The Young ProfessionalDas Online-Magazin für junge Talente von Henryk Lüderitz


Teil 1: Interkulturelle Kompetenzen sind Pflicht für YP, Interview mit Expertin Dr. Gabi Kratochwil

Interkulturelle Kompetenz: Nicht nur vor den Kopf gucken

Ein Beitrag von Meike Kühlkamp

Du bist junge Führungskraft und stehst kurz davor,  deinen ersten großen Fisch an Land zu ziehen. Ein „high-end“ Kunde aus dem Ausland ist interessiert an einer dauerhaften Zusammenarbeit und du bist derjenige, der den Deal in trockene Tücher packen soll.

Du bist nervös, denn das ganze ist eine Mammutaufgabe. Die Verantwortung, die auf deinen Schultern liegt, pusht dich und treibt deinen Puls gleichzeitig auf 180. Aber du weißt, dass du gut bist und das schaffen kannst. Du hast dich hinreichend vorbereitet und alles gecheckt. Du hast alle Antworten, alle Daten und Zahlen.

Das Meeting mit dem Kunden ist durch. Alles ist nach Plan gelaufen. Du hast dein Unternehmen ganz vorne in den Köpfen aller platziert, jegliche Zweifel und Skepsis mit Fachwissen und Expertise aus dem Weg geräumt.

Und doch… Der Deal platzt.

Begründung des Kunden: Man habe seine Kultur ignoriert und missachtet.

Da hast du vor lauter Ehrgeiz das ganz Wesentliche aus den Augen verloren… Interkulturelle Kompetenz? Fehlanzeige!

Diversität umgibt uns überall

Die Globalisierung verlangt interkulturelle Kompetenzen.

Einem Anfänger sei das Verziehen, einem Profi darf so etwas nicht passieren. Wachsende Unternehmen sind Teil eines internationalen Netzes. Interkulturelle Begegnungen gehören damit für Young Professionals immer häufiger zum Alltag, sei es im Rahmen internationaler Partnerschaften oder auch einfach aufgrund der Diversität im eigenen Unternehmen. Wer beruflichen Erfolg anstrebt oder einfach jedem Menschen respektvoll gegenüber treten will, muss interkulturelle Kompetenzen erwerben und stärken.

Kultur zeigt sich auf den zweiten Blick

Das Aufeinandertreffen von Kulturen in der Geschäftswelt bietet unzählige Chancen, birgt aber eben auch Herausforderungen. Die Kultur eines Menschen ist immer gruppen-, bzw. kategoriespezifisch. Kultur ist etwas, das wir Erlernen. Treffen wir auf eine Person aus einem anderen Teil der Welt, müssen wir den kulturellen Hintergrund dieser Person beachten. Welche Sprache spricht mein Gegenüber? Welche Normen und Werte gelten in seiner Kultur? Vielleicht hat mein Gegenüber eine andere Zeit- und Raumwahrnehmung oder ein anderes Verhältnis zu Macht oder zu Autoritäten. Er schätzt vielleicht die Distanz, während ich Nähe als gute Beziehungsbasis sehe.

Interview mit Expertin Dr. Gabi Kratochwil

Unzählige Faktoren, die bei unterkulturellen Begegnungen eine entscheidende Rolle spielen. Wie wichtig interkulturelle Kompetenzen tatsächlich sind und wie Young Professional sich für die Arbeit im internationalen Raum rüsten können, erklärt Dr. Gabi Kratochwil, Expertin und Trainerin für interkulturelle Kommunikation im Interview:

Wie wichtig sind interkulturelle Kompetenzen für junge Führungskräfte?

In einer Welt globaler Märkte, internationaler Zusammenarbeit und kultureller Vielfalt in vielen Unternehmen, ist interkulturelle Kompetenz eine Schlüsselqualifikation. Um erfolgreich in globaler Komplexität agieren und Vielfalt als Vorteil nutzen zu können, ist es wichtig, unterschiedliche Märkte, Gestalter, Denk- und Handlungsweisen zu kennen und gemeinsam zu fragen: Was bedeutet das für unsere Zusammenarbeit? Welche Chancen und Herausforderungen ergeben sich an diesen internationalen Schnittstellen? Dies gilt nicht nur für den direkten face-to-face Kontakt, sondern vor allem auch mit Blick auf die zunehmend virtuelle globale Interaktion im Arbeitskontext.

Was bedeutet es eigentlich „interkulturell kompetent“ zu sein? Ist es die Fähigkeit der optimalen Balance zwischen dem Zurückhalten und dem Vermitteln der eigenen Kultur?

In einem ersten Schritt geht es zunächst darum, sich über eigene und fremdkulturelle Prägungen bewusst zu werden. Wie ticke ich? Wie tickst du? Wo haben wir Gemeinsamkeiten, wo bestehen Unterschiede und was bedeutet das für unsere gegenseitigen Erwartungen an die Zusammenarbeit. Bedeutet ein „no problem“ bei meinem Gegenüber auch „no problem“? Verstehen wir unter Effizienz und gutem Zeitmanagement das Gleiche? Auf der Grundlage eines wertschätzenden Vergleichs unterschiedlicher kultureller Prägungen geht es darum, zielführend miteinander zu interagieren. Mein Motto lautet daher: „Aufpassen, nicht anpassen.“ Es geht nicht darum, sich um jeden Preis jeweils anzupassen, sondern um die Fähigkeit, situativ angemessen unterschiedliche Sicht- und Handlungsweisen auf gemeinsame Ziele auszurichten und hierdurch das Potential von Diversität effektiv zu nutzen.

Gibt es Mittel/ Methoden, mit denen ich interkulturelle Kompetenzen ganz einfach im Alltag ausbilden und stärken kann?

Wir begegnen auch im Alltag ganz unterschiedlichen kulturellen Prägungen und daraus resultierenden Handlungsweisen, die zum Teil sogar gegensätzlich interpretiert werden können. Kopfschütteln in Bulgarien bedeutet Zustimmung, während es in Deutschland Verneinung signalisiert. Das kann zu Missverständnissen führen, wenn man nicht hinterfragt, miteinander kommuniziert und seinen Deutungshorizont erweitert. Auf dieser Grundlage können Selbst- und Fremdsicht reflektiert, bisherige Erfahrungen analysiert und ausgewertet sowie Handlungsstrategien erarbeitet werden, die einen sicheren und zielführenden Umgang im interkulturellen Kontext ermöglichen. Durch selbstreflektorische Positionierung und Perspektivwechsel können Offenheit sowie eine tatsächliche Akzeptanz und Wertschätzung für Partner aus einem unterschiedlichen kulturellen Kontext gefördert, aber auch eigene Grenzen erkannt werden.

Sollte in Anbetracht der heutigen Zeit (Weltgeschehnisse, Globalisierung,..) spezifisch darauf geachtet werden, dass Absolventen/Young Professionals interkulturelle Fähigkeiten mitbringen in einem verantwortungsvollem Job?

Gesellschaftliche und wirtschaftliche Trends verändern unsere Arbeitswelt. Demografische Entwicklung, Globalisierung, ein wachsender Anteil erwerbstätiger Frauen, mehr Menschen mit Migrationshintergrund – das sind die Themen, denen sich Unternehmen heute stellen müssen. Ihr Erfolg hängt auch davon ab, wie sie sich in globalisierten Wirtschaftskontexten und im Wettbewerb behaupten können. Gerade Young Professionals erhöhen ihre Chancen beim Berufseinstieg, wenn sie über interkulturelle Kompetenzen verfügen. Denn für viele Unternehmen ist interkulturelle Kompetenz, als ein zentraler Aspekt von Diversity Management, ein wichtiger Teil ihrer Unternehmensstrategie und Corporate Culture.

Zahlreiche internationale Studien, wie etwa von McKinsey bereits aus dem Jahre 2011 („Vielfalt siegt! Warum diverse Unternehmen mehr leisten“), haben belegt, dass gemischte Teams erfolgreicher sind: durch die Berücksichtigung vielfältiger Perspektiven liefern sie nachweislich besser Ergebnisse in der Problemlösung, Forschung und Entwicklung. Und Diversity Management vermittelt die Kompetenz, in vielfältigen Arbeitsgruppen mit unterschiedlichen Talenten erfolgreich zusammenzuarbeiten. Und das macht sich auch in der Rendite der Unternehmen bemerkbar: so belegte besagte Studie bereits 2011, dass die ROE und EBIT-Marge bei Unternehmen mit Vielfalt im Vorstand deutlich höher sind. Namhafte deutsche Unternehmen, wie Siemens, setzen auf Diversity Management. So auch Janina Kugel, Vorstand Human Resources and Chief Diversity Officer Siemens:„Diversity stärkt Siemens‘ Innovationsfähigkeit, realisiert das volle Potential unserer Mitarbeiter und trägt damit direkt zum Geschäftserfolg bei.“

Ich bin junge Führungskraft, fremde Kulturen sind mir ein Rätsel und interessieren mich nicht. Was birgt diese Einstellung für Gefahren?

Ein deutscher Geschäftsmann betonte kurz vor Vertragsabschluss mit einem lokalen Partner aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, er fühle sich hier am Persischen Golf wie zu Hause. Gut gemeint, falsch gemacht. Denn der lokale Partner zog sich daraufhin zurück, zu einer Vertragsabzeichnung kam es nicht mehr. Aus arabischer Sicht handelt es sich um den Arabischen und nicht den Persischen Golf. Angesichts der politischen Situation derzeit am Golf ein brisanter Fauxpas, der eben auch schon einmal den lukrativen Abschluss torpedieren kann. Für eine erfolgreiche Performance im globalen Kontext ist es wichtig, nicht nur solche interkulturellen Fettnäpfchen zu kennen, sondern die lokalen Besonderheiten der Märkte und ihrer Akteure, um sich und sein Unternehmen strategisch darauf einstellen zu können. Gerade auch als junge Führungskraft ist es wichtig, unterschiedliche kulturell bedingte Führungsstile zu kennen, um globale Teams motivieren und leiten zu können.

Think Global, Act Local – lautet die Devise der Zukunft.

Und wie das konkret funktioniert, verraten wir euch im nächsten Artikel!

Fortsetzung folgt….

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