The Young ProfessionalDas Online-Magazin für junge Talente von Henryk Lüderitz


Erfolgreiche Führungskräfte setzen auf Wertschätzung

Das muss jede Führungskraft können – Wertschätzung für Anfänger!

Ein Beitrag von Henryk Lüderitz

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Ich frage mich immer wieder, warum Führungskräfte sich mit dem Thema Wertschätzung so schwer tun. Jetzt weiß ich es. Sie verbinden damit vermeintlich einfache Tätigkeiten, die im Alltag aber schier unmöglich umzusetzen sind. So bietet dieser Artikel beispielsweise die Wertschätzung per flexibler Arbeitszeit, Entwicklung, Lob, Mitbestimmung, Essen und Altersvorsorge an. Alles klar, mach ich doch mit links, denn angeblich sollen diese Maßnahmen weder Geld kosten, noch schwierig sein. Denkt sich die ambitionierte (junge) Führungskraft und scheitert bereits an der Frage, was genau zu loben ist. Von der Einführung einer flexiblen Arbeitszeit mal ganz zu schweigen.

Liebe Führungskräfte, lasst euch von solchen Artikeln keinen Floh ins Ohr setzen. Was dort steht ist zwar alles richtig aber gleichzeitig auch nur unreflektiertes Wiederholen von Führungstipps, die jedem passen. Wenn ihr wirklich an dem Thema Wertschätzung arbeiten wollt, dann beginnt doch mit der Pflicht. Statt direkt bei der Kür anzufangen. Ich habe euch hier ein paar Beispiele zusammengestellt, die ihr innerhalb einer Woche umsetzen könnt. Versprochen 😉

 

Wertschätzung als Hygienefaktor

Wertschätzung ist wie eine funktionierende Toilettenspülung. Sie wird schlichtweg erwartet. Ist sie nicht da, kann der Rest des Hauses noch so schön sein, es bleibt ein Haus mit einem kaputten Klo! Wertschätzung lässt sich nicht mit kostenlosem Essen, Entwicklungsplänen oder dem berühmten Kicker kompensieren. Mal davon abgesehen, dass diese Gimmicks alle Geld kosten (anders als im Artikel versprochen!), bleiben sie wirkungslos, wenn die Basis einer wertschätzenden Führung nicht gegeben ist. Ja, richtig gelesen, ihr könnt euch solche Klimmzüge sparen, solange ihr die folgenden Punkte nicht im Griff habt.

 

Mitarbeiter mit (richtigem) Namen (er)kennen

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Seid ihr schonmal mit falschem Namen angesprochen oder angeschrieben worden? Als Henryk ohne „d“ und mit „y“ bin ich in diesem Punkt einiges gewohnt. Gleichzeitig kenne ich es zu genüge, wie blöd es sich anfühlt, nicht richtig angesprochen zu werden. Noch schlimmer ist es, wenn die Namen komplett vertauscht oder der Einfachheit halber komplett weggelassen werden. Chefs, die sich so verhalten, können eigentlich auch sagen, dass ihnen die Mitarbeiter komplett egal sind. Der Pseudo-Entwicklungplan oder die Frage „Müller, ähh ich meine Meier: wie ist ihre Meinung dazu?“ können sich Chefs dann auch sparen.

 

Praxistipps vom Management-Trainer und Business Coach aus Düsseldorf:

Wer als Führungskraft seine Mitarbeiter vom Start weg begeistern möchte, kann Folgendes versuchen: Wenn ich ein neues Team übernommen habe, ließ ich mir vorher ein Organigramm des Teams inkl. Bilder der Mitarbeiter schicken. Damit habe ich dann „Memory“ gespielt, bis ich alle Namen und Gesichter aus meinem neuen Team kannte. Beim ersten Treffen (üblicherweise ein erstes inoffizielles Teammeeting) habe ich dann alle neuen Mitarbeiter mit Handschlag und persönlicher Ansprache begrüßt. An diese Art der Wertschätzung erinnern sich bis heute noch vieler meiner ehemaligen Mitarbeiter.

 

Geburtstage kennen

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Auch wenn es der neue Datenschutz vermutlich gar nicht mehr zulässt, ist es für Führungskräfte unerlässlich, die Geburtstage der Mitarbeiter zu kennen. Nichts ist schlimmer, als um 14.00h von einem Mitarbeiter daran erinnert zu werden, dass ein anderer Mitarbeiter heute Geburtstag hat. Diese verspätete Gratulation ist zwar besser als gar keine, kommt aber viel zu spät.

Praxistipps vom Management-Trainer und Business Coach aus Düsseldorf:

Wer es besser machen möchte, findet eine datenschutzkonforme Lösung für die Erinnerung an sämtliche Geburtstage. Am Tag des Geburtstags muss dann auch kein Buffet aufgefahren werden. Eine freundliche Gratulation am Morgen ist völlig ausreichend. Wertschätzung kann so einfach sein. Wer noch einen draufsetzen möchte, kann für den Mitarbeiter per Umlage ein kleines Geschenk organisieren. Das bedeutet zwar organisatorischen Aufwand, wird aber von den Mitarbeitern als eine wertvolle Geste geschätzt. Gleichzeitig verstärkt sich dadurch auch die Teamkultur und der Zusammenhalt.

 

Persönliche Begrüßung

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Wo wir gerade beim persönlichen Gruß sind. Jeden Mitarbeiter pro Tag mindestens einmal gesehen zu haben, gehört bei zentral geführten Teams zum guten Ton einer Führungskraft. Stellt euch mal vor, wie man sich als Mitarbeiter fühlt, wenn der Chef ausschließlich zur Übergabe bzw. Kontrolle von Aufgaben zu euch kommt.

Praxistipps vom Management-Trainer und Business Coach aus Düsseldorf:

Ich höre schon die ersten Einwände „Aber die sitzen viel zu weit entfernt…etc.“ Ja, gute Führungskräfte werden eben auch fürs Laufen bezahlt. Alternativ könnt ihr natürlich auch zum Telefon greifen und euch einmal pro Tag bei den Mitarbeitern melden, die gerade unterwegs sind oder deren Büro weit weg ist. Als Faustregel zählt: 2-3 mal pro Woche den Mitarbeiter Face-2-Face sehen. Wofür das noch notwendig ist, kommt im nächsten Punkt.

Und bevor ich es vergesse, aber wir sind hier ja bei den Basics: Bitte mit festem Händedruck und Blick in die Augen. Glaubt mir, ich erwähne es nicht ohne echten Bedarf bei vielen Führungskräften. Selbst mir als Management-Trainer gegenüber klappt das nicht immer.

 

Persönlichen Hintergrund kennen

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Interessanterweise wollen Mitarbeiter als Mensch gesehen werden. Überraschung! Besonders in Zeiten der Digitalisierung freuen sich Mitarbeiter, wenn Chefs sich für den Menschen interessieren. Negativbeispiel gefällig? Gerne. In meinen Seminaren sitzen häufig junge Führungskräfte, die sich intensive Gedanken zur Motivation der Mitarbeiter machen. Da kommen Ideen und Buzzwords wie z.B. „agile Gruppen“, „intirinsische Motivation“ & „flexible Arbeitszeiten“. Alles cool, solange ihr überhaupt wisst, was einen Mitarbeiter interessiert und bewegt. Ganz konkret: Warum will der eine Mitarbeiter flexible Arbeitszeiten haben, während der andere Mitarbeiter lieber fest von 07.00h bis 15.30h arbeiten möchte?

 

Praxistipps vom Management-Trainer und Business Coach aus Düsseldorf:

Den Mitarbeiter als Menschen zu sehen bedeutet, ihn mit allen Facetten zu kennen, die ihn ausmachen. Fragt euch doch mal, was eure Mitarbeiter privat bewegt. Wie ist ihr Familienstand? Gibt es eine kranke Tochter oder Oma? Plant der Mitarbeiter den Umbau seines Hauses? Oder möchte er per Abendschule eine zusätzliche Qualifikation erwerben, damit er endlich mehr Verantwortung übernehmen kann? Zugegeben, es sind recht persönliche Dinge, die manche Mitarbeiter gar nicht preisgeben wollen. Das solltet ihr als Vorgesetzter natürlich respektieren und auf ein Verhör verzichten. Meiner Erfahrung nach sind die meisten Mitarbeiter positiv vom Interesse des Chefs überrascht und gleichzeitig sehr gesprächsbereit. Wenn ihr euch die aktuellen Themen der Mitarbeiter merkt, könnt ihr ein paar Wochen später ganz nebenbei fragen, wie es aussieht. Ihr werdet staunen, welche Wirkung es hat, wenn Mitarbeiter merken, dass der vermeintlich übliche Smalltalk nicht einfach verpufft.

 

Richtig gut Führen – die einfachen Dinge richtig machen. Immer wieder!

Klar, die angeblichen Geheimnisse erfolgreicher Führungskräfte lassen sich schillernd und ultramodern verkaufen. Aus meiner persönlichen Erfahrung (da sind schon ein paar Jahre Führung zusammengekommen, was nicht unbedingt jeder Führungskräftetrainer oder Ratgeber von sich behaupten kann) bringen die tollsten Modelle und Methoden nichts, wenn ich die Basis nicht beherrsche. Erfolgreiche Führung kann als eine „Kunst“ gesehen werden, die mit Talent und Persönlichkeit verbunden ist. Gleichzeitig hat jeder Künstler eine Basis, die einfach sitzen muss. Der Musiker muss Noten beherrschen, der Maler muss Farben sehen können und der gute Chef muss die Wertschätzung beherrschen.

Wie ist eure ganz persönliche Erfahrung als Führungskraft mit diesem Thema? Was habt ihr erfolgreich anwenden können und woran seid ihr gescheitert? Und aus Sicht der Mitarbeiter: Wie wird wertschätzende Führung von eurem Chef praktiziert?
Ich freue mich auf eure Anregungen, Fragen und Kommentare,

mit sonnigen Grüßen,
Henryk

 


  • Berthold Fabian am 8. Juni 2018 um 9:17

    Hallo Herr Lüderitz,

    der Artikel ist auf den Punkt. Nach 30 Berufsjahren und ca. 20 als Führungskraft, sind die beschriebenen Dinge genau die, die Mitarbeiter (und auch ich bin bei beides, Führungskraft und Mitarbeiter 😉 schätzen und ohne diese Basis sind alle weiteren Aktionen Schall und Rauch. Wenn die Basis stimmt, dann lohnt sich natürlich auch die Investition in weitere Motivationsmaßnahmen. Aber ja, auch die müssen passen. Ein Event im Hochseilgarten z.B. kommt bei mir gar nicht gut an. Und das würde ich meinem Vorgesetzten auch nur offen aufzeigen, wenn die wertschätzende Basis vorher aufgebaut wurde ;-). Dann komme ich gerne mit und organisiere die Bodenstation.
    Fazit: Ich hoffe, die (jungen) Führungskräfte nehemen Ihre Ratschläge an.

    • Henryk Lüderitz am 8. Juni 2018 um 10:39

      Hallo Herr Fabian,
      vielen Dank für Ihr Lob. Es freut mich, wenn sich hier auch erfahren Führungskräfte zu Wort melden und aus eigener (erfolgreicher) Erfahrung bestätigen, dass die kleinen Dinge einen großen Unterschied machen können.

      Ich freue mich auf den weiteren Austausch mit Ihnen und wünsche Ihnen heute einen guten Start ins Wochenenden.
      Mit sonnigen Grüßen,
      Henryk Lüderitz

  • Matthias Fröba am 8. Juni 2018 um 14:16

    Ich finde Ihren Artikel sehr gut. Es kommen natürlich noch einige Kleinigkeiten dazu. Es ist auch wichtig wie groß das Team ist, wie heterogen ist das Team, welche Altersunterschiede, welche Charaktere sind im Team usw..
    Ich war über 38 Jahre Personalleiter und zum Schluß für 7 Firmen mit über 1300 MA zuständig.

    • Henryk Lüderitz am 11. Juni 2018 um 10:34

      Hallo Herr Fröba,
      vielen Dank für Ihre Zustimmung und Ergänzung. Sie sprechen ja aus Erfahrung: Wertschätzung beginnt zwar mit einfachen Dingen, ist aber keinesfalls trivial oder mit der Gießkanne (ein Mittel für ALLE) erledigt.
      Mit besten Grüßen,
      Henryk Lüderitz

  • Lukas am 10. Juni 2018 um 21:04

    Gut gemeint ist jedoch immer noch schlecht…..
    Sie vermengen bei Ihren Vorschlägen Ebenem, die getrennt bleiben sollen bzw spezifiziert werden müssen.:
    1. Persönlichen Hintergrund kennen: Ich will nicht das mein Vorgesetzter diesen bei mir kennt. Mein Privatleben ist mir heilig! Wenn Sie meine arbeitsspezifischen Bedürfnisse/Wünsche meinen, einverstanden.
    2.“ Auch wenn es der neue Datenschutz vermutlich gar nicht mehr zulässt, ist es für Führungskräfte unerlässlich, die Geburtstage der Mitarbeiter zu kennen. “ Aber sicherlich nicht, denn das ist ein ganz und gar abzulehnendes paternalistisches Prinzip! Wir haben uns zurecht davon emanzipiert….kein Revival bitte!

    • Henryk Lüderitz am 11. Juni 2018 um 10:31

      Hallo Lukas,
      vielen Dank für Ihre Sichtweise auf dieses Thema. Ich freue mich, dass auch mal eine kontroverse Sichtweise hier auftaucht. Ich bin der Meinung, dass Ihre Sichtweise von Führungskräften respektier werden soll und Sie sich Ihnen gegenüber entsprechend verhalten kann.
      Mit besten Grüßen,
      Henryk Lüderitz

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