The Young ProfessionalDas Online-Magazin für junge Talente von Henryk Lüderitz


Kein leichter Weg: Wer charismatischer Leader sein will, braucht Persönlichkeit & Format

Walk your Talk!

Ein Beitrag von Henryk Lüderitz

Nachdem Henryk Lüderitz sich in der vergangenen Woche mit teils widersprüchlichem Verhalten von Unternehmen beschäftigt hat, richtet sich sein Appell heute ganz klar an Euch: Die „Young Professionals“ und „High Potentials“ dieser Welt! An all die mit den ganz großen Erwartungen an Karriere, Erfolg und Glück. Ihm als Management-Trainer und Coach sind da nämlich ein paar Kleinigkeiten aufgefallen. Hier sein beinahe erschreckender Bericht …


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Henryk Lüderitz, Spezialist für die Entwicklung von Führungskräften, sieht Persönlichkeit als wesentlichste Eigenschaft von Führungskräften und rät: „Walk your talk!“
In meinen Seminaren, Vorträgen und Coachings sitzen regelmäßig Menschen, die auf dem Weg zur Führungsposition meine Unterstützung in Anspruch nehmen. Sie lernen Werkzeuge, Methoden und gemeinsam üben wir die Anwendung und Umsetzung im Daily Business. Soweit so gut. Doch mit reiner Methodenkompetenz ist noch kein charismatischer Leader gemacht. Deshalb vermittele ich in meinen Seminaren ganz intensiv die Dinge, die neben der Methodenkompetenz Führungskräfte zu dem machen, was sie sein sollten: Zu akzeptierten und respektierten Persönlichkeiten.

Wer allerdings jetzt schon in komplexen „Psychomodellen“ denkt, liegt falsch. Es geht um die ganz menschlichen Dinge, wie z.B. Hilfsbereitschaft, Aufmerksamkeit, echtes Interesse, Ehrlichkeit, usw.

Kein Thema für Euch? Leider doch! Wie unglaublich wichtig diese Inhalte sind, ist mir in dieser Woche bei einem Spaziergang durch den Medienhafen aufgefallen. Da sind sie alle: Beratungsgesellschaften, Banken, Designer und Anwälte. Nur die Creme de la Creme. Aus bestem Hause, in besten Universitäten ausgebildet – aber leider menschlich doch noch nicht dort, wo ich charismatische Persönlichkeiten sehe! Bei meinem kurzen Spaziergang sind mir gleich mehrere Dinge aufgefallen:

1. Fehlende Hilfsbereitschaft & Engagement:
 Liebe Young Professionals, seht Ihr die alte Dame wirklich nicht, die ihren Einkaufstrolley mit Mühe und Not in den Bus wuchten muss? Und was ist mit der jungen Mutter, die sich mit Tasche und sperrigem Kinderwagen abkämpft? Für diese banalen Schicksale hatte zumindest an besagtem sonnigem Tag keiner von Euch ein Auge. Bricht Euch echt ein Zacken aus der (jungen) Krone, wenn man einer alten Dame oder jungen Frau mal hilft?

2. Offenheit:
 Liebe Young Professional, glaubt Ihr wirklich schon so unglaublich wichtig zu sein, dass jede Sekunde, die Ihr nicht ins Smartphone starrt, mehrere tausend € den Bach runtergehen? Auf mich wirkt es eher total verunsichert. Einzige Botschaft: Sprecht mich bloß nicht an!
 Warum denn nicht? Warum habt Ihr Angst vor Blickkontakten? Ihr seid doch so „straight & tough“, oder etwa doch nicht?

3. Ehrlichkeit: 
An besagtem Tag hatte ich etwas Zeit für einen Mittags-Snack in einem gut besuchten Café. Mittlerweile hat mich mein Umfeld noch mehr interessiert und mir ist ein Gespräch am Nachbartisch aufgefallen. Klingt jetzt ulkig: aber ganz ohne „Ohrenspitzen“ konnte ich (und bestimmt auch andere Gäste) mit anhören, wie dort eine kleine Gruppe junger (möchtegern) Profis über Kollegen und den Chef hergezogen haben.
 Liebe Leute, wenn Ihr ein Problem mit Kollegen oder Chefs habt, dann beweist doch bitte „A… in der Hose“ und sprecht die entsprechenden Personen bitte direkt an! Lästereien sind höchstens in der Grundschule erlaubt. Unter uns: Selbst da sind die ehrlichen (und direkten) Kinder häufig bereits die beliebtesten.

Liebe angehenden Leistungsträger, Leader und Experten: Karriere macht man nicht ausschließlich mit fachlicher Kompetenz!

Es gehört auch Persönlichkeit dazu, die im besten Falle so simple Kompetenzen wie Hilfsbereitschaft, Offenheit und Ehrlichkeit umfasst. Und zwar IMMER. Wer Führungskraft werden will, sollte gleich als erste Lektion akzeptieren, dass man immer und überall gesehen oder beobachtet wird. Die Vorbildfunktion lässt sich nicht ausschalten oder für die Mittagspause im Medienhafen ausziehen. Sie ist „always on“.

Mein Fazit:

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Henryk Lüderitz, Management-Trainer & Coach, zum erschreckenden Fazit: „Wer Karriere machen möchte, braucht mehr als Qualifikationen. Man sollte bereit sein, durch persönliches Verhalten positiv aufzufallen – und eine Vorbildfunktion zu übernehmen.“
Keine der Personen, die mir begegnet sind hätte ich als Führungskraft eingeschätzt. Und ich hoffe sehr, dass bis sie es evtl. werden (bzw. hoffentlich nicht schon sind!) sie diesen Artikel lesen – und dringend an sich arbeiten. Gleiches gilt natürlich für alle, die sonst wo in Düsseldorf und der Welt unterwegs sind und gerne einmal Führungskraft werden wollen.

Mein Tipp:
Lest weniger „Leadership-Bücher“, geht mit offenem, interessiertem Blick durch die Welt. Bietet Hilfe an, hört zu, schaut in Augen (statt auf Smartphones) und sagt ehrlich Eure Meinung.
 Ihr wollt charismatisch wahrgenommen werden, dann verhaltet Euch bitte auch so! In diesem Sinne:  „walk your talk!“

PS:
Damit Personaler und Recrutier in diesem Beitrag auch etwas mitnehmen können: Wie wäre es, wenn Ihr statt der klassischen Assessment-Übungen einmal folgendes Experiment wagt:

Tarnt Euch als alte Dame oder mit einem Kinderwagen bewaffnet – und lauft am Recruiting-Tag vor der Zentral keuchend auf und ab….

Mal sehen, wer´s gelesen und verstanden hat…

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