The Young ProfessionalDas Online-Magazin für junge Talente von Henryk Lüderitz


Empathie für Führungskräfte

Wie empathisch musst du als Chef sein?

Ein Beitrag von Henryk Lüderitz

Empathie, Empathisch sein

Empathie wird gerne als Erfolgsfaktor für Führungskräfte gehandelt. Gleichzeitig sind sich viele Führungskräfte unsicher, wie empathisch sie eigentlich sein müssen. Reicht es aus, einen weinenden Mitarbeiter als traurig wahrzunehmen, oder gehört noch mehr dazu? Hier gibt es ein paar Tipps, wie ihr an das richtige Maß an Empathie kommt. Den passenden Podcast zu diesem Artikel gibt es hier.

Was ist Empathie eigentlich?

In meinen Seminaren für (junge) Führungskräfte spielt Empathie immer eine sehr große Rolle. Ganz besonders deshalb, weil nur wenige Teilnehmer ein klares Bild von Empathie haben.
Wer empathisch ist, kann die Gefühlszustände von anderen Menschen erkennen. Eine Steigerung ist das Verstehen und Nachempfinden dieser Gefühlszustände. Ihr merkt schon, es handelt sich um ein sehr emotionales Gebiet, worin eben auch der Grund für die Verunsicherungen vieler Chefs liegt. Den meisten Chefs ist klar, dass sich Mitarbeiter Empathie vom Vorgesetzten wünschen. Doch wie viel davon ist richtig?

Ein Praxisbeispiel

Das Empathie ein sehr dehnbarer und individueller Begriff ist, habe ich selbst an folgendem Twitter-Post gemerkt:

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Mein Redakteur Frederik hatte ihn mir, als Idee für diesen Artikel geschickt. Während ich ihn gelesen habe, kam in mir die Frage auf: „Ist das jetzt zu viel Empathie gewesen, oder war das genau richtig?“.

In diesem Beispiel wird nämlich kein offensichtlicher Gefühlszustand erkannt, sondern ein Verhalten interpretiert. Und da liegt für mich eine persönliche Grenze. Wo kommen wir hin, wenn Chefs sich über jegliche Verhaltensänderung der Mitarbeiter Gedanken machen müssen? Keine Frage, wenn es sich um signifikante Verhaltensänderungen handelt, wie z.B. eine plötzliche und extreme Unpünktlichkeit, dann besteht Handlungsbedarf. Bei etwas lauterem Lachen sollten aber noch keine Alarmglocken klingeln. Deshalb hier ein paar Praxistipps, worauf gute Chefs achten sollten.

Gefühle: Ausgelöst durch eine Situation

Das richtige Maß an Empathie beginnt im Berufsleben bei ganz alltäglichen Situationen. Ziele die erreicht bzw. nicht erreicht werden, Konflikte im Team, ein gewonnener Pitch etc. Solche Situationen lösen in der Regel Emotionen bei den beteiligten Mitarbeitern aus. Diese Emotionen zu erkennen, ist das Mindestmaß an Empathie für einen Chef. Mindestmaß deshalb, weil selbst für Führungskräfte mit autistischen Zügen klar sein sollte, dass ein nicht erreichtes Ziel Gefühle der Trauer, Frust oder sogar Wut auslösen können. Chefs sind also gut beraten, wenn sie sich in alltäglichen Situationen bewusst machen, dass bei den Beteiligten Gefühle im Spiel sind. Eine gute Praxisübung ist, sich in unterschiedlichen Situationen zu fragen, welche Gefühle diese jetzt wohl bei den Beteiligten auslösen würde.

Gefühle: Losgelöst von Situationen

Die etwas höhere Kunst besteht für gute Chefs darin, ohne den Kontext der Situation, den Gefühlszustand des Mitarbeiters zu erkennen. Die Schwierigkeit besteht hier ganz klar darin, dass man nur auf Basis der Körpersprache bzw. dem Verhalten auf ein Gefühl schließen muss. Damit kann man eben auch kräftig daneben liegen. Mir hat ein Chef mal von einer Situation erzählt, in der eine Mitarbeiterin mit dem Rücken zu ihm saß und es so wirkte, als würde sie lachen. Sein Kommentar: „Hallo Frau X, sie sind ja gut gelaunt!“. Daraufhin hat sie sich total verheult umgedreht und von ihrer gestorbenen Katze berichtet. Ganz klar, hier wurden keine Empathiepunkte gesammelt. Das größte Risiko in der Interpretation der Körpersprache liegt darin, dass sie immer im Kontext der Situation zu sehen ist. Bestes Beispiel: Verschränkte Arme bei 7° Grad während der Pause auf dem Balkon, sind kein Zeichen der Ablehnung, sondern wahrscheinlich ein Zeichen von Kälte.

Wie Empathie für Chefs fast immer funktioniert

 

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Der erste Schritt zum richtigen Maß an Empathie für Chefs, beginnt mit der Wahrnehmung von „offensichtlichen“ Gefühlen in relativ einfachen Situationen. Alles was darüber hinaus geht, sollte mit folgender Empathie-Methode verfolgt werden. Ich habe die besten Erfahrungen damit gemacht, dass ich mir einfach ein paar Minuten Zeit für den Mitarbeiter genommen habe, bei dem ich irgendwie das Gefühl hatte, dass er oder sie sich verändert hat. Im kurzen Gespräch unter vier Augen habe ich dann gefragt: „Und, wie geht es dir so?“. In den meisten Fällen kam als Antwort darauf dann schon die Erklärung für die Veränderung, das Gefühl oder sogar das konkrete Ereignis. In dem Fall gilt es selbstverständlich, die richtige Reaktion und die richtigen Worte zu finden. Insgesamt konnte ich mir auf diese Weise, das Rätselraten über Verhaltensweisen und Gefühle ersparen. Vielmehr kann man mit dieser Methode, wirklich emphatisch auf seine Mitarbeiter eingehen.

Eure Erfahrungen mit empathischen Chefs

Wie ist es euch denn als Chef bisher mit der Empathie ergangen? Habt ihr in sensiblen Situationen immer richtig gelegen, oder vermeidet ihr diese Situationen lieber ? Und welche Erfahrungen habt ihr in diesem Zusammenhang mit euren eigenen Vorgesetzten gemacht?

Ich freue mich auf euere Antworten, Fragen und Kommentare,

Euer Henryk

"The Young Professional"
gibt es jetzt auch als Podcast.

  • Elena am 19. Oktober 2019 um 9:34

    Je besser man sich in den anderen hineinversetzen kann, um so bessere Leistungen kann man bekommen. Daher in meinen Augen sehr wichtig.

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