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Wie geht eigentlich "Karriere"?

Karrieremythos „Authentizität“

Ein Beitrag von Henryk Lüderitz

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Authentizität: Echt sein, mit allen Ecken und Kanten, mit Vollbart und tätowierten Händen. Hauptsache die Außenwirkung verspricht einen authentischen, mutigen, selbstbewussten Charakter, dann kommt der Erfolg von ganz allein, oder? Leider ist die Formel „Authentizität = Erfolg“ nicht so uneingeschränkt gültig, wie es sich der frisch tätowierte Vorstadt-Revoluzer wünscht. Lasst uns doch mal gemeinsam einen Blick auf diesen Erfolgsmythos werfen…

Was ist eigentlich diese Authentizität?

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Diese Frage stellen sich in den letzten Jahren so viele Menschen, dass Google zum Suchbegriff „Authentisch“ in einer halben Sekunde mehr als 12 Millionen Einträge findet. In den letzten drei bis vier Jahren hat sich die Anzahl der Einträge damit mehr als verdoppelt. Offensichtlich ist authentisch sein gerade besonders angesagt. Die Vielzahl der Google-Einträge zeigt auch, dass es sehr unterschiedliche Definitionen gibt. Die kürzeste und altmodischste Definition kommt aus dem Duden und besagt „echt, den Tatsachen entsprechend und daher glaubwürdig“.
Auf eine Person übertragen lässt sich Authentizität meiner Meinung am besten so definieren, dass „Ein Mensch seinen Charakter, seine Werte, Stärken und Schwächen kennt und sich in dementsprechend verhält.“

Warum ist authentisch sein so angesagt?

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Momentan muss alles „echt“ sein. Vom Essen bis zum Karriereweg. Vermutlich ist dieser Trend die Gegenbewegung zu den ganzen Plagiatsaffären und Produktfälschungen, die in den letzten 10 Jahren immer häufiger wurden.
Der traurig-berühmte Auftakt dazu kam vom ehemaligen Verteidigungsminister und Vorzeigepolitiker Karl-Theodor zu Guttenberg. Aalglatt (nicht nur seine Frisur), intelligent und Karrierehungrig. So betrat er die politische Bühne. Als angepasster, unmoralischer Betrüger hat er sie fast so schnell wieder verlassen, wie er sie betreten hatte.
In meiner Wahrnehmung hat er damit die Gegenbewegung des „authentisch sein“ ins Leben gerufen. Egal wie du bist, Hauptsache du bist ehrlich. Hm, ehrlich sein, wie geht das denn eigentlich? Am einfachsten ist es, das Gegenteil von dem zu machen, was als unehrlich und angepasst empfunden wird. Also möglichst „Anti-zu Guttenberg-Style“: Möchtegern-Knast-Tätowierungen bis an die Finger, wuchernder Bart und Kippe im Mundwinkel. Wenn Karriere angepasst nicht funktioniert hat, muss es so gehen!

Wie man Authentizitäts-Blender entlarvt

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Mir gehen die krampfhaften Versuche ums Echtsein ziemlich auf den Geist. Besonders, weil ich relativ selten auf Personen treffe, die sich wirklich ernsthaft mit sich selbst beschäftigt haben. Und wenn, dann viel zu häufig nur mit den Stärken und angenehmen Dingen.
„Ich bin ein offener und kommunikativer Mensch!“ Ist einer der Sätze, der mir in meinem Job als Führungskräftetrainer sehr sehr häufig begegnet.
Letztens ist mir dabei der Geduldsfaden gerissen und ich habe meinen Gesprächspartner gebeten, mir zu dieser Eigenschaft mal einen „echten“ Eindruck zu geben. Sozusagen live. Das ratlose Gesicht war unbezahlbar. Selbstverständlich bin ich kein Unmensch und habe die Situation als Scherz mit Impuls zum Nachdenken freundlich und wertschätzend beendet.

Wie es besser geht…

Tut mir und eurem Umfeld den Gefallen und kopiert keine Eigenschaften, die besonders „echt“ wirken. Wer ein Milchbubi-Face hat, den macht kein halber Dreitagebart authentisch. Wer noch nicht im Knast saß, der braucht keine tätowierten Hände.
Sinnvoller ist es, sich selbst mal eine Zeit lang zu beobachten. Stellt euch am Ende eines Tages mal folgende Fragen:

  • Wann habe ich mich heute spontan & intuitiv verhalten?
  • Was passiert, wenn ich „ohne zu denken“ handele?
  • Wo und wann hatte ich Tagträume?
  • In welche Richtung gehen meine Tagträume?

Wer die Wahrheit sucht, muss sie ertragen können.

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Ödön von Horváth hat einmal geschrieben: „Eigentlich bin ich ganz anders, ich komm nur viel zu selten dazu.
Die Suche nach Authentizität und Wahrheit kann Erkenntnisse mit sich bringen, die nicht einfach zu ertragen sind.
Von mir selbst weiß ich, dass ich ziemlich enttäuscht war, als mir bewusst wurde, dass ich nur ganz wenige Dinge zu 100% durchziehe. Fast immer höre ich bei ca. 80% auf… Ich bin sozusagen die Reinkarnation des Pareto-Prinzip. Im ersten Moment war diese Einsicht natürlich ein bisschen frustrierend. Folgende zwei Fragen haben mir aber geholfen, etwas Positives aus der Erkenntnis zu ziehen:

  • In welchem Umfeld bringt mir diese Eigenschaft Probleme?
  • Wo und wie kann ich von dieser Eigenschaft profitieren?

In meinem Fall ist mir bewusst geworden, dass ich meine Stärken als „Innovator“ habe und gerne brachial nach vorne gehe. Parallel dazu sind mir dann auch ein paar Situationen in den Sinn gekommen, die diese Einschätzung bestätigt haben.

Die „Ich bin so“-Ausrede

That’s me…

Grundsätzlich ist es absolut sinnvoll sich mit sich selbst zu beschäftigen und nach den persönlichen Werten zu suchen. Ihr legt damit das Fundament für ein gesundes Selbstbewusstsein.
Aus aktuellem Trend heraus besteht aber genau darin eine gewisse Gefahr. Wer glaubt, sich zukünftig mit all seinen Charaktereigenschaften und Werten völlig unangepasst bewegen zu können, um damit seine Authentizität zur Schau zu tragen, ist falsch gewickelt. „Ich bin so!“ ist in diesem Kontext kein Beweis von Authentizität sondern von simpler Arroganz und Überheblichkeit.
Besonders kritisch ist dieses Verhalten bei Führungskräften. Als professionelle Führungskraft gilt es regelmäßig die eigene Wirkung zu überprüfen und zu hinterfragen.

Eure Erfahrungen mit der Authentizität

Wie authentisch seid ihr denn so? Wie gut kennt ihr euch selbst und wie geht ihr mit diesen Erkenntnissen um? Und welche Personen erlebt ihr als besonders authentisch?
Ich bin schon sehr auf eure Eindrücke, Erfahrungen und Kommentare gespannt…
Mit besten Grüßen,
Henryk Lüderitz


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