The Young ProfessionalDas Online-Magazin für junge Talente von Henryk Lüderitz


Kleine Risiken im Chefalltag: "Challenge accepted!" oder doch lieber "auf Nummer sicher"?

Leichtsinnig oder genial?

Ein Beitrag von Meike Kühlkamp

Es sind diese Momente im Leben einer Führungskraft, in denen es heißt „No Risk, No Gain“. Young Professionals sind Grenzgänger, vielmehr noch: Sie müssen Grenzen sprengen. Andernfalls könnten sie ihren Titel wohl kaum mit Recht tragen. Grenzen überwinden, wenn andere in den „Bequemlichkeits-Modus“ schalten. „Bis hier hin und nicht weiter“, heißt es dann, nur das Nötigste, statt dem Möglichen.

Die sichere Intuition

Blendet man aber einmal die Schranken des gesellschaftsdenkenden Kleinhirns aus, eröffnen sich die eigentlichen Horizonte und man erhält Eintritt in die Welt der Menschen, die wahrhaft noch Individuen sind, weil sie dem Gedankenstrom der Masse entkommen sind. Sie sind die Pokerspieler unter uns. Nicht die Bluffer, sondern die Zocker mit dem einen unschlagbarem Ass im Ärmel: der sicheren Intuition, wann ein Risiko die Chance bedeutet. Die Chance auf mehr: mehr Erfolg, mehr Individualität, das „Mehr“ der ganz Großen eben.

Was ist aber mit den Fällen, in denen mit dem Sprengen der Grenzen, die rechtlich gesicherte Zone verlassen wird? Heißt es auch hier Zocken oder doch besser die Karten auf den Tisch legen?

Zocken oder Karten auf den Tisch?

Zocken oder Karten auf den Tisch?

Wagnisse eingehen

Eines sollte klar sein: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Young Professionals sollten sich dieses Motto zu Herzen nehmen, denn: So abgekaut er auch schon sein mag, es ist und bleibt etwas Wahres ‚dran. Wer immer nur den Weg der Vorsicht wählt, läuft nicht nur an den Gefahren vorbei, sondern eben auch an der Chance, der Welt seinen ganz persönlichen Stempel zu geben.

Wenn ein Wagnis aber heißt, sich auf juristisch unsicheres Terrain zu begeben, wird die Sache kniffelig.

Ein Verletzen der Vorgaben könnte mich im Unternehmen voranbringen.

Ein Verletzen der Vorgaben könnte dafür sorgen, dass ich aus dem Unternehmen rausfliege.

Zocken oder nicht? – 4 Entscheidungshilfen

Es scheint wie eine Antithese in sich und doch gibt es vielleicht das eine oder andere Kriterium, an dem Ihr euch überlegen könnt: „Zuschnappen!“ oder „Finger weg!“.

1. Wie groß ist der Schaden, wenn ich die Grenze überschreite, aber mein Plan nicht aufgeht?

Damit ist folgendes gemeint: Der Schaden darf niemals größer als der potenzielle Gewinn sein! Gute Orientierung für übliche Risikogrößen im Unternehmen können andere „Vorbilder“ sein, die im Unternehmen „gesund“ Karriere gemacht haben.

2. Handle ich mit meiner Entscheidung „Pro-Risiko“ wirklich im Sinne des Unternehmens, oder geht es dabei vielmehr um die Befriedigung meiner eigenen Bedürfnisse? Zur Prüfung helfen die einfachen Fragen „Welchen (finanziellen) Mehrwert hat das Unternehmen durch meine Idee? Welche Auswirkungen hätte eine positive Umsetzung für mich ganz persönlich?“

3. Bin nur ich der Pokerspieler oder ziehe ich noch andere Beteiligte in mein Risikospiel rein?
Im Best- & Worst-Case, wer profitiert oder leidet durch meine Idee?

4. Wie lange bewege ich mich tatsächlich auf unsicherem Boden, bzw. wie schnell kann ich den unerlaubten Kniff in die rechtlich sichere Zone zurückbringen?

In der Theorie hört sich das ja alles ganz logisch an, doch funktioniert das in der Praxis auch? Henryk, hast Du aus Deiner Konzernerfahrung ein Praxisbeispiel dazu für uns?

IMG_9122

Selbstverständlich 😉
Ein übliches „Hindernis“ für junge, ambitionierte Talente können beispielsweise interne Prozesse sein. Aus eigener Erfahrung kann ich mich z.B. an Freigaberegeln für Budgets erinnern, die im Normalfall auch langsam aber gut funktioniert haben. In einigen Ausnahmefällen musste ich jedoch im Sinne des Projektes (und des Unternehmens) nach Lösungen suchen, die nicht ohne Überschreiten der Prozessgrenzen möglich waren. Im konkreten Fall musste ich finanzellen Schaden im Projekt gegen das Risiko einer Revision abwägen. Ausserdem habe ich stets alles daran gesetzt, den aus Zeitgründen umgangenen Prozess unverzüglich „nachzuholen“.

Selbstverständlich ist das nicht immer unbemerkt geblieben. Einmal musste ich meinem Chef Rede und Antwort stehen. Letztendlich hatte er aber nur zwei Fragen / Hinweise für mich: 1. War das was du gemacht hast im Sinne des Unternehmens? 2. Bring das bitte schnellstmöglich wieder in Ordnung.
Lorbeeren oder Lob habe ich für meine Aktionen explizit nicht bekommen, aber jedesmal mein Projekt retten können, wofür ich dann am Ende das Lob kassiert habe.

Meine Empfehlung an Young Professionals lautet daher: Ganz ohne Risiko lässt sich Karriere nicht gestalten. Das befreit aber nicht von der Verantwortung einer gründlichen Abwägung und Überlegung.

Der Newsletter für Young Professionals


Kommentieren