The Young ProfessionalDas Online-Magazin für junge Talente von Henryk Lüderitz


Armutszeugnis der Kommunikation

Bitte lasst die „Alles gut“-Floskel einfach sein

Ein Beitrag von Henryk Lüderitz

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Bestimmt fragt ihr euch, wie eine einfache Floskel euere Karriere gefährden kann. Floskeln sind doch nur harmlose Bestandteile unserer Kommunikation. Genau darin liegt das Risiko beim „Floskeln“. Unsere Worte prägen unsere Außenwirkung und beeinflussen zwischenmenschliche Verhältnisse. Auch dann, wenn sie wie Floskeln, nur so locker dahergeredet sind. Deshalb gilt es besonders beim floskeln, mit Vorsicht zu agieren.

Schaut zum heutigen Kommentar gerne auch bei unserem Podcast vorbei!

Innere Einstellung oder nur Floskel?

„Guten Morgen“ und  „Alles Gut?“ – so beginnen deutschlandweit vermutlich 30,5 Mio. Begrüßungen am Arbeitsplatz durch Kollegen oder Chefs. Alles ganz normal, oder?
Sicherlich handelt es sich bei „Alles Gut?“ erst einmal lediglich um eine Begrüßungsfloskel. Sie lässt aber die Frage offen, ob dahinter ein ehrliches Interesse steckt, oder aber nur gute Laune vorgegaukelt werden soll.
Persönlich empfinde ich die Frage als sehr gezwungen. Sie soll gute Stimmung verbreiten. Mit der Frage wird quasi suggestiv unterstellt und erwartet, dass „alles gut ist“. Sollte mal etwas nicht gut sein, will das aber auch eigentlich keiner hören. Zumindest ist das mein Eindruck.

Wie es besser geht:

Young Professionals und junge Führungskräfte sollten meiner Meinung nach so wenig zweideutig sprechen, wie möglich. Wenn ein (junger) Chef spricht, ist im Idealfall klar, was er sagen oder wissen möchte. Deshalb empfiehlt sich in unserem Beispiel stattdessen eine floskelfreie Begrüßung, wie z.B. „Guten Morgen, wie geht es dir?“. Natürlich muss dieses Interesse aufrichtig sein. So sollte euer Gegenüber auch genügend Zeit für eine Antwort haben dürfen.

Unangemessene Reaktion oder nur Floskel?

Die „Alles gut“-Floskel begegnet mir auch in anderen Situationen immer häufiger. Hier ein kleines Beispiel: Beim Einkaufen stehe ich an der Kasse und sortiere die gescannte Ware in meine Einkaufstasche. Als ich bezahlen möchte, finde ich mein Portemonnaie nicht in der Hosentasche und sage: „Ups, mein Portemonnaie ist in der Einkaufstasche…“, während ich bereits mit dem Ausräumen und Wühlen beginne.
 Die Reaktion der Verkäuferin ist draufhin: „Alles gut, alles gut!!“ Hä?? Für eine Sekunde halte ich inne und frage mich, ob ich so wirke, als würde ich gleich ausrasten und den Laden zerlegen wollen? Dann hätte ich diese beschwichtigenden Worte, wohlmöglich als angemessen empfunden. Allerdings: Wenn jemand eskaliert, ist für ihn ja gerade nichts gut! Wer also in einer echten Eskalationssituation die Worte „Alles gut!“ benutzt, darf gerne mal auf die Wirkung gespannt sein.

Wie es besser geht:

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Young Professionals und junge Führungskräfte sollten meiner Meinung nach über eine vielfältige und flexible Kommunikationsfähigkeit verfügen. Wer mit einer pauschalen „Alles gut“-Floskel versucht, blind jede Situation zu erschlagen, hat damit nur seine erbärmlich-verkümmerte Kommunikationsfähigkeit bewiesen.
 Die Auswahl an angemessenen Formulierungen ist riesig und sollte auch genutzt werden. In meinem Beispiel hätte die Verkäuferin auch sagen können: „Kein Problem / Lassen sie sich ruhig Zeit / Ach, kann ja mal passieren / Oh je, wie ärgerlich / Ist mir auch schonmal passiert….“.

Welche Floskel bringt euch auf die Palme?

Zugegeben, ich reagiere mittlerweile äußerst allergisch auf die „Alles gut“-Floskel.
Das ist besonders dann der Fall, wenn ich es als unangemessene und pauschale Totschlag-Floskel empfinde, die durch wesentlich charmantere Formulierungen ersetzt werden kann.
Wie sieht es bei euch mit Floskeln aus, auf die ihr kritisch oder gar ärgerlich reagiert? Was bringt euch innerlich auf die Palme?
Schreibt mir hier gerne mal eure „most hated“ Formulierungen in die Kommentare. Ich bin sehr gespannt und wünsche euch eine floskelfreie Zeit.

Euer Henryk

"The Young Professional"
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  • Marco Hall am 9. September 2019 um 20:28

    Steckt hinter diesem Artikel eine fundierte Studie oder hat sich hier ein Redakteur unter Leitungsdruck etwas aus den Fingern gesogen?

    Erst wird der Frage “Alles gut?” eine Floskel ohne ernst gemeintes Interesse unterstellt und anschließend als verbesserte Form ein “wie geht es dir” empfohlen.

    Persönlich empfinde ich die Verwendung der “Alles gut?” Formel viel aufrichtiger, da diese in der Regel angewandt wird, wenn man eine Anomalie im Verhalten des Gesprächspartners auffällt.

    Wie geht es dir wiederum ist selten mehr als eine Höflichkeitsform.

    • Henryk Lüderitz am 9. September 2019 um 23:13

      Hallo Marco,
      es freut mich, dass du mit dieser Redewendung so aufrichtig umgehst!

      Mit den allerbesten Grüßen,
      Henryk

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