The Young ProfessionalDas Online-Magazin für junge Talente von Henryk Lüderitz


Praxisbericht inkl. kostenlosem Webinar

Vom Hilfsarbeiter zum High Potential – so geht eine außergewöhnliche Karriere

Ein Beitrag von Henryk Lüderitz

Über Karrieren wird viel geredet. Jeder kennt einen, der einen kennt, der im letzten Jahr gleich 3x befördert wurde und nun weiß, wie „Chef werden“ geht. Wie das genau passiert ist und was wirklich dahinter steckt, bleibt im diffusen Schatten der Spekulation. Anders bei uns. Wir berichten hier regelmäßig über Karrieretipps, die praxiserprobt sein müssen. Mit dem aktuellen Praxisbericht von einem meiner Kunden bekommt ihr den „blueprint“ für eine außergewöhnliche Karriere geliefert. Michal K. hat es geschafft, sich vom Hilfsarbeiter zum begehrten High Potential hochzuarbeiten. Als Business Coach & Führungskräftetrainer für das Managementnachwuchs-Programm der Firma Landgard durfte ich Michal auf diesem Weg begleiten. Wie dieser Weg genau verlief, welche Skills er eingesetzt hat und wie ihr das auch machen könnt, erfahrt ihr hier…

 

 

Wie verläuft eine außergewöhnliche Karriere?

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Ganz kurz und knapp: Fast niemals schnurgerade! Michal ist zwar ein recht „gerader Typ“. Mit seiner hochgewachsenen Figur sortiert man ihn gleich in die Kategorie Basketball oder Volleyball ein. Und genau dort kommt er auch her. Er hat in Polen Sport- und Gesundheitswissenschaften studiert und war zusätzlich als Profisportler im Volleyball aktiv.

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Immer für einen Spaß zu haben…Michal in einem meiner Seminare.
Dementsprechend sah auch seine ursprüngliche Karriereplanung aus. Nach dem Masterabschluß hat er als Sportlehrer an einem Gymnasium gearbeitet und es wäre bei einem halbwegs normalen Karriereweg geblieben, wenn nicht etwas Einschneidendes passiert wäre. Seine Frau hat plötzlich eine extrem attraktive Ingenieur-Position in Deutschland bekommen. Für die Paare, die keine Lust auf eine Fernbeziehung haben, gibt es eine einfache Karriere-Regel: Schnick-Schnack-Schnuck um die Karriere spielen 😉

Michal und seine Frau haben die Entscheidung sogar ohne dieses Spiel hinbekommen, weil beide neugierig auf ihren nächsten Entwicklungsschritt waren. Dass diese Entscheidung jedoch zu einem radikalen Einschnitt führen sollte, haben beide erst später bemerkt.

 

Wieder bei Null anfangen

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Manager lassen sich in Vorträgen gerne von Sportlern inspirieren, die ihnen davon erzählen, dass man niemals aufgeben darf, auch nach Niederlagen immer weiter machen soll. Bla bla klar, kennen wir alle. Besonders Michal, als Profisportler. Allerdings musste er hier erstmal ein paar Niederlagen der nicht sportlichen Art einstecken. Sein Studium wurde nämlich nicht vollständig anerkannt, weshalb er schonmal nicht mehr als Lehrer arbeiten konnte. Ok, also nur noch Profisport. Doch der zweijährige Vertrag bei den „Titans Wuppertal“ wurde aufgelöst, als sich der Besitzer des Vereins aus dem Sportgeschäft zurückgezogen hat. Nach einem weiteren Griff ins Klo hat Michal das gemacht, was ich als Business Coach vielen Kunden empfohlen habe. Nach 1-2 Fehlschlägen gilt es für Ruhe und Ordnung im Lebenslauf zu sorgen. Das Schlimmste wäre jetzt, sich davon unterkriegen zu lassen oder hektisch in den nächsten Job zu springen. Ruhe und Ordnung hat Michal dann in dem Job als Produktionshelfer bei Landgard gefunden.

 

220 Tage anders sein

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Ungefähr ein Jahr hat Michal diese Tätigkeit ausgeübt, bis sein Chef Hr. Sülz auf ihn zukam und er die erste Beförderung bekommen hat. Zukünftig durfte er als Produktionsplaner arbeiten. In diesem ersten Jahr hat Michal offensichtlich viele Dinge anders gemacht, als dutzende Produktionshelfer-Kollegen um ihn herum. Fragen wir ihn doch einfach mal selbst.

„Michal, was hast du anders gemacht?“

„Trotz meiner Sprachbarriere habe ich immer versucht, mit den Kollegen und Chefs zu kommunizieren. Das war gleichzeitig auch ein Training für meine Sprache. Ich wollte einfach mehr wissen und verstehen, als das, was ich dort gemacht habe. Klar hätte ich den Kopf ausschalten können und einfach nur fehlerfrei arbeiten können. Damit allein wäre meinem Chef aber niemals aufgefallen, dass ich mehr drauf habe. Ich wollte zeigen, dass ich mehr kann. Und wenn die Aufgabe das nicht hergibt, muss ich clevere Fragen stellen und zeigen, dass ich mich für mehr interessiere. Gleichzeitig habe ich auch immer meine Kollegen im Blick gehabt. Ich wollte niemals der Schleimer oder A…kriecher sein, den irgendwann das ganze Team hasst. Also habe ich mich auch immer für die Kollegen eingesetzt und versucht, dort zu helfen, wo es dem gesamten Team am meisten bringt. Das hat mir viel Akzeptanz bei den Kollegen eingebracht. Sie haben verstanden, dass ich nicht nur an mich sondern an uns alle gedacht habe. Durch meine Sport-Karriere liegt mir das vermutlich im Blut.“

 

Woran Chefs ein High Potential erkennen

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Nach dem ersten kleinen Karriereschritt hat Michal wesentlich näher mit seinem Chef arbeiten können. Hier musste er natürlich beweisen, dass seinem Interesse auch Leistung folgen kann. Offensichtlich hat er in den folgenden Monaten seine neuen Aufgaben so gut bewältigt, dass sein Vorgesetzter ihn für das Management-Nachwuchsprogramm der Firma angemeldet hat. Woran Herr Sülz erkannt hat, dass ein High Potential vor ihm sitzt, hat er mir selbst gesagt:

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Michal mit seinem Chef, Hr. Sülz

„Michal hat viel aus dem Profisport in sich. Er kombiniert den Blick auf das gesamte Team mit einer ständigen Selbstreflexion. Auch seine Fragen haben mich als Chef immer wieder herausgefordert, z.B. „Wie können wir / ich noch besser werden?“. Ich habe schnell erkannt, dass dieser Entwicklungs- und Wissensdurst durch seine aktuellen Aufgaben nicht lange gedeckt werden kann. Selbstverständlich tut es mir leid, ihn irgendwann gehen zu sehen. Aber bis dahin ist er ein Vorbild für alle anderen Hilfskräfte und Arbeiter im Unternehmen. Er spricht auch weiterhin mit seinem alten Team und ermutigt die Leute sich einzubringen. Seine Entwicklung als High Potential steigt ihm also auch nicht zu Kopf. Bescheidenheit empfinde ich persönlich einen sympathischen Charakterzug.“

Am Ende des Tages reicht es nicht aus, nur gut zu sein. Jeder potenzielle High Potential braucht auch einen Chef oder Mentor, der ihn sieht und fördert. Also, haltet die Augen auf und geht auf die Vorgesetzten zu, denen ihr am meisten zutraut, dass sie euch fördern.

 

Wie reagiert die Personalabteilung

Leider soll es durchaus Personaler geben, die aus Prinzip so manchen Aufstieg verhindern. „Kein Job für eine Frau / Ausländer / zu jung / zu wer weiß was“. Das würde selbstverständlich niemals als offizielle Begründung abgegeben werden. In der Realität hat man es als High Potential jedoch nicht nur mit Fürsprechern zu tun. Erst recht nicht, wenn ihr eine außergewöhnliche Karriere hinter euch habt. Bei Landgard ist das Talentprogramm ganz neu entwickelt. Ich habe mich dort mit vielen eigenen Ideen einbringen können und in dem Programm-Verantwortlichen Herrn Tovenrath einen kreativ-mutigen Geschäftspartner gefunden. Für ihn hat die außergewöhnliche Karriere von Michal perfekt ins neue Programm gepasst. Warum, hat er mir verraten:

„Mir ist es wichtig, dass wir Leute finden, die vernetzt sind, kommunizieren können und offen auf neue Aufgaben zugehen. Gleichzeitig müssen High Potentials die Selbstreflexion beherrschen. Immerhin schieben wir sie mit dem Programm ganz schön an. Junge Chefs dürfen dadurch nicht die Bodenhaftung verlieren oder nur noch den eigenen Kopf durchsetzen. Deshalb ist es mir wichtig, dass im gesamten Programm alle Inhalte, Entwicklungsschritte und Feedbacks von einem Trainer kommen, der Experte für junge Führungskräfte ist. Auch die Teilnehmer profitieren von einem Ansprechpartner, der sie über zwei Jahre intensiv begleitet. Zusätzlich lasse ich mir auch von den Teilnehmern intensive Rückmeldungen und Ideen zur Verbesserung des Programmes geben. Daran erkenne ich sehr schön, wer sich als aktiver Gestalter sieht oder lediglich darauf wartet, durch die Teilnahme automatisch auf den Chefsessel gespült zu werden.“ 

Ihr merkt, jede außergewöhnliche Karriere wird auch von einem cleveren Personaler begleitet. Dieser kann auch euer direkter Ansprechpartner sein, falls der direkte Vorgesetzte eure Karrierepläne nicht unterstützen möchte. Selbstverständlich zählt auch hier die Kombination: Leistung bringen, ans Team denken, über den Tellerrand schauen und gesunde Selbstreflexion üben.

 

Persönlicher Dank

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Herr Sülz, Michal und ich bei der feierlichen Übergabe das Abschluss-Zertifikates
Mir hat der Entwicklungsweg von Michal viel Freude bereitet. Er und sein Team sind jetzt auf dem Weg vom Mitarbeiter zum Chef. Ich kann mich noch gut an mein erstes Talentprogramm bei Vodafone erinnern. Als Teilnehmer war ich total aufgeregt und hatte viele Fragen. Was kommt wohl danach? Welchen Herausforderungen darf ich mich stellen? Wo kann ich die Entwicklung des Unternehmens als Führungskraft mitgestalten? Am Ende des Tages bzw. Ende eines solchen Programmes ergeben sich viele Wege und Entscheidungen automatisch. Für den einen früher, für den anderen etwas später. Es ist in der Regel aber die Eintrittskarte, die zu einem neuen Level qualifiziert. Ungefähr so, wie der Führerschein das Ticket in die Welt der KFZ ist. Es macht mich jedenfalls unglaublich stolz, zu sehen, wie meine Teilnehmer mit funkelnden Augen und voller Tatendrang solche Programme beenden. Für diese Momente sage ich ganz herzlich: Danke für die schöne Zeit mit euch!!

 

So startest du deine außergewöhnliche Karriere!

Du fragst dich jetzt bestimmt, wo und wie du bei deinem eigenen Karriereweg ansetzen kannst. Damit du es auch schaffst, eine außergewöhnliche Karriere aufzubauen, hier eine kurze Anleitung für den Weg vom Mitarbeiter zum High Potential. So geht Chef werden relativ einfach:

 

1. Eigenen Job beherrschen

Klingt banal, viele versuchen mit der Karriere der eigenen Inkompetenz zu entkommen. Stichwort Peter-Prinzip. Wer sich für eine gesunde Karriere qualifizieren möchte, muss daher zwangsläufig den eigenen Job drauf haben. Nichts ist unglaubwürdiger, als ein Mitarbeiter, der Ideen und Entwicklungswünsche hat, aber im Tagesgeschäft durch Fehler und Unzuverlässigkeit glänzt.

 

2. Aufbau von nutzbarem Fachwissen

Richtig gelesen. Es geht nicht darum irgendetwas zu wissen. Überleg dir, welches Wissen z.Z. in deinem Unternehmen gebraucht wird. Wenn du keine eigenen Ideen hast, geh direkt zu Punkt 3.

 

3. Mit dem Chef sprechen, Teil 1

Im ersten Schritt geht es darum, dem Chef zu zeigen, dass du das Team und die Abteilung nach vorne bringen willst. Frag ihn also, wo gerade der Schuh drückt und was du tun kannst, um zu helfen. Wo benötigt das Team oder die Abteilung noch Unterstützung. Was kannst du dir noch aneignen um einen zusätzlichen Mehrwert zu liefern?

 

4. Leistung bringen

Jetzt ist die Zeit gekommen, in der du zeigen musst, dass du nicht nur gut zuhören und verstehen kannst, sondern auch Ergebnisse lieferst. Wenn du im Schritt 3 die wichtigsten Prioritäten des Chefs und deiner Abteilung (des Teams) kennst, kannst du dich auch genau auf diese Punkte konzentrieren.

 

5. Mit dem Chef sprechen, Teil 2

Hast du ein paar belastbare und dringend gebrauchte Ergebnisse abgeliefert, ist die Zeit reif, über deine Entwicklungswünsche zu sprechen. Nicht alle Chefs sind wie Herr Sülz. Manche brauchen einen Hinweis vom Mitarbeiter, dass dieser sich weiterentwickeln möchte. Du musst ja nicht direkt mit der Tür ins Haus fallen und ihm sagen, dass du ein High Potential bist und in 5 Jahren Chef vom Ganzen sein willst. Bewährt hat sich die Frage: „Chef, ich arbeite sehr gerne hier, interessiere mich aber auch für meine persönliche Entwicklung. Was ist denn da möglich?“

 

6. Die Personalabteilung überzeugen

Falls der Chef nicht mitspielt, sich querstellt oder dich unbedingt klein und in seinem Team halten will, hast du noch eine zweite Alternative. Sprich direkt mit dem zuständigen HR-Manager oder Personalentwickler.  Die sehen zwar nicht gerne, wenn Führungskräfte ihre Aufgabe der Mitarbeiterentwicklung vernachlässigen, helfen aber im Notfall auch selbst gerne aus. Immerhin ist es für die Personalabteilungen der Worst-Case, wenn du als „Hidden High Potential“ gefrustet das Unternehmen verlässt.

 

7. Im Programm überzeugen

Bist du in das Talentprogramm gekommen, fängt die eigentliche Arbeit erst an. Diese Programme sind nämlich keine Selbstläufer, die jeden High Potential automatisch auf eine Chefposition befördern. In einem Entwicklungsprogramm für junge Führungskräfte geht es neben der Know-How-Vermittlung auch um die Prüfung, wer für eine solche Position die notwendige Reife mitbringt. Es empfiehlt sich daher, im Programm den gleichen Einsatz zu zeigen, der euch auch hineingebracht hat. Achtet auf die Teamkollegen, helft, fordert und unterstützt euch gegenseitig. Wer seine Teamkollegen im Programm als Konkurrenz sieht und die Ellenbogen ausfährt, gerät nicht nur im Team ins Abseits.

 

Du willst auch Chef werden und in ein Talentprogramm aufgenommen werden?

Prima, dann hast du hier sicherlich ein paar Impulse gefunden. Wenn dir das noch nicht reicht, bekommst du in meinem kostenlosen Webinar „So geht Chef werden“ weitere Tipps, Checklisten und Strategien an die Hand. Ich freue mich auf dich als Teilnehmer.

Hast du als High Potential bereits Karriere gemacht? Dann freue ich mich auf Ergänzungen, Ideen und Anmerkungen von dir.
Mit besten Grüßen,

Henryk


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