnert. Und euch darauf besinnt, welche Charaktereigenschaften euch zu eurer jetzigen Position verholfen haben.

 

Selbstherrlichkeit und Selbstgefälligkeit

Selbstgefällig Chef Führungskraft

Machtmenschen wie Donald Trump fühlen sich wohl in ihrer Rolle. Kritik vertragen sie nicht nur nicht, sie glauben auch nicht, dass es überhaupt Grund zur Kritik an ihnen oder ihrem Führungsstil gibt. Wer es dennoch wagt, riskiert Kopf und Kragen. Bzw. eben seinen Job. Der Unterschied zwischen Selbstbewusstsein und Selbstherrlichkeit, Selbstvertrauen und Selbstgefälligkeit ist solchen Chefs nicht geläufig.
Dabei sind Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein Schlüsselelemente für einen vertrauensvollen Führungsstil. Wer weiß, was er kann, kann sein Wissen vermitteln. Wer weiß, wohin die Reise gehen soll, kann anderen die Richtung vorgeben. Wer weiß, worauf es im Job ankommt, kann Positionen im Team gezielt besetzen. Wer keine Angst vor Kritik hat, braucht auch keine Angst vor Konkurrenz zu haben.
Führungspersönlichkeiten, die selbstbewusst sind, brauchen ihre Angestellten nicht herabzusetzen. Intrigen spinnen und vermeintliche Konkurrenten ausbooten, das tun machthungrige Menschen ohne Selbstvertrauen. Sie kennen keinen respektvollen und vertrauensvollen Umgang. Ihre Mittel der Wahl sind Beleidigungen, Einschüchterungen, Erniedrigungen und Drohungen.

Selbstbewusste Chefs hingegen sind Vermittler, Förderer und Unterstützer. Sie wissen, dass sie ohne ihr Team, ohne ihre Angestellten nichts sind. Also setzt auf diese Basis.

 

Vetternwirtschaft

Trumps Kabinett ist voll von Wegbegleitern aus der Industrie und Finanzbranche. Seinen Schwiegersohn hat er zu seinem Berater gemacht, bei offiziellen Treffen gerne mal den eigenen Nachwuchs dabei. Das mag in einem Familienbetrieb gang und gäbe sein – und spätestens wenn der Patriarch in Pension geht bisweilen sinnvoll, will er die Geschäfte in die Hände seines Nachfolgers übergeben.
Dass aber die Führungsetage nur mit Menschen besetzt wird, die dem Chef nahe stehen, im besten Fall nach dem Mund reden, zeugt weder seitens des Chefs noch seitens seiner Begünstigten von besonderem Charakter. Oder gar vom Talent, die eigenen und Fähigkeiten anderer Menschen einschätzen zu können. Denn der Neffe, Enkel oder die Cousine sind nicht qua Geburt für jede Position im Unternehmen geeignet.
Leider entgeht das einem Trump-eltier-Chef nur allzu oft. Da er ohnehin keine Fehlentscheidungen trifft, tut er das natürlich auch nicht bei der Jobvergabe. Leider ist aber ein gemeinsamer Genpool nicht gleichzeitig Garant dafür, dass die Auserwählten ihres Amtes auch würdig oder gar fähig sind. Statt auf objektive Fakten wie bisherige Leistungen, Standing in der Belegschaft, Ausbildung und charakterliche Qualifikationen, setzt er auf Klüngel.

So verlockend es ist, dem Sandkastenfreund die beste Position im Unternehmen zu sichern, bei der Jobvergabe solltet ihr neutral und objektiv entscheiden. Fragt euch, wer für die Stelle wirklich qualifiziert ist.

 

Du sollst keine anderen Chefs neben mir haben!

Das erste Gebot für eine Trump’sche Unternehmensführung: Er stilisiert sich in all seiner vermeintlichen Fehlerfreiheit, vollkommenen Handlungsautarkie, seiner Besserwisserei als unangefochtene, alleinige Unternehmensspitze. Die Angestellten betrachtet er als Fußvolk, die ihm zu dienen, nicht zu widersprechen haben. Und wenn sie aufbegehren, lässt er Asche regnen. Oder er feuert sie. Weil das mit der Asche und der Allmacht dann doch nur in der Theorie so leicht ist.
Ein Narzisst vor dem Herrn, (der er ja selbst ist,) gepaart mit Größenwahn, Uneinsichtigkeit und Unreflektiertheit. Das sind Charaktereigenschaften eines Despoten, vor dem die Belegschaft Angst hat. Sicher aber keinen Respekt. Kein Angestellter wird mehr tun, als er muss. Und er wird sich schnellstmöglich nach einer besseren Arbeitsstelle umsehen, wo er geschätzt wird.
Statt Größe zu zeigen, hält das Trump-eltier lieber andere klein. Seine andauernde Selbstüberschätzung macht ihn blind für seine eigenen Schwächen. Dabei ist ein guter Chef auf das Schwarmwissen im Unternehmen angewiesen. Niemand kann oder weiß alles. Für eine erfolgreiche Führung braucht man Weitsicht, Reflektiertheit, Kritikfähigkeit, Offenheit und Vertrauen. Und ein Talent zum Delegieren kann auch nicht schaden.

Ein Chefposten verleiht keine Vollkommenheit. Darum gibt es ja Teams, die sich um das kümmern, wovon man selbst nichts versteht. Ratschläge einholen und sie annehmen solltet ihr auch als Chef.

 

 

Nachgefragt

Coaching Führungskräfte

… bei so einem „Führungsstil“ verwundert es nicht weiter, dass Trump’sche Ventures früher oder später den Bach runtergehen. Damit euch das nicht passiert, fragen wir wie immer bei Business-Coach und Führungskräftetrainer Henryk Lüderitz nach:
Henryk, wie vermeidet man es, besonders als Young Professional, in die Machtfalle zu treten und meinst du, es gibt noch einen Weg zurück, wenn man den Weg des Trump-eltiers erst einmal beschritten hat?

„Hallo Julia, mir gefällt das Beispiel mit Darth Vader und Luke Skywalker. Beide haben „Macht“ und nutzen sie ganz unterschiedlich und zeigen damit ihren Charakter & Werte. Luke hat einen Meister, der ihm ehrenhafte Werte ans Herz legt und ihn vor der dunklen Seite der Macht warnt. Sein Vater hatte mit dem Imperator einen nicht ganz so integren Meister.
Im Business habe ich ganz ähnliche Entwicklungen beobachtet. Niemand kommt mit einem wirklich schlechten Charakter auf die Welt und nimmt sich schon seit frühester Kindheit vor, seine Mitmenschen und Mitarbeiter zu unterdrücken. Das Leben und das Business machen uns zu dem was wir sind. Untersuchungen nach sollen es die 5 Menschen sein, mit denen wir uns am häufigsten umgeben.

In meiner aktiven Zeit als Projektleiter und Führungskraft bei Vodafone hat sich diese These häufig bestätigt. Die A…öcher, die ich nicht mochte, waren z.B. beim Mittagessen mit anderen miesen Charakteren zusammen. Vermutlich um sich gegenseitig Feedback zu geben, wie man sich noch mieser entwickeln kann 😉
Umgekehrt habe ich über die Menschen, die mir ein Vorbild waren, stets weitere interessante Menschen getroffen mit denen ich mich gerne umgeben habe und von denen ich auch viel lernen konnte.

Daher mein Appell an junge Führungskräfte, die respektiert und nicht gefürchtet sein wollen: Fragt nach und ermutigt euer Umfeld zu einem ehrlichen Feedback, auch wenn ihr dabei eventuell Dinge zu hören bekommt, die euch nicht gefallen werden. Deshalb empfehle ich im ersten Schritt das private Umfeld zu interviewen. Wie werdet ihr dort wahrgenommen? Seid ihr ein angenehmer, ehrlicher Zeitgenosse… oder rücksichtslos und gefühlskalt?

Abhängig vom Feedback solltet ihr dann euer Umfeld analysieren. Häufig finden sich dort „Brüder im Geiste“ von denen sich (im Falle eines negativen Feedbacks) eine vorsichtige Distanz empfiehlt. Ausserdem könnt ihr nach Menschen im Freundeskreis suchen, die sich so verhalten, dass sie ein positives Feedback erhalten. Gemäß der Erkenntnis, dass euer Umfeld den Charakter prägt, solltet ihr zu diesen Menschen langsam mehr Kontakt aufbauen.

Im Office könnt ihr z.B. eine Führungskraft suchen, die für euch Vorbildcharakter hat und um ein gelegentliches Mentoring bitten. Sucht den „Business-Yoda“ und vermeidet die dunkle Seite der Macht!! Ich drücke euch die Daumen und stehe gerne als Ratgeber zur Verfügung.

Ausserdem interessiert mich natürlich eure Meinung zu diesem Thema. Habt ihr einen Chef mit „Trump-Genen“? Oder bist du so unterwegs, dass dieser Beitrag dir im Spiegel eine hässliche Fratze gezeigt hat? Melde dich und lass uns an deinen Gedanken teilhaben!!

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