The Young ProfessionalDas Online-Magazin für junge Talente von Henryk Lüderitz


Führen am Limit

Uneinsichtige Mitarbeiter – diese drei Tricks helfen!

Ein Beitrag von Henryk Lüderitz

uneinsichtige Mitarbeiter, Personalgespräch, schwierige Mitarbeiter, gute Führung

Früher oder später begegnen sie jeder Führungskraft – uneinsichtige Mitarbeiter. Mit ihrem Verhalten strapazieren sie die Nerven von Chefs und Kollegen. Wie sich uneinsichtige Mitarbeiter ganz einfach überzeugen lassen, erfahrt Ihr hier.

Wie ticken uneinsichtige Mitarbeiter eigentlich?

uneinsichtige Mitarbeiter, Personalgespräch, schwierige Mitarbeiter, gute Führung

Timo ist seit 3 Monaten Teamleiter von 10 Sachbearbeitern. Bisher hat alles gut funktioniert. Er genießt noch einen ersten „Welpenschutz“. Doch so langsam erkennt er, wer im Team wirklich dabei ist und wer immer mal wieder seine Grenzen testet. Timo setzt deshalb von Beginn an auf direkte und wertschätzende Feedbackgespräche, die auch sehr gut angenommen werden. Von fast allen Mitarbeitern. Nur Horst P. gibt sich in den Feedbackgesprächen sehr uneinsichtig. Er versucht zu diskutieren, hat Einwände und fast immer kommt von ihm noch ein „aber“. Timo verzweifelt fast und fragt sich immer wieder: wie tickt dieser Horst eigentlich?

Genau diese Frage ist auch schon der erste Schritt zu einer möglichen Lösung! Das Zauberwort heißt „Empathie„, also das Einfühlungsvermögen gegenüber dem Mitarbeiter. Wenn Timo herausfindet, was Horst zu seiner blockierenden Haltung bewegt, stecken darin häufig schon erste Lösungsansätze. In der Praxis führen Motiv-Fragen zu diesen hilfreichen Antworten.

Zum Wechsel der Sichtweise auffordern

uneinsichtige Mitarbeiter, Personalgespräch, schwierige Mitarbeiter, gute Führung

Viele Führungskräfte bauen ihre Mitarbeitergespräche so auf, dass es rein um Argumente geht. Wer die besseren „Karten“ in der Hand hält, hat automatisch gewonnen. Mitarbeiter werden so im wahrsten Sinne des Wortes an die Wand gespielt, ohne sich wirklich verstanden zu fühlen.
Hat Timo jedoch erstmal herausgefunden, warum sein Mitarbeiter sich so uneinsichtig verhält, kann er ihm im Gespräch ganz anders begegnen.

Hilfreicher ist es daher, dem Mitarbeiter im Gespräch das Gefühl zu geben, dass man seine Position nachvollziehen kann. Dafür eignet sich für Timo beispielsweise ein Satz wie „Ich kann gut verstehen, dass Dein Training der Jugendmannschaft für Dich wichtig ist und Du deshalb sehr pünktlich Feierabend machen möchtest!“
Gleichzeitig ist es hilfreich, den uneinsichtigen Mitarbeiter dazu zu ermutigen, ebenfalls mal die Sichtweise zu wechseln. Timo kann den Mitarbeiter bitten, sich auch mal in seine Lage zu versetzen. Besonders gut funktioniert das mit einer offenen Frage, wie z.B. „Wie würdest Du das Thema XY denn an meiner Stelle angehen?
Viele Mitarbeiter sind mit diesem „Rollentausch“ regelrecht überfordert und brauchen für eine qualifizierte Antwort eine gewisse Zeit. Und genau darin liegt eine große Chance, den Mitarbeiter zum Umdenken zu bewegen.

Das richtige Timing

uneinsichtige Mitarbeiter, Personalgespräch, schwierige Mitarbeiter, gute Führung

Ein uneinsichtiger Mitarbeiter hat seinen Standpunkt in der Regel nicht erst seit gestern. Er ist daher relativ geübt darin, die Welt aus diesem gewohnten Blickwinkel zu betrachten. Andere Ansichten oder Standpunkte sind ihm relativ fremd. Es ist daher fast unmöglich, den uneinsichtigen Mitarbeiter im Gespräch zum Wechsel des Blickwinkels zu bewegen. Ganz einfach, weil er es in dem Moment auch nicht kann!
Zielführender ist, ihm zum Wechsel der Sichtweise etwas Zeit zu geben. In der Praxis bietet es sich daher an, dieses Gespräch gegen Feierabend oder an einem Freitag zu führen. Mit einer Formulierung wie „Denk doch bis morgen / Montag bitte mal darüber nach, was Du an meiner Stelle machen würdest…“ lässt sich dann so ein Gespräch prima beenden. Damit ist der Impuls im Kopf des Mitarbeiters angekommen und kann sich in Ruhe ausserhalb der Arbeit entwickeln. In den meisten Fällen sprechen die Mitarbeiter in der Freizeit mit Freunden oder dem Partner über die Situation in der Firma. Da ist die Chance recht hoch, dass weitere (positive) Impulse hinzukommen und sich der Mitarbeiter tatsächlich für einen neuen Blickwinkel erwärmen lässt.

Wie sind Eure Erfahrungen mit uneinsichtigen Mitarbeitern? Oder habt Ihr selbst mal viel zu lange an einer Sichtweise festgehalten? Und wenn ja, wie ist Euer Chef damit umgegangen?
Ich freue mich auf Eure Kommentare und Fragen. Mit besten Grüßen, Euer Henryk

Wie bist DU bisher mit uneinsichtigen Mitarbeitern umgegangen?


  • Katrin Muschner am 19. März 2019 um 18:00

    Man muss tatsächlich noch unter uneinsichtig und unbeweglich unterscheiden. Eine Uneinsicht entsteht häufig auch aus einer Unverständlichkeit oder einer persönlichen Befindlichkeit gegenüber einer Sache oder einer Person. Das sind zumeist keine hoffnungslosen Fälle und man findet fast immer Ansatzpunkte für eine Lösung. Bei einer Unbeweglichkeit, sehr oft: man möchte aus Prinzip die eine oder andere Sache nicht,beißt man sich leider oft zu die Zähne aus und findet dennoch keine Lösung. Aber das sind meine Erfahrungen.

    • Henryk Lüderitz am 20. März 2019 um 20:59

      Hallo Katrin,
      vielen Dank für Deinen Kommentar. Du hast da wirklich eine sehr feine Unterscheidung erkannt, die ich sehr gut nachvollziehen kann. Unbeweglich ist auf jeden Fall die härteste Stufe der Herausforderung.
      Mit besten Grüßen,
      Henryk

  • Kommentieren