The Young ProfessionalDas Online-Magazin für junge Talente von Henryk Lüderitz


Warum Führungskräfte den Umgang mit Macht verantwortungsvoll beherrschen sollten.

Möge die Macht mit Dir sein!

Ein Beitrag von Henryk Lüderitz

Wäre es mit der Macht doch mal so einfach, wie im Krieg der Sterne. Da gab es die gute Seite der Macht und die böse, dunkle Seite. Bämmm!! Leider ist es im Business nicht immer so einfach und klar zu differenzieren, ob das Ausüben von Macht immer sinnvoll ist und zum Job einer Führungskraft dazugehört. Hat man als junge Führungskraft die „Macht“ der neuen Position (Weisungsbefugnis!), gilt es sehr verantwortungsvoll damit umzugehen, denn „Gut und Böse“ bzw. der korrekte, angemessene Umgang mit Macht ist eine Kompetenz, die es zu erlernen gilt.

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In meinen Seminaren für junge Führungskräfte spielt das Thema: Umgang mit der neuen Rolle als Führungskraft eine wichtige Rolle. Der Rollentausch vom Mitarbeiter zum Chef fällt vielen High Potentials nämlich nicht leicht. Die Schwierigkeiten liegen selten in den Aufgaben und Methoden von Führungskräften. Sorgen bereiten den jungen Chefs die Themen, die sich schwierig greifen lassen und einer großen Individualität und Feinfühligkeit bedürfen. Und genau um so ein Themengebiet handelt es sich bei dem verantwortungsvollen Umgang mit „Macht“.

Deshalb habe ich ein Interview mit Dr. Matthias Nöllke geführt, der sich in seinem Buch „Machtspiele“ gezielt dieser Kompetenz von Führungskräften annimmt.

 

Dr. Matthias Nöllke, Buchautor "Machtspiele" (Bildquelle: Andrea Späth Fotodesign)

Dr. Matthias Nöllke, Buchautor „Machtspiele“ (Bildquelle: Andrea Späth Fotodesign)

„Hallo Herr Dr. Nöllke. Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für dieses Interview nehmen. Beginnen wir mit der Frage, welche Rolle das Ausüben von Macht -neben den üblichen Hard- & Soft-Skills- auf einem erfolgreichen Karriereweg spielt.“

Kompetent mit Macht umzugehen ist eine Schlüsselqualifikation für jeden, der Führungsverantwortung übernimmt. Wer sich darauf nicht versteht, wird scheitern. Punkt. Das bedeutet keineswegs, dass man zum „Machtmenschen“ werden muss. Ganz im Gegenteil, ein kompetenter Umgang mit Macht besteht häufig gerade darin, sich an der richtigen Stelle zurückzunehmen, anderen das Feld zu überlassen und ihre Kompetenzen zu nutzen. Zugleich muss man aber auch spüren, an welchen Punkten man nicht nachgeben darf, wo man Orientierung geben muss und wie man reagiert, wenn die eigene Führungsrolle in Frage gestellt wird.

 

„Wie wichtig ist es, auf dem Weg zur Führungsposition, bereits mit dem Thema zu beschäftigen? Beispielsweise mit der Frage, wie Kollegen und Chefs mit Macht umgehen?“

Den Umgang mit Macht lernen wir nicht erst im Beruf. In der Familie, in der Schule, unter Freunden, überall nehmen wir Einfluss und werden beeinflusst. Wir sammeln Erfahrungen, was wir tun müssen, um unseren Willen durchzusetzen. Wir bekommen mit, wie jemand auf uns Macht ausübt, offen, verdeckt, einschüchternd oder einschmeichelnd. Und wir alle kennen die Erfahrung von Machtlosigkeit. Das alles prägt uns. Wir sind kein unbeschriebenes Blatt, wenn wir in den Beruf einsteigen. Dort gelten aber häufig andere Regeln. Um sich da zurechtzufinden, halte ich das Konzept der „Machtspiele“ für sehr nützlich. Machtspiele folgen ganz eigenen Regeln, es gibt Spieler und Gegenspieler – und ein Ziel: Man möchte seinen Willen durchsetzen, zumindest aber die Bedingungen für künftige Machtausübung verbessern. Was Machtspiele außerdem auszeichnet, ist eine gewisse Doppelbödigkeit: Es wird das eine gesagt, aber es ist etwas anderes gemeint. Es wird eine Sache angekündigt, aber etwas anderes getan. Das wirkt etwas anrüchig. Und tatsächlich sind mache Machtspiele gefährlich, unfair oder sogar zerstörerisch. Aber eben bei weitem nicht alle. Es gibt Machtspiele, die nützlich sind, sportiv oder sogar charmant. Der entscheidende Punkt: Man muss die Regeln kennen, um angemessen reagieren zu können. Sonst gerät man schnell ins Abseits. Das ist im Beruf nicht anders als im Privatleben.

Berufseinsteiger sollten sich klarmachen: Wie Macht ausgeübt wird, welche ungeschriebenen Regeln es gibt, das kann sich sehr stark unterscheiden. Jedes Unternehmen, ja jede Gruppe hat ihre eigene „Machtspielkultur“. Wir müssen erst einmal die Lage peilen, aufmerksam darauf achten, was hier wie gespielt wird. Wer verfügt über welche Machtressourcen und wie setzt er oder sie sie ein? Und dann können selbstverständlich auch Berufseinsteiger Einfluss nehmen, ja, Macht ausüben. Natürlich bleibt ihr Einfluss begrenzt, aber das gilt für jeden. Denn Macht haben nicht nur die Führungskräfte, sondern auch die Mitarbeiter. Immer. Das können sie die Führungskraft auch spüren lassen.

 

„Ab wann muss man in der Lage sein, selbst Macht auszuüben?“

Macht besteht darin, seinen eigenen Willen durchzusetzen – auch gegen Widerstreben. Dabei muss dieser Wille keineswegs egoistisch sein. Führungskräfte haben ja die Aufgabe, ihre Macht im Interesse des großen Ganzen einzusetzen. Aber auch als Mitarbeiter kann ich das gemeinsame Interesse ins Spiel bringen, um Einfluss auszuüben. Doch nicht nur das: Gerade „Machtspiele“ geben uns die Chance, sehr dezent unsere Interessen zu wahren. Und damit kann man recht zügig beginnen. Nämlich sobald man begriffen hat, welche Machtressourcen man wie einsetzen kann. Diese Machtressourcen sind außerordentlich vielfältig. Zum Beispiel gehört auch Anerkennung dazu. Oder die Fähigkeit, Ärger zu machen. Gerade bei der Einflussnahme von unten nach oben darf beides nicht übersehen werden: Eine Führungskraft, der Anerkennung entzogen wird, befindet sich in einer schwachen Position. Sie wird versuchen, das zu vermeiden. Ebenso kann jemand starken Einfluss haben, wenn jeder weiß: Wenn wir dieses oder jenes tun, gibt es Unruhe und Stress.

 

„Wie sinnvoll ist es, sich frühzeitig darüber klar zu werden, dass auch das Ausüben von Macht gekonnt sein will  – und auf Dauer auch anstrengend und zermürbend sein kann?“

Es gehört zu den grundlegenden Einsichten: Die Ausübung von Macht muss dosiert werden. Sonst kehrt sie sich gegen uns. Jemand, der alles bestimmen will, bringt die Leute gegen sich auf. Vor allem aber trifft er oder sie schlechte Entscheidungen. Und dann kann man sehr schnell aus einer Machtposition abstürzen. Daher lautet das Betriebsgeheimnis der Macht, sie mit Menschen zu teilen, die kompetent und loyal sind. Die nehmen uns nämlich eine große Last von den Schultern, die wir alleine nicht tragen können.

 

„Frauen & Macht, wie passt das zusammen?“

Die Geschlechterfrage ist wesentlich komplexer, als sie häufig diskutiert wird. Ganz grundsätzlich glaube ich, dass Frauen ebenso viel Macht aufbauen können wie Männer. Machtspiele werden von Frauen nicht weniger versiert betrieben als von Männern. Entscheidend ist aber die „Spielkultur“ in dem jeweiligen Unternehmen. Mancherorts werden Sie nur ernstgenommen, wenn Sie eine gewisse Härte an den Tag legen. Das gilt für Frauen und Männer. In einer anderen „Spielkultur“ stellen sie sich sofort ins Abseits, wenn Sie so auftreten. Machtspiele laufen dort viel subtiler ab.

Dann gibt es immer noch Organisationen, die geprägt sind von so genannten „Old boys“-Netzwerken, Seilschaften von mehr oder minder „alten Herren“. Frauen haben dort keine Chance aufzusteigen, ebenso wenig wie Männer, die nicht dazugehören. Ob es besonders erfüllend ist, sich in solchen verknöcherten Organisationen aufzureiben, ist eine andere Frage.

Ein weiterer Aspekt: Es gibt typisch weibliche und typisch männliche Rollenmodelle, die wir nutzen, um unseren Willen durchzusetzen. Ob durch Mütterlichkeit, weiblichen Charme oder in der Rolle der angriffslustigen Amazone, Frauen können auf vielfältige Art Einfluss nehmen und tun das auch. Ein bemerkenswerter Unterschied: Dominante Frauen werden oft sehr kritisch gesehen, dominante Männer weniger. Vielleicht ändert sich das aber auch gerade.

 

„Kann man „Macht lernen“ oder ist der richtige Umgang eine Charakterfrage?“

Beides geht Hand in Hand. Jeder macht seine Lernerfahrungen im Umgang mit Macht. Dazu gehören ja auch Niederlagen. Die Ausübung von Macht kann man ganz gewiss bis zu einem bestimmten Grad „professionalisieren“ und lehren. Vor allem den verantwortungsvollen Umgang mit Macht. Doch muss immer auch der Wunsch vorhanden sein: Ich möchte Einfluss nehmen, Führungsverantwortung übernehmen. Nur wenn mir das etwas gibt, ja, sehr viel bedeutet, bringe ich die Energie auf, mich stark zu engagieren. Ich kann zwar in eine Führungsrolle hineinwachsen. Doch brauche ich immer eine gewisse charakterliche Grundausstattung. Nur dann werde ich eine wirksame Führungskraft sein können. Aber der Charakter ist eben nur der Anfang. Darauf aufbauend lässt sich enorm viel lernen. Und genau das geschieht ja auch bei erfolgreichen Führungskräften. Sie bringen beides mit: Die Anlage und die Bereitschaft, dazuzulernen.

„Vielen Dank für dieses spannende Interview“

Sehr gerne!

Fazit & Ausblick

Persönliche Anlage ausbauen und die Bereitschaft, neue Kompetenzen zu erwerben, ist also der „Macht-Schlüssel“ für wirksame Führungskräfte. Das bringt uns zu einer weiteren spannenden Frage: Welche persönlichen Anlagen sind für Führungskräfte unbedingt notwendig und welche Kompetenzen lassen sich auch nachträglich erlernen?
Wir gehen dieser Frage in dem kommenden Experiment „Natural Born Leader“ auf den Grund. Ihr dürft gespannt sein“

 

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