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Interview mit Tobias Groten, Kopf von Tobit.Software

Querdenken und Grenzen sprengen

Ein Beitrag von Meike Kühlkamp

Eigentlich wollte ich ihn fragen, wie er seine Mitarbeiter führt. Eigentlich wollte ich von ihm wissen, wann er als junge Führungskraft an Grenzen gestoßen ist und ja, eigentlich sollte dieser Artikel ursprünglich ein etwas anderer sein. Dass bei Tobias Groten aber grundsätzlich alles etwas anders läuft, wurde mir im Interview mit ihm schnell klar.

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       Kein Unternehmen, ein Team   

Das Erste, was ich von ihm höre, ist, dass er eigentlich die völlig falsche Anlaufstelle für mich sei. Tobias Groten ist Gründer und Inhaber des Softwareunternehmens Tobit.Software, das einerseits bekannt für ständig neue innovative Technik ist und sich andererseits immer wieder durch verschiedenste Marketingaktionen neu präsentiert. Der Kopf eines solchen Unternehmens muss sie haben: die Antworten auf meine Fragen, die Message an junge Führungskräfte, die es auch zu etwas bringen wollen.

Das sieht Tobias Groten anders: „Wir sind kein normales Unternehmen. Tobit ist vergleichbar mit einem Fußballverein, wenn man so will. Wir sind Teams.“ Kann er mir etwas über Mitarbeiterführung erzählen? Er meint Nein. Warum? Ganz einfach: „Ich bin kein Chef, der führt, in dem Sinne. Natürlich bin ich der Kopf des Ganzen und entscheide, aber ganz ehrlich: Eigentlich habe ich den ganzen Tag nichts zutun.“ Er sei „der Geist im eigenen Laden“, habe keine regelmäßigen Termine, keinen geregelten Arbeitsalltag. „Tobias zu sein, ist der beste Job, den man haben kann.“

    Start als junger Vordenker

Ganz von alleine geht das natürlich nicht. Dass sich Tobias Groten mittlerweile so entspannt „zurücklegen“ kann, verdankt er wohl auch seinem frühen Einstieg in die Geschäftswelt. „Ich habe meine Firma mit 16 Jahren gegründet.“ Als sein Schulleiter ihn damals drängt, sich zwischen Karriere und Schule zu entscheiden, ist die Sache für Tobias Groten direkt klar. Zum Zeitpunkt hat er bereits einige Auftragsarbeiten für Unternehmen ausgeführt und ist sich sicher: Er denkt weiter als die anderen und vor allem weiter, als die Großen/ die Chefs, für die er arbeitet. „Damals stellte ich den Firmen ein E-Mail-Programm vor, dass ich entwickelt hatte. Alle hörten mir zu und sagten mir, sie seien interessiert. Tatsächlich waren sie aber alle noch nicht so weit: Sie wollten Fax.“ Auch wenn Tobias Groten damals schon die Zukunft sieht, hält er sich noch an das Nachfrage-Prinzip.

Spaß heißt, Grenzen zu sprengen

Die beste Entscheidung seines Lebens. Er startet durch, Tobit.Software startet durch. Heute sind es rund 250 Menschen, die täglich tüfteln, um seine Ideen in die Realität umzusetzen. Sie arbeiten mit ihm, nicht unter ihm, so wie er sagt. „Unsere Hierarchie ist flach. Wir sind alle per Du.“ Seine Haltung zu anderen „klassischen“ Unternehmern sei distanziert. „Die meisten machen es falsch, besetzen eine leitende Position und sind direkt zu weit weg: vom eigentlichen Geschehen und vor allem von den Mitarbeitern.“ Zweidrittel von denen sind bei Tobit.Software noch keine 30 Jahre alt. „Bei uns arbeiten vor allem junge Leute, die ‚Wilden und Schrägen‘. Die meisten bleiben fünf Jahre bei uns und ziehen dann weiter.“ Rennen Tobias Groten die Leute weg? „Ganz im Gegenteil. Wir unterstützen unsere jungen Leute, wo wir nur können. Das heißt aber auch, dass wir sie zu Menschen ausbilden, die sich selbst überlegen, wo sie mal hinwollen und ihren Weg gezielt gehen und das ist richtig so. Wer bei uns guter Durchschnitt ist, bringt andere Läden zum fliegen.“

Dafür müssen seine jungen Leute vor allem lernen, ihre Komfortzone zu überschreiten und immer wieder neue Herausforderungen zu meistern. „Man muss immer aufpassen, dass der Druck nicht zu enorm wird, aber: Diejenigen, die es schaffen, ihren ‚Wohlfühlraum‘ zu verlassen und dabei den Kopf bewahren, machen es richtig.“ Das sei es, was Mitarbeiter motiviere: Nicht nur das Gehalt, sondern in erster Linie das Gefühl, das sich einstellt, wenn man seine eigenen Grenzen gesprengt hat. Das sei seine Definition von Spaß, so Groten. „Wenn ein Plan funktioniert.“ Andersherum sei es aber auch immer wichtig, rechtzeitig von Plänen und Vorhaben abzulassen. „Ich bin heute auch da, wo ich bin, weil ich früh aufgebe. Wenn ich merke, dass eine Idee von mir nicht zündet, finde ich mich direkt damit ab und habe Raum für Neues.“ Das sei in der Tat aber selten. „Ein bisschen was geht eigentlich immer, wenn man es richtig macht.“

Lässigkeit und richtige Intuition

Und manchmal geht vielleicht sogar noch etwas mehr, wenn man eine gesunde Lässigkeit und die richtige Intuition besitzt, sich auf die wesentlichen Dinge fokussiert und sich vom Titel „Chef“ nicht die nötige Weitsicht nehmen lässt, so wie Tobias Groten. Denn was er „Geist im eigenen Laden“ nennt, würde ich wohl eher als stiller Motivator und Initiator seines Teams betiteln. Und auch wenn ich während des ganzen Interviews den Eindruck bekomme, dass ich es mit einem scharfsinnigen Gegenüber zutun habe, dem nichts entgeht, hat der Tobit.Software Geschäftsführer doch eines übersehen: War er doch so überzeugt, dass ich bei ihm völlig falsch sei, denn „Führen“ sei nicht sein Thema, war es am Ende ganz offensichtlich zum ersten Mal nicht ich, die das Gespräch „geführt“ hat.

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