The Young ProfessionalDas Online-Magazin für junge Talente von Henryk Lüderitz


Die Tage von Mr. Obama als US-Präsident sind gezählt!

Kommentar: Ist die Welt aus den Fugen geraten?

Ein Beitrag von Henryk Lüderitz

Donald Trump wird der 45. US-Präsident! Bäm! Ein Immobilienmogul, eiskalter Geschäftsmann und Egomane ist auf der Karriereleiter noch weiter aufgestiegen und wird mächtigster Mann der Welt. Wie er dort hingekommen ist? Er polarisiert, provoziert und sucht die Extreme. Eine Mauer soll die USA vor illegalen Einwanderern schützen. Nur eine der Ideen, bei denen alle hätten aufhorchen sollen: Kann ein Mann, dessen Visionen so offensichtlich ad absurdum führen, tatsächlich eine Wahl gewinnen? Er kann!

Und was jetzt? Durch die Medien zieht eine Welle des Aufschreis: Alle sind aberplötzlich überrascht, schockiert und es ist, wie es schon immer war: Jeder beginnt seine Stimme zu erheben, beginnt mitzureden und auf Werte zu appellieren, an deren Credo die meisten sich selbst nicht einmal halten, denn ja: Ich bezweifle bei den ganzen Kritikern, Moralaposteln und „Korrektdenkern“, dass sie moralisch so einwandfrei sind, dass sie hier ihre Stimme erheben sollten.

Gerät die Welt aus den Fugen?

Ist die Wahl von Donald Trump der Beweis dafür, dass unsere Welt so langsam aus dem wohligen Gleichgewicht gerät? Möglicherweise. Hätten wir auch vorher schon alarmiert sein sollen? Auf jeden Fall! Meiner Meinung nach sind es nämlich die kleinen Dinge in unserem Leben, die Signale dafür sind, das unsere so soziale Wohlstandswelt deutlich in die Schieflage geraten ist. Beispiele dafür gibt es nur zuhauf.

Erst vor kurzem bricht in Essen ein älterer Mann vor einem Geldautomaten zusammen. Er ist noch am Leben, als unzählige Bankkunden ihn ignorieren und schamlos über ihn hinwegsteigen, um zum Automaten zu kommen. Der Mann stirbt. Todesursache: Fehlende Zivilcourage in der Bevölkerung, fehlende Empathie, fehlende Menschlichkeit. Unter anderem.

Solche Ereignisse lassen mich viel mehr an dem moralischen Zustand unserer Gesellschaft zweifeln, als das Ergebnis der US-Wahl. Denn von diesen Menschen bin ich offensichtlich tagtäglich umgeben. Zugegeben: „Helfen“ und „sich einsetzen“ sind recht diffuse Begriffe. Besonders in überraschenden Gefahrensituationen sind die meisten schlichtweg überfordert, sich an ihre Werte zu erinnern (sofern sie sich darüber mal Gedanken gemacht haben) und entsprechend zu handeln. Da wir  als Zielgruppe unseres Magazins jedoch die Young Professionals haben, formuliere ich hier einen anderen Anspruch an dieses Klientel.

Besondere Rolle = besondere Verantwortung

Liebe junge Talente & Führungskräfte,
von euch erwarte ich dort draußen einfach mehr. Ihr wollt schließlich auf der Karriereleiter auch weiterkommen, als der durchschnittliche Mitarbeiter. Dann zeigt doch bitte auch, dass ihr diesem Anspruch gerecht werdet, und das nicht nur im Beruf, sondern besonders auch im Privatleben.
Was meine ich damit genau? Mein grundsätzlicher Anspruch an Young Professionals ist folgender:

  1. Sich seiner Werte bewusst sein!
    Und dazu gehört auch, einen Lebensstil zu pflegen, der diesen Werten gerecht wird. Das funktioniert nicht immer, führt uns aber auch gleich zum zweiten Punkt:
  2. Kritische Selbstreflexion!
    Manager wollen immer alles analysieren und optimieren. Wie wäre es denn mal mit dem persönlichen Alltag? Meine Erwartung ist nicht, sich immer zu 100% korrekt zu verhalten. Ich erwarte aber schon, dass man am Ende des Tages für sich selbst eine Bilanz zieht und hinterfragt, was gut war und wo Optimierungsbedarf besteht.
  3. Unverzagtes Handeln!
    Echte „Leader“ sind keine Besserwisser, sie sind „Macher“! Sie denken und philosophieren nicht lange. Sie beobachten kurz, bewerten ihre Ressourcen & Optionen und gehen danach unverzagt an die Tat. Sie können damit leben, dass das Ergebnis nicht 100%ig ist, aber sie können nicht damit leben, dass etwas so bleibt, wie es gerade ist.

Was wäre aus dem älteren Herrn geworden, wenn die eigentlichen „Ersthelfer“ sich dieser Werte bewusst gewesen wären? Mit großer Wahrscheinlichkeit hätte er überlebt. Mein Verständnis dafür, dass solch eine Situation einen „Nichtmediziner“ schneller in Panik bringt als einen Sanitäter, ist da. Dennoch: Die Kombination aus unverzagtem Handeln und Helfen hätte die Situation gerettet (auch bei einem Laien), denn sofort die 112 zu wählen, den Notarzt zu alarmieren, sollte für jeden machbar sein.

Deswegen endet mein Verständnis ganz klar an dem Punkt, wo einfachste Hilfe in Form eines Telefonanrufes unterlassen wird und  in einem Atemzug wird wahrscheinlich von eben diesen Leuten ein paar Tage später fleißig gegen das große Unglück der US-Wahl gewettert. Das ist eine Welt, die bereits aus den Fugen geraten ist.

Und bevor wir versuchen, die Welt durch unserer gemeinsame Social-Media-Macht wieder zurechtzurücken, sollten wir (insbesondere die Young Professionals als bewusste Verantwortungsträger) schauen, was wir im Kleinen unternehmen können, unsere Werte immer wieder neu vor Augen führen und tagtäglich nach ihnen handeln.

In diesem Sinne wünsche ich euch allen eine tolle Arbeitswoche. Wenn ihr Zeit und Lust habt, bin ich hier im Kommentarbereich gespannt, wo ihr in eurem Einflussbereich einen kleinen aber wirkungsvollen Unterschied machen konntet.

Der Newsletter für Young Professionals


Lesen Sie auch diese Artikel

Kommentieren