The Young ProfessionalDas Online-Magazin für junge Talente von Henryk Lüderitz


Risiken für den Führungsnachwuchs

Der falsche Prophet – Wenn Führungskräftetrainings ad absurdum geführt werden

Ein Beitrag von Henryk Lüderitz

Führungskräfte sind Multiplikatoren. Ihr Verhalten hat maßgeblichen Einfluss auf viele Mitarbeiter, weshalb Unternehmen gezielt in die Ausbildung ihrer Führungsriege investieren. So weit so gut. Doch was passiert, wenn der falsche Prophet die Führungskräfte ausbildet? Ein Erfahrungsbericht.
Während meiner Ausbildung zum Projektleiter und später zur Führungskraft habe ich viele Seminare besuchen  und diverse Eindrücke sammeln dürfen. Hotels, Seminarkonzepte und Trainer sind mir in unterschiedlichsten Qualitäten begegnet.

Die guten Propheten
Besonders gut kann ich mich an die Trainer erinnern, die auf Basis der eigenen Projekt- oder Führungserfahrung die Seminare gestaltet haben. Neben sinnvollem Input aus cleveren, didaktischen Konzepten, hatten sie authentische Praxisbeispiele, die die Umsetzung in der Praxis in allen Facetten veranschaulichten:  Von erfolgreich bis „so bitte nicht nachmachen!“
Authentizität und Integrität waren mir persönlich jedoch am wichtigsten. Ich habe stets großen Wert darauf gelegt, von Personen zu lernen, die mir in fachlicher und moralischer Hinsicht ein Vorbild sein konnten. Um später selbst diese Vorbildfunktion gegenüber meinen Mitarbeitern gewährleisten zu können.

 

Die falschen Propheten
Leider kann ich mich auch an einige (wenige) Wegbegleiter erinnern, von denen ich weniger gelernt habe, als durch sie. Meine bisherige Hitliste wurde von dem extrem lauten Herrn T. angeführt, der neben Plattitüden auch seine stets knallbunten Socken als Erkennungsmerkmal einzusetzen versuchte. Einziger Pluspunkt: Er war konstant so und hat sich resistent gegen alle Impulse gewehrt.

In den letzten Wochen musste ich Herrn T. jedoch auf Platz 2 verweisen, denn das, was mir passiert ist, katapultiert eine ehemalige Geschäftspartnerin auf Platz 1.  Es gibt Eigenschaften und Werte, die ich an mich selbst und  mein privates / geschäftliches Umfeld stelle. Dazu gehören ganz klar Integrität und Ehrlichkeit! Hier wurde ich aber ziemlich offensichtlich und dreist angelogen.

Für mich blieb in diesem traurigen Fall nur ein Fazit: Ich habe mich so entschieden, wie ich es auch schon als Führungskraft im Unternehmen getan habe:
1. Eine persönliche Entschuldigung eingefordert und …
2. … das Versprechen eingeholt, dass dieses Verhalten so niemals wieder vorkommen würde, sonst …
3. … erfolgt die Trennung, mit der Begründung, dass wir nicht zueinander passten.

Sollte das so nicht möglich sein, kämen wir gleich zu Punkt 3.
In diesem Fall erfolgte (erwartungsgemäß) keine Entschuldigung. Bei so wenig Rückgrat schüttelt es mich richtig …

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Henryk Lüderitz, Trainer für junge Führungskräfte: „Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir müssen das Verhalten & Werte, die wir dem Führungsnachwuchs vermitteln, selbst zu 100% authentisch leben!“

Mein Appell an die Kollegen/innen

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir geben unseren Teilnehmern Feedback, nutzen stets wertschätzende Kommunikation auf Augenhöhe und streben nach Win-Win-Situationen. Sollten wir das dann nicht auch untereinander praktizieren? Ich habe von Kunden und anderen Kooperationspartnern schon Absagen und schlechte Neuigkeiten erhalten. Nur ganz selten habe ich geweint, niemals bin ich unflätig geworden oder habe Rache geschworen. Das ist nicht mein Stil und nicht mein Format! Denn fast immer gab es ja einen nachvollziehbaren Grund: Krise beim Auftraggeber, Thema wurde geändert, usw. alles schon gehört. Und bisher auch immer ehrlich und direkt, so wie ich das von jedem Menschen erwarte und ganz besonders von Menschen unserer Profession.

Schließlich wollen wir doch zu den guten Propheten gehören und nicht Wasser predigen und selbst Wein saufen, oder??

Mein Appell an die Unternehmen

Ich habe lange überlegt, welche Empfehlung ich aus meiner Erfahrung ableiten kann. Die Integrität und Aufrichtigkeit eines Trainers oder einer Weiterbildungsgesellschaft zu erkennen, ist eine schwierige Aufgabe. Dagegen lassen sich die Führungs- und Praxiserfahrung schon fast einfach bewerten.

Vielleicht hilft die folgende Frage im Gespräch mit dem potenziellen Lieferanten:
„Angenommen Sie haben sich mit einem Kollegen zusammen auf genau diesen Termin vorbereitet und sind gestern Abend zu dem Entschluss gekommen, dass es besser wäre, einen anderen Kollegen mit ins Boot zu holen. Wie gehen Sie dann vor?“

In jedem Fall sollten Unternehmen nicht nur die Inhalte der Entwicklungsmaßnahmen im Blick haben, sondern auch bei dem Transporteur (Trainer) darauf achten, ob sein Wertekompass zu dem des Unternehmens passt.

 

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