The Young ProfessionalDas Online-Magazin für junge Talente von Henryk Lüderitz


Führung: Perfektes Anschauungsmaterial für gute und missglückte Skills

Warum Dschungelcamp-gucken schlau macht

Ein Beitrag von Tanja Kaiser

Dschungelcamp-gucken ist was für Idioten? Wir finden: Im Gegenteil! Durch die richtige Brille geguckt, kann das RTL Spektakel nämlich für ausgesprochen klaren Durchblick sorgen. Und zwar auch in Deinem Business-Dickicht. Also: Führungskräfte aufgepasst! „Ich bin ein Star – holt mich hier raus!“ bietet perfektes Anschauungs-Material. Beispiel: Vollkommen missglückte Führungsversuche …

Helena soll auf´s schmale Brett. Im wahrsten Sinne des Wortes. In schwindelerregender Höhe. Und das auch noch blind! Team-Partner Ricky soll ihr helfen, denn Ricky soll Helena delegieren. Wie gesagt: Auf wahrlich dünnem Brett – gesichert, aber blind. Zu allem Überfluss sollen nun auch noch Hindernisse überwunden werden. Durch Helena, aber mit Rickies Anweisungen.

Eine alberne Prüfung im dümmlichen Dschungelcamp? Für noch dümmlichere TV-Junkies? Vorsicht Vorurteil: Wer schlau ist, sieht hier mehr als Privatfernsehen-Klamauk. Wer auf Zack ist, sieht hier Menschen unter Stress. Und in herausfordernden Situationen, die Teamfähigkeit, Überwindung, Leistungswillen, Empathie und Führungsvermögen erfordern und dabei zu mehr – oder eben auch weniger – Erfolg führen.

Helena und Ricky jedenfalls scheitern kläglich. Kein einziger Stern für die beiden – also mal wieder Kohldampf schieben. Denn Helena gab vorzeitig auf. „Ich kann nicht mehr – und ich will jetzt auch nicht mehr!“ hatte sie am Ende wiederwillig geschluchzt, nachdem sie zitternd und in Schockstarre kaum einen Fuss vor den anderen gesetzt hatte. Blind, auf dem schmalen, schwankenden Brett. Menschlich nachvollziehbar, oder? Durchaus. Aber hätte die Situation auch völlig anders laufen können? Sogar in gleicher Star-Besetzung? Oder war Helena schlichtweg zu unsportlich, zu bockig – und einfach nicht die richtige für das Spiel?

Die Antwort kennt, wer mehr als dem unterhaltsamen Moderatoren-Geplänkel gelauscht hat. Was war da eigentlich genau passiert?

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Henryk Lüderitz, Business-Trainer und Coach, weiß: „Gute Führung weckt Höchstleistungen bei Mitarbeitern.“
Henryk Lüderitz, Spezialist für die Entwicklung von Führungskräften, hat die Szene gesehen und analysiert: „Zu Beginn war Helena zwar skeptisch – aber bereit, die Herausforderung zu meistern. Sie ließ sich sichern, stand auf dem Brett und hatte mit dem Spiel begonnen!“

Auffällig: Es war eingangs noch Helena, die versuchte, Ihrem Spielpartner Ricky die Höhenangst zu nehmen. Was hat sie gebremst? Warum war sie wenige Minuten später nicht mehr in der Lage, das Spiel fortzusetzen?

Henryk Lüderitz: „Der Schlüssel zum Misserfolg des Teams lag tatsächlich weniger in Helenas Haltung, als in der Ansprache durch ihren Team-Partner. Ricky wurde zusehends lauter, schrie, verhielt sich unsachlich und aggressiv. Vor allem verhielt er sich  wenig emphatisch. Er hat sich eindeutig nicht auf Helenas individuelles Empfinden zur – blinden – Situation in der Aufgabe eingelassen. Statt den von ihr individuell als hoch empfundenen Stress zu reduzieren, hat er den Stress sogar noch weiter erhöht – und keinerlei Versuch gemacht, stattdessen ihre Bewusstsein für die vorhandenen Ressourcen zu stärken. Also lieber: `Denk dran: Es kann nichts passieren, denn Du bist gesichert!´ statt`Meine Güte! Lauf doch endlich! Wegen Dir verlieren wir noch..!´ “

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„Stressfaktoren reduzieren, statt zusätzlichen Stress aufbauen“, Henryk Lüderitz ist Spezialist für die Entwicklung von Führungskräften
Im Fazit rät Henryk Lüderitz jungen Führungskräften:

  1. Sind besondere Herausforderungen zu meistern, sollten Führungskräfte immer berücksichtigen, dass Aufgaben individuell unterschiedlich wahrgenommen werden. Und zwar unabhängig von fachlichen Kompetenzen! Beispiel Präsentationen: Für manche Menschen ist es unangenehmer vor einer größeren Gruppe zu sprechen, als für andere. Dies bedeutet jedoch nicht, dass der zurückhaltende Typus nicht für Präsentationen eingesetzt werden sollte. Vielmehr kommt es auf die richtige Führung an!
  2. Hierzu sollten individuelle Stressfaktoren des Mitarbeiters nicht noch weiter erhöht werden, indem unnötig Druck ausgeübt wird, beispielsweise mit Formulierungen wie: „Der Erfolg unserer Abteilung hängt jetzt nur von Ihnen ab! Ich hoffe, das ist Ihnen klar!“
  3. Stattdessen sollten individuelle Stressfaktoren reduziert werden, indem man das Bewusstsein des Mitarbeiters für die eigenen Ressourcen und Stärken aufbaut. „Sie haben die Inhalte der Präsentation doch ausgezeichnet erarbeitet. Sie haben das Projekt voll im Griff – und das mit der Präsentation kriegen Sie auch noch hin. Notfalls springe ich mit ein!“
  4. Stimme und Körpersprache: Um individuellen Stress von Mitarbeitern zu reduzieren, spielen auch der Einsatz von Stimme und Körpersprache des Vorgesetzten eine sehr große Rolle. Lautes Schreien führt zur Verstärkung des Stressfaktors. Um den Mitarbeiter gedanklich aus der für ihn schwierigen Situation herauszuholen, sollte eher ruhig, leise und sachbezogen gesprochen werden.

 

Also: Gute Personalführung lohnt sich. Und Dschungel-gucken natürlich auch!

„Alle Infos zu „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ im Special bei RTL.de: http://www.rtl.de/cms/sendungen/ich-bin-ein-star.html

 

 

 

 

 

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