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Ohne mich läuft nichts!

Hilfe, ich bin ein Kontrollfreak! – Dem Mikromanagement entkommen

Ein Beitrag von Henryk Lüderitz

Unser letzter Artikel „Umgang mit Low-Performern – Hilfe, ich bin von Idioten umgeben“ ist eingeschlagen wie eine Bombe. Mehr als 10.000 Leser, fast 100 Xing-Likes, zahlreiche Nachrichten und Kommentare in fünf Tagen. Wow und vielen Dank dafür!
 Offensichtlich hat das Thema den Nerv vieler Leser getroffen. Das häufigste Feedback ging in die Richtung, dass Mikromanagement eine erfolgreiche Entwicklung der Mitarbeiter verhindert. Genau richtig! Wenn Führungskräfte immer alles selber machen möchten, werden die Mitarbeiter durch diesen Führungsstil zur Unselbständigkeit erzogen. Gratulation, der self-made Low-Performer ist geboren!
Leider ist der Weg von der Selbsterkenntnis zur erfolgreichen Verhaltensänderung lang und beschwerlich. Deswegen habe ich euch hier zwei praxiserprobte Tipps gegen das gemeine Mikromanagement zusammengestellt.

 

Mikromanagement beginnt bei der inneren Haltung

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Führungskräfte, die dem Mikromanagement verfallen sind, leben einen ganz bestimmten Glaubenssatz. „ALLES muss genau so laufen, wie ich es mir vorstelle!“ 
In einen Führungsstil übersetzt führt dieser Glaubenssatz zu dem diktierenden Chef. Ohne ihn läuft nichts, denn wenn er nicht da ist, sagt ja keiner, wie es laufen soll.
Um diesen Glaubenssatz loszuwerden, hilft intensives Training. Das Trainingsziel soll sein, dass der Mikromanager sich zunehmend mit folgendem Gedanken anfreunden kann: „Na gut, so geht es auch!“

 

Seminarübung „Mach dich mal locker!“

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In meinen Seminaren oder Coachings mit jungen Führungskräften nutze ich daher folgenden Weg, den ihr hier auch gerne ausprobieren könnt.
Im ersten Schritt fertigt ihr eine private „So MUSS es sein“-Liste an. Darauf stehen Dinge, die ihr im Privatleben auch pedantisch kontrolliert. In Seminaren tauchen auf den Listen die ulkigsten Dinge auf. Sortierte Socken, Kühlschränke mit dem FiFo-Lagerprinzip, bis hin zu gebügelten Schnürsenkeln! Auf der Liste sollten ca. 5-10 Punkte stehen, die euch wichtig sind. Jedoch nicht tödlich, wenn man sie anders macht. Und genau das ist die Aufgabe für die kommenden Tage: Macht diese Dinge einfach anders. Werft die Socken lose in die Schublade, auch wenn es innerlich schmerzt. Benutzt morgens Elmex und abends Aronal! Kocht das Frühstücksei nur nach Gefühl! Probiert ein Leben an eurem gefühlten Limit aus!

 

Der Offenbarungseid – Ja, ich bin ein Mikromanager

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Dass ihr Mikromanager seid, weiß euer Team schon lange. Das ihr zukünftig an einem besseren Führungsverhalten arbeiten möchtet, wird ihnen neu sein. Dementsprechend solltet ihr im zweiten Schritt der Anti-Kontrollfreak-Strategie mit euren Mitarbeitern reden. Immerhin sind eure Mitarbeiter die Menschen, mit denen ihr euch jeden Tag ziemlich lange umgebt. Sie werden auch diejenigen sein, die sich wundern, wenn ihr mir nichts dir nichts anfangt, euer Verhalten zu ändern. Auf jeden Fall empfiehlt es sich, die Mitarbeiter mit ins Boot zu holen. Überlegt euch also für das nächste Teammeeting eine kurze Ansprache im Sinne von: Ich habe selbst gemerkt, dass ich ein Kontrollfreak bin! Das habt ihr bestimmt auch schon gemerkt. 😉 Nun möchte ich daran arbeiten und brauche eure Unterstützung!

 

Die Mitarbeiter an der persönlichen Entwicklung beteiligen

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Viel entscheidender als die offene Ansprache eures Entwicklungsziels ist es, die Mitarbeiter aktiv an der Entwicklung zu beteiligen. Wie das gehen soll? Ganz einfach. Ihr wollt euch auch im Büro Schritt für Schritt das ewige Kontrollieren abgewöhnen. Startet doch mit den Punkten, die euer Team am allermeisten stören. Bittet jeden Mitarbeiter einen Vorschlag zu machen, bei welcher Aufgabe ihn eure Kontrollen am meisten gestört haben. Fragt, wo sich die Mitarbeiter am sichersten fühlen und allein arbeiten wollen. Mit diesem Input habt ihr ganz entscheidende Vorteile kombiniert:
Ihr habt die größten Schmerzen eures Führungsstils bei den Mitarbeitern abgefragt.
Ihr habt eine Anti-Kontrollliste, an die ihr euch jetzt für 2-3 Wochen halten müsst.

 

Eigene Erfahrung & Gewinnspiel

 

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Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass trotz des Chaos-Trainings zu Hause noch Zweifel aufkommen kann. Was, wenn der Mitarbeiter es jetzt falsch macht und ich es nicht kontrollieren konnte?
Mit dieser Frage beschäftige ich mich nächste Woche. Bis dahin wünsche ich euch viel Spaß damit, euer Privatleben auf den Kopf zu stellen. Übt fleißig an dem Glaubenssatz „Na gut, so kann man es auch machen!“
Um dem Thema ein bisschen mehr Schwung zu geben, freue ich mich hier (oder bei Xing) auf eure kreativen Kommentare, was ihr zukünftig alles anders macht … Mutige voran!
Unter allen Kommentargebern verlose ich eines meiner hochwertigen Notizbücher!

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